Pyro
Fan will Pyroshow wie im alten Joggeli wieder hochleben lassen

Die Diskussion um das pyrotechnische Material in Schweizer Fussballstadien zieht seine Kreise. Nun lanciert ein FCB-Fan eine Idee aus alten Zeiten. Er will eine kontrollierte Pyroshow inszenieren.

Sebastian Wendel
Drucken
Teilen

Am kommenden Wochenende nimmt die Schweizer Fussballmeisterschaft nach der zweiwöchigen Länderspielpause ihren Betrieb wieder auf. Nicht nur auf den Spielfeldern, sondern auch in den Fankurven wird es wieder heiss zu und her gehen. Im wahrsten Sinne des Wortes: Das Abbrennen von Pyrotechnik hat sich etabliert. Die Zwischenfälle beim Zürcher Derby (FCZ-Fans bewarfen GC-Fans mit Pyrofackeln) und in Rom (ein FCZ-Fan verletzte sich selber und Unbeteiligte mit einem Knallkörper) haben die Diskussion über Sinn und Unsinn der gefährlichen Materie wieder hochschnellen lassen. Nur: Die Fangruppen halten sich aus der öffentlichen Diskussion heraus. Zu gross ist wohl die Gefahr, sich mit einer falschen Aussage die Finger zu verbrennen.

Mit Peter Hablützel ergreift nun zum ersten Mal ein treuer Fan des FC Basel die Initiative. «Pyrotechnik ist gefährlich. Bevor auch in der Schweiz Personen verletzt werden, muss jetzt gehandelt werden», sagt Hablützel. Er fordert friedliche Spiele ohne unkontrolliertes Abbrennen von Feuerwerkskörpern. Und bringt einen Kompromissvorschlag: Vor jedem Spiel brennen sechs Fans der Heimmannschaft vor der Kurve je eine Pyrofackel ab und übergeben diese anschliessend der Feuerwehr. Während des Spiels sind die Fangruppen selber verantwortlich, dass keine weiteren Fackeln gezündet werden. «So lief es im alten Joggeli und hat super funktioniert», erinnert sich Hablützel.

Skepsis bei Angegangenen

Der 54-jährige Rollstuhlgänger, der bei jedem FCB-Heimspiel im Stadion mitfiebert, wandte sich in den letzten Tagen mit seinem Anliegen an die Verantwortlichen sämtlicher Super-League-Vereine, informierte die Fanklubs und startete Aufrufe auf Facebook. Am 19. und 20. November sollen alle «friedlichen Fussballfans« beim Einmarsch der Teams sitzen bleiben und mit einer Minute der Stille ihre Ablehnung gegenüber wilde Pyrotechnik und Gewalt im Stadion deutlich machen.

Die Resonanz auf Hablützels Aufruf hält sich in Grenzen. Von den Fussballvereinen antwortete einzig der FC Basel und liess ausrichten, dass er die Idee unterstütze, ihm in der Umsetzung jedoch die Hände gebunden sind. Bei den Fanklubs des FCB herrscht Skepsis. «Ich glaube kaum, dass die Fans wegen des Aufrufs eines Einzelnen nicht mehr Pyros abbrennen», sagt Markus Vogel, Präsident des grössten Fanklubs «Bebbi». Hablützels Vorschlag, dass wie im alten Joggeli Fackeln kontrolliert abgebrannt werden, findet Vogel interessant. «Das war immer sehr schön anzuschauen und hat niemanden auf den Tribünen allfälligen Gefahren ausgesetzt.»

Der Fanklub «Gilgenberg» diskutierte nach Redaktionsschluss den «Sitzstreik» in seiner gestrigen Vorstandssitzung. Präsident René Häner würde es begrüssen, wenn beim Spiel gegen YB viele Fans mitmachen würden. Er glaubt, dass der Schweizer Fussballverband - «sollte er irgendwann einmal Massnahmen ergreifen» - nicht auf Hablützels Kompromisslösung eingehen wird. «Dazu ist das Thema zu heikel. Der Verband tendiert zur Nulltoleranz», sagt Häner.

Aktuelle Nachrichten