Offene Kirche Elisabethen
Für einen guten Zweck: Frauen helfen Frauen in Not – mit Luxustaschen

Die Mitglieder der Frauenserviceclubs Zonta und Soroptimist sammeln sortieren seit Tagen Taschen. Am 6. und 7. April veranstalten sie eine Taschenbörse in der offenen Kirche Elisabethen. Den Erlös spenden sie an das Projekt «FrauSein».

Olivia Meier
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Ein mal pro Woche treffen sich die Frauen, um hunderte Taschen zu sortieren.

Ein mal pro Woche treffen sich die Frauen, um hunderte Taschen zu sortieren.

Nicole Nars-Zimmer niz

Feministinnen sind die Frauen, die hier tagelang Taschen sortieren, nicht. Das sagen die Mitglieder der Frauenserviceclubs Zonta und Soroptimist selbst. Sie sind politisch neutral und an keine Religion gebunden. «Wir kämpfen für die Stellung der Frau, für ihre Bildung, ihre Gesundheit und gegen Gewalt an Frauen», sagen Edith Rutz und Annamarie Schelling. Sie sind Vertreterinnen der beiden Serviceclubs. Rutz für Soroptimist, Schelling für Zonta. Sie kämpfen mit einem speziellen Projekt. Seit drei Jahren rufen sie jährlich alle Frauen in der Region dazu auf, Taschen, die zu Hause im Schrank liegen und nicht mehr gebraucht werden, zu spenden.

Die zusammengetragenen Schätze werden dann bei einer Taschenbörse verkauft. Am 6. und 7. April in der offenen Kirche Elisabethen. Der Erlös geht an einen guten Zweck, an Frauen oder Mädchen, die Hilfe brauchen. Diesmal an das Projekt «FrauSein» der offenen Kirche Elisabethen, ein Projekt für Flüchtlingsfrauen. Sie bekommen dort Unterstützung, können unter sich sein und sich austauschen. Das Projekt kommt erst langsam ins Rollen. Das gespendete Geld der beiden Serviceclubs soll Starthilfe bieten.

Seit beinahe einem Monat sind Frauen der beiden Clubs nun am Sammeln. Verschiedene Geschäfte in der Region nehmen die Taschen entgegen. Rutz und Schelling machen regelmässig Touren durch die Region. In die Stadt Apotheke in Liestal, in N&N Mode in Sissach, in den Blumenladen Blumen Design in Binningen und durch Basel in zahlreiche weitere Geschäfte. Sogar in Lörrach an der Volkshochschule können die Frauen ihre Taschen abgeben. Nach mehreren Stunden sind sie dann fertig. «Mein Auto war heute zum Bersten voll», sagt Rutz über ihr Tagwerk. Bis zum 31. März werden noch Taschen gesammelt.

Die fleissigen Sortiererinnen

Einmal in der Woche treffen sich einige Mitglieder der Clubs, um zu sortieren. Ehrenamtlich. Bei einem Besuch brummt es wie in einem Bienenstock. Überall Taschen. Und Frauen, die die Taschen sortieren. Während der Arbeit wird gelacht. Ein bisschen Smalltalk, einige lustige Sprüche, Bemerkungen zu den Taschen. In einer Reihe stehen drei Louis-Vuitton-Taschen, teuer, edel – nicht das, was man bei einer Taschenbörse für einen guten Zweck erwartet.

Luxustaschen werden jedoch vermehrt gespendet. Die Frauen kennen die Spenderin. Die exklusiven Taschen lassen sie dennoch am Ende der Sammelaktion noch mal von einer Expertin überprüfen. Auch bei der Aktion selbst werden sie speziell aufgelegt - und bewacht. Ihren Spenderinnen sind die Frauen sehr dankbar - nicht nur denen, die teure Taschen spenden.

Schon im letzten Jahr wurden einige Luxustaschen gespendet, wie Rutz erzählt: «Die teuerste Tasche, die im letzten Jahr verkauft wurde, war eine von Louis Vuitton. 700 Franken konnten wir damit einnehmen.»

Obwohl, auf den Preis der Tasche kommt es laut Schelling gar nicht an: «Ich bin selber eine Taschenliebhaberin. Taschen sind für Frauen etwas sehr Persönliches. Man entsorgt sie nicht einfach. Für einen guten Zweck sind wir aber bereit, uns von einigen Exemplaren zu trennen.» Sie und Rutz entwickelten die Idee mit der Taschenbörse. Zum einen für den guten Zweck, zum anderen auch für die «Publicity», wie Rutz bestätigt.

«Die beiden Frauenorganisationen Zonta und Soroptimist sind leider weniger bekannt.» Obwohl: Zonta Basel gibt es bereits seit 66 Jahren. Zonta International feiert nächstes Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Die Soroptimisten werden 61. Ein gemeinsames grösseres Projekt, das viel Aufmerksamkeit erreicht, könne den Bekanntheitsgrad erhöhen, war die Idee. Bekannt ist die Börse, zumindest wenn man einen Blick auf die Berge an Taschen wirft. «Bis jetzt haben wir zirca 1 800 Taschen gesammelt. Unser Ziel sind 3000 Taschen.» Die Taschen werden von den Frauen in verschiedene Preiskategorien eingeteilt.

Zehn Franken für günstigere Objekte, dann ein Anstieg bis zu 55 Franken. Die Frauen schauen die Taschen genau an. Wie sehen die Ecken aus? Aus welchem Material sind sie gemacht? Und am wichtigsten: Sind sie leer? «In den Taschen finden wir die unterschiedlichsten Sachen, Münzen, Schminke, Schlüssel und vieles mehr», sagt Schelling lachend. In dem Raum, der den Frauen von einem Gönner zur Verfügung gestellt wird, findet man eine Art Altar, wo alle Fundsachen gesammelt werden.

Taschen wie Pneus

Nicht nur Damenhandtaschen bekommen die Frauen gespendet. Auch Männertäschchen, Gürtel und Portemonnaies finden ihren Weg zur Taschenbörse. Rutz betont: «Wir haben manchmal sehr spezielle Taschen, wo wir uns denken, wer könnte die gebrauchen? Dann kommt eine Frau an die Börse und die Tasche ist wie für sie gemacht.» Schmunzelnd erzählt sie eine Geschichte vom letzten Jahr von einer Frau, die verzweifelt an die Börse kam und ein Geschenk für eine Freundin in Bern suchte. Sie entdeckte ein Tasche, die aussah wie ein Pneu. Die perfekte Tasche für die Freundin, die aussergewöhnliche Taschen sammelt. Ein glücklicher Fund. Günstig gekauft und erst noch einen guten Zweck unterstützt.

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