Betrug

Firmenbestatter unter Verdacht: Wurden Basler Firmen konsequent ausgehöhlt?

Betrügerische Konkurse verursachen volkswirtschaftliche Schäden in Millionenhöhe. (Symbolbild)

Betrügerische Konkurse verursachen volkswirtschaftliche Schäden in Millionenhöhe. (Symbolbild)

Die Baselbieter und die Basler Staatsanwaltschaften ermitteln wegen betrügerischer Konkurse in 150 Fällen. Haben sich Geschäftsführer und Mitarbeiter an der bereichert, die konkurse Firma ausgehöhlt?

Im Februar vor zwei Jahren meldete die Euro Gastro Handels GmbH mit Sitz in Liestal Konkurs an. Ein halbes Jahr später war die Firma, die mit Getränken und Lebensmitteln für Gastrobetriebe handelte, amtlich liquidiert, es war nichts mehr zu holen. Doch seither ermittelt die Baselbieter Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf betrügerischen Konkurs.

Im Visier der Baselbieter Strafermittler steht vor allem der türkischstämmige Geschäftsführer, der die Firma über einige Jahre führte. Doch auch Mitarbeiter stehen im Verdacht, sich an der fallierenden Firma noch bereichert zu haben. Kurz vor dem Konkurs hatte der Basler Treuhänder Rudolf Welter die GmbH als neuer Inhaber übernommen. Er steht im Verdacht, die Firma weiter ausgehöhlt zu haben, bevor er den hinausgezögerten Konkurs beim Zivilgericht anmeldete. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Grossverfahren mit zahlreichen Beschuldigten

Welter ist seit Jahren als «Firmenbestatter» unterwegs. Es sei ein legales Geschäft, sagte er vor einigen Jahren gegenüber dieser Zeitung. Doch daran haben nicht nur die Baselbieter Strafermittler mittlerweile ihre Zweifel. Auch die Stadtbasler Kollegen führen gegen Welter seit geraumer Zeit ein Strafverfahren. Ihm werden gewerbsmässiger Betrug, Urkundenfälschung, Pfändungsbetrug und Täuschung der Behörden vorgeworfen, und dies in 150 Teilbereichen.

Die Basler Staatsanwaltschaft will dazu keine konkreten Auskünfte erteilen, da es sich um ein hängiges Verfahren handle. Sie bestätigt jedoch, dass es «ein sowohl in zeitlicher wie administrativer Hinsicht enorm aufwendiges Strafverfahren» sei. Ermittelt wird nicht gegen Welter allein, sondern gegen ein ganzes Netz von Kleinunternehmern, die ihre Firmen mit seinem Zutun mutmasslich betrügerisch in den Konkurs setzten. Die Beteiligten sind vor allem im Gastro- und Baubereich tätig und haben ihre familiären Wurzeln grossmehrheitlich in der Türkei oder in den Balkanstaaten. Die Staatsanwaltschaft sagt: «Das ganze Verfahren spielt in verschiedenste Lebenssachverhalte hinein, was die hohe Zahl von Mitbeschuldigten erklärt.» Diesen wird unter anderem Kreditbetrug, Warenbestellungsbetrug, selbst Betrug mit gefälschten Briefmarken sowie Anlagebetrug vorgeworfen.

Wer ist nun zuständig?

Dass nun Eckdaten zu den laufenden Ermittlungen an die Öffentlichkeit kommen, hängt mit einem Verfahrensstreit zusammen. Der ehemalige Betreiber der Euro Gastro Handels GmbH will, dass die Baselbieter das Verfahren an die Stadtbasler Behörde abtreten und die Verfahren dort vereinigt werden. Dies hat das Bundesstrafgericht in einem neuen Urteil jedoch abgelehnt und dabei Hintergründe wie Details der ermittelten Machenschaften geschildert.

Der Gerichtsbescheid verweist auch auf die Probleme der Ermittler: Im konkreten Fall beschuldigen sich die Beteiligten etwa gegenseitig, das Warenlager der Euro Gastro Handels GmbH noch vor dem Konkurs geplündert zu haben. Palettenweise sei Ware abtransportiert und damit der Konkursmasse entzogen worden. Konkrete Unterlagen bestehen jedoch keine. So wie auch keine korrekte Buchhaltung der Firma vorliegt. Der Betrug ist so offensichtlich, wie bis zur gerichtlichen Klärung unklar bleibt, wer dafür die Verantwortung trägt.

Zürich bei der Verfolgung des Konkursbetrugs führend

In der Strafverfolgung von betrügerischen Firmenkonkursen ist der Kanton Zürich führend. Sie hat eine Spezialabteilung ins Leben gerufen, um diese spezifische Form der Wirtschaftskriminalität zu bekämpfen, die nach Ansicht der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft alleine im Kanton Zürich einen volkswirtschaftlichen Schaden von jährlich 300 Millionen Franken anrichte.

Die Zürcher Strafbekämpfung ist gemäss einem Bericht des «Tages-Anzeiger» erfolgreich: In den vergangenen vier Jahren wurden gegen mehr als 1800 Gesellschaften und gegen 1000 Personen Ermittlungen geführt, wobei nur jedes zehnte Verfahren ergebnislos eingestellt werden musste. Die schärfere Bekämpfung der Zürcher Behörden hat zwar auch die Politik auf den Plan gerufen, die über schärfere Gesetze debattiert. Sie hat die Konkursbetrüger vor allem auch aus Zürich vertrieben. So auch nach Basel, wie die Staatsanwaltschaft bestätigt.

Welter lässt sich von Strafverfahren nicht weiter beeindrucken. Vor wenigen Monaten hat er sich in Zürich an einer weiteren Firma beteiligt. Deren Zweck: «Durchführung von Entsorgungen und Recycling.»

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Autor

Christian Mensch

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