Queer

Filmfestival «Luststreifen» blickt weit über klassische Mann-Frau-Rollen hinaus

Mann oder Frau? Das Queer-Filmfestival Luststreifen überwindet die Kategorisierung der Geschlechter.

Mann oder Frau? Das Queer-Filmfestival Luststreifen überwindet die Kategorisierung der Geschlechter.

Im Neuen Kino in Basel läuft vom 8. bis 11. Oktober das Filmfestival «Luststreifen». Die Filme drehen sich rund um Protagonisten und Protagonistinnen, die schwul, lesbisch, transgender, transsexuell, bisexuell – kurz: queer sind.

Ein Kuss entrüstete 1984 die Schweiz. In der Fernsehserie «Motel» küssten sich Schauspieler Peter Freiburghaus und Dani Levy in den Rollen von Paul und Peperoni an einem Sonntagabend im Schweizer Fernsehen zur Hauptsendezeit. Es war der erste Kuss zwischen zwei Männern, den das Schweizer Fernsehen ausstrahlte. 1,6 Millionen Zuschauer sahen zu. Eine «Sauerei» wurde dieses Liebeszeichen genannt, die Boulevardzeitung «Blick» widmete der Fernsehsendung sogar empörte Schlagzeilen, und Überforderte wollten «Motel» absetzen lassen.

Schwul, lesbisch, queer

Solche Reaktionen sind heute undenkbar. Küsse zwischen Gleichgeschlechtlichen, zwischen alten und jungen Menschen, zwischen Transsexuellen und heteronormativen Menschen gehören in die Welt der bewegten Bilder wie nackte Brüste und Hintern. Sie sind seit acht Jahren auch Teil des Filmfestivals Luststreifen, das diese Woche in Basel wieder anläuft.

Vom 8. bis 11. Oktober stehen Protagonisten und Protagonistinnen im Fokus des Festivals, die schwul, lesbisch, transgender, transsexuell, bisexuell — kurz: queer sind. Gegründet wurde das Filmfest von der Homosexuellen Arbeitsgruppe Basel, und noch heute ist dieses Festival in der Nordwestschweiz ein einmaliger Anlass.

Frech und hocherotisch

Ein Blick in das Programm zeigt, dass Luststreifen seinen Zuschauern ein aussergewöhnlich lustvolles Seh-Erlebnis verschaffen wird. Das Programm enthält nämlich neben harmlos schönen Beziehungsgeschichten auch hocherotische Kurzfilmquickies, die schon in der Beschreibung aufhorchen lassen. Die Regisseurin Goodyn Green filmt zum Beispiel in «Want some Oranges» eine schwangere Frau beim Geschlechtsverkehr mit ihrer Freundin; in «Dancers» wird ein Penis-Ballett von 35 Tänzern getanzt.

Frech und schnörkellos präsentiert sich diese Kurzfilmreihe namens «Pornshorts», die die zehnköpfige Programmgruppe ausgewählt hat. So kommen unter anderem Filme zum Zuge, die normalerweise in der heteronormativen Vormachtstellung im Schatten verborgen bleiben.

Das Festival besteht aus einem kunterbunten Bildermix der Pop-, Porno- und intellektuellen Filmkultur der 80er-Jahre bis in die Gegenwart. Den Filmen, die bis zum Sonntag im Neuen Kino in Basel gezeigt werden, sind in sexueller Hinsicht keine Grenzen gesetzt, wohl aber an sie eine Forderung gestellt: Die Geschichten sollen über die heteronormativen Rollenaufteilungen hinausgehen oder sie zumindest hinterfragen. Ein besonderer Anlass wird die Schweizer Filmpremiere des Dokumentarfilms «Je suis Annemarie Schwarzenbach» sein. In Anwesenheit der Regisseurin Véronique Aubouy und der Darstellerin Nina Langensand kann das Publikum im Anschluss an den Film diskutieren.

Davor zeigt die Programmgruppe den Film «Gardenia», in dem Senioren der glamourösen Travestie-Welt ihre Cabaret- und Kostümkünste ein letztes Mal vorführen. Der Dokumentarfilm hat die legendären Darstellerinnen und Darsteller der erfolgreichen Bühnenshow «Gardenia» des belgischen Regie-Duos Alain Platel und Frank Van Laecke begleitet. Über zwei Jahre waren die Travestie-Darsteller und Darstellerinnen auf Bühnen in 25 Ländern zu sehen. Das Kritikerportal «nachtkritik» feierte das Stück als eine Sternstunde des Theaters. Der Film lüftet den Vorhang und gewährt einen Einblick in die Leben seiner Protagonisten.

Vampire aus den 80ern

In die 80er-Popkultur entführen dann Catherine Deneuve, Susan Sarandon und David Bowie im Vampirfilm «The Hunger», wo sie um unsterbliche Schönheit buhlen. Wem Vampirerotik nicht zusagt, kann sich einem stilleren Drama zuwenden: Der deutschdänische Spielfilm «Limbo» erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die sich in ihre Lehrerin verliebt.

Auch Heteros sind am Festival herzlich willkommen, denn Luststreifen will die Schaulust eines jeden Zuschauers nähren und bedienen.

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