Basler Oberstufen
Freiwillige Schulsynode kämpft für mehr Freiheit bei den Wahlplichtfächern

Das Initiativkomitee «für eine freie Wahl aller Wahlpflichtfächer in der Sekundarschule» will einen «Systemfehler» beheben, der P-Schüler an den Basler Oberstufen zu stark einschränkt.

Michel Zumoberhaus
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Schülerinnen und Schüler des P-Zuges sollen ihre Wahlpflichtfächer frei wählen können. (Symbolbild)

Schülerinnen und Schüler des P-Zuges sollen ihre Wahlpflichtfächer frei wählen können. (Symbolbild)

Chris Iseli

«Wir sind wirklich zufrieden. Die neue Sekundarschule läuft sehr gut», beurteilt Martin Metzger, Sekretär des Initiativkomitees, die aktuelle Situation an den Basler Oberstufen. Trotzdem wollen er und sein Initiativkomitee noch einmal Änderungen vornehmen. Laut Martin Metzger müsse ein «Systemfehler» behoben werden. Dieser sei bei den Wahlpflichtfächer ausfindig zu machen. Schüler des starken P-Zuges wären in ihren Wahlmöglichkeiten zu sehr eingeschränkt, während jene der schwächeren A- und E-Züge frei wählen könnten. Wenn nun eine P-Schülerin beispielsweise bereits weiss, dass sie nach der obligatorischen Schulzeit Industriedesign studieren möchte, dann wären bildnerisches Gestalten und als zweites Wahlpflichtfach technisches Gestalten vorteilhaft.

Oder: Ein P-Schüler will Dolmetscher werden und möchte die Wahlpflichtfächer Latein und Italienisch besuchen. Der Haken bei beiden Beispielen: Dies ist in der jetzigen Struktur nicht möglich. «Diese Interessen müssen wahrgenommen werden. Aus diesem Grund muss diese Initiative angenommen werden», sagt Fabienne Rebetez, Dozentin für Fachdidaktik Bildnerische Gestaltung Sek I & II an der FHNW Basel. Zu den kantonalen Abstimmungsvorlagen am 28. Februar gehört neben der «Neuen Bodeninitiative (Boden behalten und Basel gestalten!», auch die «Initiative für eine freie Wahl aller Wahlpflichtfächer in der Sekundarschule».

Letzten Sommer wurde in Basel-Stadt der Lehrplan 21 eingeführt. Manche Fächer, die vorher Einzelfächer waren, wurden zu Fachbereichen zusammengefasst. So zum Beispiel MINT, das die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik in einem Fach vereint. Hier sei ein weiteres Problem, dass teilweise noch nicht feststehe, welche Lehrerinnen und Lehrer dieses Fach unterrichten würden.

Eingeschränkte Freiheiten

Gegenwärtig können P-Schüler als erstes Wahlpflichtfach zwischen MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik), Latein und Italienisch wählen. Als zweites Wahlpflichtfach muss zwischen bildnerisches, technisches und textiles Gestalten sowie Musik entschieden werden. Die Initianten kritisieren, dass von sieben Wahlpflichtfächern drei aufgewertet würden – Latein, Italienisch und MINT. Vier würden hingegen abgewertet, nämlich bildnerisches, technisches und textiles Gestalten sowie Musik. Mit dem Motto «Jo! Ych gang gärn in d’Schuel!» gehen die Initianten auf Stimmenfang. Denn je mehr Freiheiten die Schülerinnen und Schüler bei der Wahl ihrer Fächer hätten, um so motivierter würden sie eben auch die Schulbank drücken. Es sei besonders störend, dass ausgerechnet die leistungsstarken Schüler hier eine Einschränkung erfahren würden, also jene, die wohl am motiviertesten seien.

Hinter der Abstimmungskampagne stehen verschiedene Lehrergewerkschaften: Die Freiwillige Schulsynode sowie die Kantonalsektionen der Gewerkschaft VPOD, des Verbands Schulmusik sowie des Fachlehrerverbands der Bereiche Gestaltung, Bild und Kunst. Mit Thomas Grossenbacher (Grüne) und Dominique König-Lüdin (SP) haben sich zudem ein Grossrat und die Grossratspräsidentin den protestierenden Lehrern angeschlossen.

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