Gefährden die vom Bund geförderten Berufsmeisterschaften SwissSkills regionale Berufsmessen? Die Thurgauer SVP-Nationalrätin Verena Herzog ist davon überzeugt. Denn die Stiftung SwissSkills will weiter ausbauen und den Grossanlass künftig statt alle vier Jahre jedes zweite Jahr durchführen. «Die dezentralen Schweizer Berufsmessen in den Kantonen sehen in dieser Entwicklung eine grosse Bedrohung für ihre Existenz», gibt Herzog zu bedenken.

Der Grund: Die SwissSkills beschränke sich nicht auf Meisterschaften. Vielmehr werde der Anlass auch für Berufsinformationen und Nachwuchswerbung von Grossunternehmen genutzt. Das konkurriere direkt regionale Berufsschauen. Auch könnten viele Schulen pro Jahr nur an einem Anlass teilnehmen. «Berufsverbände sind finanziell und personell so stark gefordert, dass sie auf regionale Berufsschauen verzichten müssten», sagt Herzog. Deshalb fordert sie den Bundesrat als wichtigen Geldgeber dazu auf, darauf hinzuwirken, dass die SwissSkills auch künftig nur alle vier Jahr stattfinden.

Auf Unterstützung trifft die Thurgauer SVP-Nationalrätin etwa in Basel. «Wenn die SwissSkills alle zwei Jahre stattfinden und somit jeweils rund einen Monat vor unserer Messe, ist das sicher eine Konkurrenz für unsere regionale Berufsmesse», sagt David Weber vom Basler Gewerbeverband. Dieser organisiert die Basler Berufs- und Weiterbildungsmesse, die mit rund 100 Ausstellern und 30'000 Besuchern zu den grossen regionalen Berufsmessen in der Schweiz zählt.

Sorgen um Basler Berufsmesse

«Es besteht die Gefahr, dass die Ausstellerzahl bei den regionalen Berufsmessen sinken wird», sagt Weber – gerade von schweizweit tätigen Firmen, die sich auf die nationale Plattform zur Nachwuchswerbung konzentrieren könnten. Auch für die Branchenverbände bedeute ein Zweijahres-Rhythmus der SwissSkills eine grosse Zusatzbelastung, die Ressourcen bindet. Weber: «Wir brauchen an regionalen Berufsmessen eine grösstmögliche Präsenz von Ausstellern, um Jugendliche für die Berufsbildung begeistern zu können.» Solche Plattformen seien angesichts des Fachkräftemangels wichtiger denn je.

Weniger betroffen ist die Berufsschau der Baselbieter Wirtschaftskammer, die grösste Berufsmesse der Schweiz. Das allerdings ist eher zufällig, denn der Baselbieter Anlass findet jeweils in den Zwischenjahren der SwissSkills statt. «Die beiden Veranstaltungen ergänzen sich damit ideal», findet Urs Berger von der Wirtschaftskammer. Denn im selben Jahr könnten die Berufsverbände wohl tatsächlich keine zwei derart grossen Veranstaltungen stemmen.

Der Bundesrat dagegen sieht kein grundlegendes Problem. Für ihn sind die zentralen Meisterschaften als auch die regionalen Messen wichtige Pfeiler zur Förderung des dualen Berufsbildungssystems. Er teilt aber die Ansicht, dass sich die zentralen Meisterschaften und die Berufsmessen ergänzen und nicht gegenseitig konkurrieren sollen.

Auch Christoph Eymann kann die Befürchtungen aus der Region nicht nachvollziehen. «Für mich ist das keine direkte Konkurrenz», sagt der Basler LDP-Nationalrat und ehemalige Erziehungsdirektor, «wie regionale und nationale Meisterschaften.» Zudem steige mit der SwissSkills für den Bund die Bedeutung der Berufslehre, was die Chancen auf eine verstärkte Förderung erhöhe.

Kooperationen reichen nicht

Ganz wohl scheint es dem Bundesrat aber doch nicht zu sein. So sollen im Rahmen der SwissSkills 2020 die Vor- und Nachteile sowie das Kosten-Nutzen-Verhältnis hinsichtlich des künftigen Durchführungsrhythmus’ untersucht werden, stellt er in Aussicht.

In Basel aber trägt das kaum zur Beruhigung bei: «Das Grundproblem der zweijährigen Durchführung wird man auch mit einer verstärkten Kooperation nicht lösen können», sagt Weber vom Gewerbeverband. «Insofern nimmt der Bundesrat die Bedürfnisse regionaler Berufsmessen zu wenig ernst.»