Schlaglicht auf den Basler Wahlkampf
Eymanns Wahlkampflos

Benjamin Rosch
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Stephanie Eymann hat bei den kommenden Wahlen ein schweres Los, findet Autor Benjamin Rosch.

Stephanie Eymann hat bei den kommenden Wahlen ein schweres Los, findet Autor Benjamin Rosch.

Martin Töngi

In hundert Tagen wissen wir mehr. Noch längst nicht alles, da muss man sich keine Illusionen machen: Die Basler Wahlen werden in einem zweiten Wahlgang entschieden und bis zu diesem sich noch vieles ändern. Dennoch verleitet die Ausgangslage zum Kaffeesatzlesen.

Was wäre das für ein seltsamer Sieg: Das bürgerliche Horrorszenario tritt paradoxerweise dann ein, wenn die LDP auf ganzer Linie reüssiert. Stephanie Eymann könnte die Wahl zur Regierungsrätin schaffen und gleichzeitig das Regierungspräsidium erobern. Tut sie dies auf Kosten von FDP-Mann Baschi Dürr, wie oft prognostiziert, stünden die Bürgerlichen am Ende mit den drei gestaltungsärmsten Departementen da: Erziehung, Gesundheit und Sitzungsleitung mit Bonus Kultur.

Nun scheint Eymann nicht eben für das Präsidium zu brennen, wie im Streitgespräch mit ihren Mitbewerberinnen in der «Basler Zeitung» diese Woche deutlich wurde. Auf die Frage, warum sie das Präsidialdepartement wolle, sagte sie entwaffnend offen: «Die Kompetenzen sind zentral, und das Thema ist sekundär.» Um dann zu sagen, welches Departement sie sicher nicht wolle. Aber warum diese halbherzige Bewerbung um das höchste Regierungsamt?

Wer das verstehen will, braucht den Hintergrund für diese spezielle Wahlkonstellation. Die LDP hat mit ihrem doppelten Regierungsanspruch die bürgerlichen Partner und ganz besonders die FDP brüskiert. Lange ging nichts, dann folgte das personelle Powerplay der Eymann-Familie und am Ende konnte die FDP nur noch zusagen. Soll sie ihre Rolle als Frauenverhinderin zementieren und Eymann die Unterstützung versagen? Es würde ihr zusätzlich als Angst um Dürr ausgelegt. Doch dann folgte die Bedingung: Eymann müsse für das Präsidium antreten, wie es Baschi Dürr schon zweimal getan hat. Alles andere würde als direkter Angriff der Polizistin auf das Justizdepartement von Dürr interpretiert. Ein cleverer Schachzug der FDP mit Unterstützung der CVP. So muss Eymann einen thematischen Wahlkampf um ein Departement führen, statt sich wie weiland Lorenz Nägelin einfach als Mehrheitsbeschaffer zu bewerben. Doch Themen, anders als Personen, sind nicht die Stärke der Liberalen.

Als hätte Eymann nicht so schon ein schweres Los. Dank Corona findet der Wahlkampf primär in den Medien statt. Die Parteien müssen sich ernsthaft fragen, ob sie den Strassenwahlkampf wagen wollen. Und falls ja: mit Maske? Es sind keine guten Bedingungen für Majorzwahlen, in denen man am liebsten mit dem Gesicht wirbt. Die Corona-Krise spielt damit den Bisherigen gleich doppelt in die Karten: Sie müssen sich einerseits nicht bekannt machen und können andererseits darauf vertrauen, dass die Bevölkerung jetzt vor allem Stabilität sucht. Natürlich ist das Wunschszenario der LDP ein anderes: Sie will nicht Dürr angreifen, sondern einen linken Sitz und damit genau jene Stabilität. Wahrscheinlich kommt die Realität irgendwo zwischen Wunsch und Horror zu liegen.
In hundert Tagen wissen wir mehr.

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