Es liest sich wie eine reine Erfolgsmeldung: «Basler Museen: Positive Besuchsbilanz» titelt das Präsidialdepartement und liefert in einem Communiqué die Zahlen für das Jahr 2017. «Die 24 staatlichen und privaten Museen in Basel-Stadt haben im Jahr 2017 insgesamt 1 487 910 Besuchende verzeichnet. Das ist ein Zuwachs von 8,1 Prozent gegenüber 2016.»
Tatsächlich ist die Gesamtbilanz im Vergleich mit dem Vorjahr positiv. Allerdings betreibt das Departement, mit Verlaub, ein bisschen Augenwischerei.

Die Fondation feierte Rekorde

Die Steigerung der Besucherzahlen ist vor allem der Fondation Beyeler in Riehen zu verdanken. Diese hat in ihrem 20. Betriebsjahr nicht nur ein Jubiläum, sondern auch einen Besucherrekord feiern können: Fast eine halbe Million Menschen besuchten das grösstenteils privat finanzierte Museum in Riehen. Die Ausstellung «Monet» wurde dabei mit 287 000 Besuchern zur zweiterfolgreichsten in der Geschichte des Museums überhaupt. Auch die Ausstellungen der Fotografien von Wolfgang Tillmans und der Werke von Paul Klee erhielten grossen Zuspruch. Ebenfalls beinahe 50 Prozent mehr Besucher zählte das Cartoonmuseum (2017: 23 000 Eintritte), das von der Christoph Merian Stiftung verwaltet wird und im vergangenen Jahr etwa mit der Schau des Star-Illustratoren Christoph Niemann lockte.

Die Bedeutung einer Fussnote

Schaut man sich die Statistik der Basler Museen aber genauer an, dann fällt auf, dass die Fondation Beyeler und das Cartoonmuseum zu den grossen Ausnahmen gehören. Denn viele Museen haben 2017 weniger Eintritte verzeichnet. Das Museum Tinguely blieb für einmal unter der Marke von 100 000 Besuchern. Besonders frappant sind die Schwankungen in den negativen Bereich bei zwei staatlichen Museen: beim Antikenmuseum
(–31,1%, ) und beim Historischen Museum Basel (–54,1%). Das Antikenmuseum vermochte nicht an den Erfolg der Sonderausstellung «Der versunkene Schatz. Das Schiffswrack von Antikythera» anzuknüpfen.

Und beim Historischen Museum Basel, das bekanntlich unter Misswirtschaft gelitten hatte, erklärt sich der Einbruch in einer klein gedruckten Fussnote: Bis einschliesslich 2016 wurden Gratiseintritte ins Kirchenschiff mitgezählt. Mit anderen Worten: Die Vorgänger des aktuellen Direktors Marc Fehlmann registrierten auch Kaffeegäste oder Shopbesucher als Eintritte, wodurch die Besucherstatistik des Museums in der Barfüsserkirche über Jahre verfälscht wurde. Diesem Schwindel wurde 2017 ein Ende gesetzt.

Damit erklärt sich auch, weshalb das Historische Museum von einem Jahr aufs andere die Hälfte seiner Besucher verloren hat: Die Zahl des Jahres 2017, rund 62 000 Eintritte, entspricht offenbar eher der Realität. Die Bilanz dieses Museums wird zusätzlich durch die Schliessung des Kutschen-Museums getrübt. Dieses brachte im jährlichen Schnitt 17 000 Besucher. Eine besonders positive Steigerung präsentiert die Abteilung Kultur beim Kunstmuseum Basel: 29,3 Prozent mehr Besucher als 2016. Allerdings ist dies mit Vorsicht zu geniessen. Der Hauptbau war bis zur Eröffnung des Neubaus im April 2016 geschlossen und entsprechend weniger gut frequentiert. Ein Vergleich dieser beiden Jahre ist daher fragwürdig.

Trotzdem darf das Kunstmuseum von einem Erfolg sprechen. Hatte es 2016 das gesetzte Ziel von 300 000 Eintritten noch verfehlt, so wurde dieses 2017 deutlich übertroffen. Insgesamt hat das Kunstmuseum in seinen Räumen 335 000 Besucher empfangen und ist damit unangefochten Nummer zwei unter den Museen des Kantons Basel-Stadt, gefolgt vom Naturhistorischen Museum, das seinen Aufwärtstrend des Jahres 2016 bestätigen konnte und 2017 123 000 Besucher registrierte.

Konstanz in Augusta Raurica

Der Blick über die Kantonsgrenzen hinaus zeigt, dass sich das Umland nicht verstecken muss: Das Vitra Design Museum etwa kann kontinuierlichen Zuwachs verbuchen: 2017 pilgerten 178 000 Design-Fans nach Weil am Rhein. Kaum Schwankungen, oder anders gesagt: stabile Zahlen kann Augusta Raurica ausweisen, das einmal mehr über 100 000 Besucher anlockte.

Bleibt noch die Frage, wie es um eines der Museen steht, das ein konstantes Politikum ist und ums Überleben kämpft: das Sportmuseum. Dieses zählte 2017 rund 2400 Besucher, wovon allein ein Viertel auf die Museumsnacht zurückzuführen ist. Es ist damit das zweitkleinste Museum, das von der Abteilung Kultur statistisch erfasst wird (externe Ausstellungen ausgenommen). Noch weniger Leute lockt nur die Sammlung auf dem Friedhof Hörnli an.