Travestiekunst
Frau frische Helene, wo bitte ist denn Ihr Bart?

Philippe Ettwiller tritt als Double von Helene Fischer auf, als «frische Helene» – allerdings nie im Conchita-Wurst-Look. Denn er könne entweder Mann oder Frau sein, beides gehe nicht. Grandios sind seine Auftritte als Schlagersängerin trotzdem.

Martina Rutschmann
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Die Ähnlichkeit ist frappant: Die echte Helene Fischer singt in schwarz, während es das Basler Pendant golden und rot mag.zVg/Chris Iseli/

Die Ähnlichkeit ist frappant: Die echte Helene Fischer singt in schwarz, während es das Basler Pendant golden und rot mag.zVg/Chris Iseli/

«Ich bin nicht Conchita Wurst, ich bin die frische Helene!» Paff! Die Botschaft sitzt. Ist also nix mit der Story über «Conchita Wurst aus Basel». Aber, Philippe Ettwiller, Sie tragen einen so schönen gepflegten Bart, gut, er ist blond, aber trotzdem: Will Helene nicht damit posieren, nur einmal? Keine Chance.

«Ich habe grossen Respekt vor dem, was Conchita Wurst macht. Aber ich bin entweder ein Mann oder eine Frau. Beides geht bei mir nicht.» Schade, aber trotzdem spannend: Die frische Helene hat einiges mit der Wurst gemeinsam. Sie ist ein fescher Kerl, der manchmal als Frau unterwegs ist und sich dann in die Herzen ihres Publikums singt.

Die frische Helene ist eine Art Double der deutschen Schlagersängerin Helene Fischer. Philipp Ettwiller findet zwar, «mit 42 Jahren bin ich nicht mehr so frisch», doch könne er nicht einfach den Namen seines Idols stehlen, weshalb er diesen abgewandelt habe.

Zum Idol wurde die Sängerin per Zufall. Der Franzose Ettwiller kannte sie gar nicht, als er vor einigen Jahren im Internet nach geeigneten deutschen Playback-Songs suchte. Zu seinem Geburtstagsfest in der Bar «L39», wo er Geschäftsführer ist, wollte er seine Freunde überraschen – und nicht wie sonst in Jeans, mit Hemd und Bart und natürlich ungeschminkt erscheinen, sondern eben als Dragqueen inklusive einer Show.

Selbst dunkler Haaransatz stimmt

«Das ist noch chic», dachte er, als er Helene Fischer singen hörte. Inzwischen kennt er jedes ihrer Lieder auswendig. Aufwendiger, als die Songs zu üben, ist die Transformation. Bis zu vier Stunden dauert es, bis Philippe Helene ist. «Da kommt alles weg!», sagt er, «also, fast alles ...». Haare im Gesicht, an den Beinen, überall, wo sie bei einer Frau eigentlich nicht hingehören.

Dann die ständige Suche nach Perücken. Helene Fischer trug das Haar kurz, damals, als Philippe anfing. «Ich kaufte eine langhaarige Perücke und ging damit zum Coiffeur.» Inzwischen trägt das Original die Haare lang und entsprechend auch die frische Helene. Alles passt, auch der dunkle Haaransatz.

Trotzdem: «Ich bin nicht perfekt», sagt Ettwiller. «Es kann noch besser werden.» Dass bei seinem Auftritt neulich im Restaurant Torstübli beim Stadtoriginal Lotti Weber alle jubelten, als Helene sang, reicht nicht, um Philippe zu überzeugen: Du bist spitze!

Darum hat er es bisher nicht gewagt, seinem Idol von seiner Existenz zu berichten. Damit warte er noch, sagt Ettwiller. Wenn es mit seinem Erfolg allerdings so weitergeht, besteht die Gefahr, dass Helene Fischer selber auf ihr Basler Pendant aufmerksam wird. Etwa dann, wenn nach der Party am Samstag jemand ihren Auftritt ins Netz stellt.

Immerhin werden erstmals mehrere hundert Leute die Basler Variante von «Atemlos durch die Nacht» zu hören bekommen. Das Lampenfieber verfolgt Ettwiller bis in den Schlaf: «Ich hab kürzlich geträumt, dass ich nicht rechtzeitig fertig werde mit der Rasur.» Das hiesse: Aus der frischen Helene würde doch noch eine Conchita Wurst, wenn auch eine blonde – und unfreiwillig.

L39, Gaybar, Rebasse 39. www.l39.ch

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