Thaiboxer

Ex-Trainer von «Carlos» in Salafisten-Ecke gestellt – jetzt nimmt Beqiri Stellung dazu

Beqiri beim Training in seinem Sportcenter.

Beqiri beim Training in seinem Sportcenter.

Shemsi Beqiri steht in Kontakt mit einem kosovarischen Extrempolitiker. Die Gemeinsamkeit sei der Sport, beteuert er jedoch.

Shemsi Beqiri ist eine schillernde Figur. In den Medien ist er bekannt als der Trainer des schwer erziehbaren «Carlos», als Opfer des Überfalls von Paulo Balicha und Konsorten auf sein Kampfsportzentrum und als Gewinner mehrerer Titel im Kickboxen und der Kampfsportart Muay Thai. In ihrer gestrigen Ausgabe berichtet die «NZZ am Sonntag» zudem über Verbindungen zu Extremisten. Die Zeitung berichtet, dass die salafistische Partei in Kosovo, Fjala, vor einigen Monaten einen Ableger in der Schweiz gegründet habe.

Der Name bedeutet «Das Wort» und steht für eine relativ kleine Gruppierung im Kosovo, die keinen offiziellen politischen Einfluss hat. Die Mitglieder verfolgten das Ziel einer wörtlichen Auslegung des Korans sowie die Einführung der Scharia, zitiert die Sonntagszeitung Islam-Expertin Saïda Keller-Messahli. In der Schweiz sei die Gruppe gut vernetzt.

So trat der Präsident der kosovarischen Partei, Gezim Kelmendi, im März an einem Anlass gemeinsam mit Beqiri auf die Bühne. Kelmendi betreute Beqiri offenbar auch während eines Aufenthalts im Kosovo. Zum Dank verfasste dieser offenbar einen Brief, der auf der Website der Partei zusammen mit einigen gemeinsamen Fotos veröffentlicht ist. In diesem dankt Beqiri für die «moralische und institutionelle Unterstützung» die er aus seiner Heimat erfahre. Ihm Brief erwähnt ist zudem eine Rede Kelmendis in Basel, die Beqiri «stolz macht, die Nation und den Staat Kosovos in der Schweiz zu vertreten». Kelmendi wiederum scheint sich gerne mit hiesigen Sportgrössen zu umgeben, so findet sich auch ein Bild von ihm zusammen mit FCB-Spieler Taulant Xhaka.

Auf den Artikel angesprochen, distanziert sich Beqiri deutlich von der Gesinnung von Fjala. «Ich sympathisiere mit keinerlei Parteien in balkanischen Staaten», sagt er. Kelmendi bezeichnet er als «Freund und Fan meiner Sportart, die er selbst jahrelang ausgeübt hat.» Überhaupt interessiere er sich wenig für Politik: «Ich bin in keinster Weise im Kosovo politisch aktiv, ich habe noch nicht einmal den kosovarischen Pass», sagt er.

Gemässigter Muslim

Die «NZZ am Sonntag» schreibt zudem, dass sich Beqiri für die Koran-Verteilaktion «Lies!» einsetze. Auch hier widerspricht Beqiri: «Ich habe bis zum heutigen Zeitpunkt nie für ‹Lies!› gearbeitet oder mich dafür eingesetzt.»

Beqiri bezeichnet sich selbst als gläubigen und gemässigten Moslem. Mit Extremismus will er nichts zu tun haben. Die Berichte über seine Verbindung zur Aktion «Lies!» sind nicht neu, auch diese gründen in einem gemeinsamen Foto. Beqiri dazu: «Ich mache mit jedem ein Foto, wenn er mich anspricht.» In einem Interview mit «20 Minuten» sagte er, dass er ein gutes Bild von der Aktion «Lies!» habe, gleichzeitig machte er aber auch deutlich, dass er eine extremen Form des Islam deutlich ablehnt: «Der Islam, der mir von meinen Eltern beigebracht wurde, hat mit Liebe zu Gott und zu allen Menschen dieser Welt zu tun und gibt uns ganz sicher nicht das Recht, Menschen auf dieser Welt zu verurteilen und zu bestrafen.»

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