Koran-Verteiler
Extremismus-Experte fordert zu zivilem Widerstand gegen Aktion «Lies!» auf

Samuel Althof will die Standaktionen umstrittener Koran-Verteiler sabotieren. Er fordert dazu auf, friedlich an einen solchen Stand zu gehen und einen Koran einzusammeln. Diese soll man dann zu ihm bringen.

Noemi Lea Landolt
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Althof betont, dass sich seine Aktion weder gegen den Islam noch gegen den Koran richte

Althof betont, dass sich seine Aktion weder gegen den Islam noch gegen den Koran richte

KEYSTONE

Samuel Althof ist ein viel zitierter Extremismus-Experte aus dem Baselbiet. Dschihadisten, umstrittene Moscheen, radikalisierte Jugendliche: Immer wieder tritt er im Fernsehen SRF als Gewährsperson in Erscheinung. Auch die bz hat ihn kürzlich porträtiert. Seine jüngste Aktion führt aber zu Diskussionen: Althof ruft dazu auf, Korane und Mohammed-Biografien der Verteilaktion «Lies!» einzusammeln. Damit will er «die Koran-Verteiler verunsichern, einen Beitrag zur Sicherheit leisten und die zivilgesellschaftliche Handlungskompetenz zum Thema ‹Extremismus im Islam› stärken».

Nicht gegen den Islam gerichtet

Althof ist überzeugt: «Mit jedem eingesammelten Koran an einem «Lies!»-Stand kann man den Extremisten einen möglichen neuen Dschihadisten entziehen.» Althof betont, dass sich seine Aktion weder gegen den Islam noch gegen den Koran richte: «Es geht mir nur um die Koran-Verteiler der Aktion ‹Lies!›.» Die «Sammlung» soll «verdeckt und ganz freundlich geschehen, ohne kontroverse Debatten». Die eingesammelten Korane können bei Althof abgegeben werden.

Am Freitag Vormittag hat die Online-Ausgabe der «NZZ» über den Aufruf des Extremismus-Experten berichtet. Dieser Artikel wurde in den sozialen Netzwerken verbreitet und viel diskutiert. Der grösste Teil der Kommentatoren findet die Idee gut. An manchen zeigt sich die Brisanz seines Aufrufs: Einer plädiert dafür, die eingesammelten Korane gleich im Altpapier zu entsorgen, anstatt sie Althof abzugeben.

Es gibt deshalb auch kritische Stimmen, die in dieser Sache zur Vorsicht mahnen. Ein «NZZ»-Leser schreibt: «Gewalt und Ablehnung erzeugt Gegengewalt und kompensatorisches Anerkennungsverhalten.» Dieser Meinung ist auch Christoph Peter Baumann von Inforel: «Ich finde es nicht sinnvoll, dass Samuel Althof dazu aufruft, Korane der Aktion ‹Lies!› einzusammeln, das befeuert nur die Feindschaft gegen den Islam.» Auch Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, kann der Aktion von Samuel Althof nichts abgewinnen: «Das ist nicht die richtige Vorgehensweise.» Den Verteilaktionen sei so nicht beizukommen. Im Gegenteil: «Die Fanatiker würden das Interesse als positives Zeichen werten», sagt Keller-Messahli. Die Korane würden weltweit und millionenfach vertrieben. «Selbst wenn man sie hier einsammeln würde, wären sie schnell wieder da», ist sie überzeugt.

Die Koran-Verteilaktion «Lies!» hat in den vergangenen Monaten immer wieder im Zusammenhang mit der Rekrutierung möglicher Dschihadisten für Schlagzeilen gesorgt. In Deutschland wurde «Lies!» kürzlich gar verboten. Auch in der Schweiz sind die Koran-Verteiler vielen Stadtverwaltungen ein Dorn im Auge. Aber ein Verbot gibt es bisher nirgendwo. Nur in Brugg bewilligt die Verwaltung keine Standaktionen von «Lies!». Am Basler Bahnhof SBB haben Vertreter der umstrittenen Aktion erst vor zwei Wochen Korane verteilt.

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