Starker Wind

Feuerwehr ermöglicht Chluri-Verbrennung mit Wasserwand

Sissach verabschiedete am Donnerstagabend symbolisch die Fasnacht. Bevor das Chluri brannte, hatte der Leichenredner die überbordende Gaudi-Kultur an der Fasnacht kritisiert.

Später als anderswo endete gestern Abend die Fasnacht auch in Sissach. Aber es war ein trauriger Tag für die Fasnächtlerinnen und Fasnächtler. Denn die Fasnacht, als Chluri dargestellt, hauchte ihr Leben auf dem Richtplatz auf der Allmend im Feuer aus. Kurz nach dem Einnachten setzte sich der Trauerzug vor dem Gemeindehaus in Bewegung. An der Spitze, gezogen von einem Traktor, das Chluri, gefolgt von unzähligen Guggen, alle in weisser Trauerkleidung, schliesslich das gemeine Fussvolk.

Die Guggen spielen Trauermärsche. An den Rändern der Sissacher Gassen erwies das Volk tränenerstickt dem Chluri einen letzten Gruss. Fasnächtler aller Couleur gedachten in ihrer Trauer vereint dem zu Richtenden. Und es schien, als hätten die ewigen Reibereien der Sissacher mit den aufmüpfigen Eingeborenen in der Provinz gar nie stattgefunden.

Wichtiger als im Landrat

Auf dem Richtplatz würdigte der Grabredner, dessen Name niemals in der Zeitung steht, die Verdienste des Chluri und zog Bilanz über die jüngste Fasnacht. So haben angesichts der künftigen Sonnenfinsternis die Chluribauer das Stübli samt «Luugitisch» der inzwischen geschlossenen Traditionsbeiz «Sonne» nachgebaut. Seit genau 485 Jahren, so der Sprecher, sei die Sonne ein «Obdach von kulinarischer Gastlichkeit» gewesen. Manche Stürme habe sie überstanden – auch 1833, als der Landrat seine Sitzungen vis-à-vis im «Leuen» abgehalten habe. Die wichtigen Sachen, hob er hervor, seien jedoch in der Sonne am Luugitisch abgehandelt worden. «Manche Fasnacht ist die Sonne wie ein Epizentrum des Fasnachts-Tsunamis mitten im Auge des Sturm gestanden», stellte der Redner fest.

Positiv wertete der Sprecher die Tatsache, dass im Umzug am Sonntag erfreulich viele Kleingruppen und Schissdräckzügli mitmarschiert seien. Vielleicht sei das ein Zeichen, dass ein Umdenken stattfindet von den grossen, sich selber zelebrierenden Wagen hin zum wirklichen Sinn der Fasnacht, nämlich im Ausspielen und Intrigieren im direkten Kontakt mit den Leuten am Strassenrand. Weiter erinnerte er die Fahrer der «Zapfhähne» daran, dass die Kinderfasnacht jeweils erst am Dienstag stattfindet.

Das Feuerwerk, sagte er weiter, habe heuer dermassen laut gekracht, dass man wahrscheinlich einen neuen 1000er-Klub gründen müsse, um ein erneutes Finanzloch abzuwenden. Den «Karl Lagerfeld-Typen», die nur gestört haben, riet er, im nächsten Jahr zu Hause zu bleiben. Hingegen lobte er die Junge Garde der «Saftsäck». Ihnen sei es zu verdanken, dass man am Guggekonzert in der Begegnungszone doch noch mitbekommen habe, dass Fasnacht ist und nicht, wie in der Wagenburg weiter vorne, Streetparade mit Technosound und Lederhosenhüttengaudi.

Mit dem Satz «Liebi Sunne, mir übergäbe di em Füür, nid zletscht au, dermit all die Chluuri im Chluurihimmel wieder e Luugitisch hei», leitete der Grabredner den letzten Akt ein und schloss mit den Worten: «In däm Sinn, Adie Fasnecht, adie Chluuri!» Den Rest erledigten die Flammen.

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