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Es reicht einfach nicht: Wie Basler Selbstständige trotz Unterstützung unterzugehen drohen

Vielen Selbstständigen in Basel-Stadt geht es trotz Unterstützung vom Bund ans Eingemachte. Eine Goldschmiedin bekommt gerade mal 44.80 Franken, eine Kostümbildnerin gar nur 31.20 Franken.

Samanta Siegfried
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Ein Taschengeld als Lohnersatz: Viele Selbstständige kämpfen mit dem gleichen Los.

Ein Taschengeld als Lohnersatz: Viele Selbstständige kämpfen mit dem gleichen Los.

Barbara Schlunegger

Es war eine Erleichterung für viele Selbstständige, als der Kanton Basel-Stadt Ende März seine Unterstützung ausgeweitet hat. Sie betrifft jene, die weder kleine Kinder betreuen, noch den Betrieb auf behördliche Anordnung hin geschlossen bekamen. Für diese sieht der Kanton ein Taggeld vor, das 80 Prozent des Einkommens deckt, jedoch einen Mindestbetrag von 96 Franken am Tag festschreibt.

Weniger Glück haben Selbstständige, die auf die reguläre Erwerbsersatzentschädigung der kantonalen Ausgleichskasse angewiesen sind. Ihr Taggeld gleicht in manchen Fällen einem Trinkgeld. Zum Beispiel bei der Goldschmiedin Gabriela Strasser, die in der Innenstadt einen Schmuckladen führt. Nach drei Wochen kam der Beschluss per Brief: Pro Tag werden ihr künftig 44.80 Franken als Entschädigung ausbezahlt. Ähnlich erging es der Kostümbildnerin Diana Ammann, die nun mit 31.20 Franken täglich auskommen muss. «Ich arbeite seit zehn Jahren als Selbstständige und plötzlich kann alles vorbei sein, ohne mein Zutun», sagt Ammann. «Das hat mir schon zu denken gegeben.» Beide gehören zu jenen Einzelunternehmerinnen, die zwar über die Runden kommen, jedoch kaum Rücklagen anlegen konnten.

«Ich will meinen Laden auf keinen Fall aufgeben»

Der Grund für das tiefe Taggeld liegt aber nicht nur in dem bescheidenen Einkommen der Betroffenen. Als Berechnungsgrundlage dient der Ausgleichskasse das AHV-pflichtige Einkommen, das sich am steuerbaren Nettoeinkommen orientiert. Jenes Einkommen also, das nach Abzügen aller Aufwände, etwa für Infrastruktur oder Material, entsteht und weit tiefer ausfällt als das Bruttogehalt.

Ein weiteres Problem: Die Fixkosten sind damit nicht gedeckt. Daher ist auch Gabriela Strasser als Erstes auf ihren Vermieter zugegangen, doch dieser liess nicht mit sich reden. Wer Glück hat, ist in einem Lokal der Immobilien Basel-Stadt eingemietet, die ihren gewerblichen Mietern fünf Wochen Miete erlassen. Strasser hat sich jetzt Geld bei einer Freundin geliehen. «Ich möchte den Laden auf keinen Fall aufgeben.» Eine kleine Erleichterung erhielt sie durch die Initiative «Basel schafft(s) zämme». Ein Solidaritätsfonds von der Gewerbestiftung und dem Gewerbeverband Basel-Stadt, der betroffene KMU und Selbstständige mit 4000 Franken Soforthilfe unterstützen will. Durch die Spende von Firmen, Stiftungen und Privaten kamen bereits rund 550 000 Franken zusammen, die aktuell an 127 betroffene Betriebe vergeben wurden. Die Nachfrage ist damit längst nicht gedeckt. «Wir erhielten in den ersten 24 Stunden 800 Gesuche», sagt Reto Baumgartner, Vizedirektor des Gewerbeverbands Basel-Stadt. Darunter seien vor allem Einzelunternehmen, die kaum Rücklagen haben. «Wir sammeln weiterhin Spenden, um möglichst viele unterstützen zu können.»

Unterstützung für die kulturelle Vielfalt

Der Bundesrat hat an der gestrigen Medienkonferenz verkündet, den Anspruch auf Erwerbsersatz, ähnlich dem Modell Basel-Stadt, auf alle von der Krise betroffene Selbstständige auszuweiten. Seit gestern können in Basel auch Kulturschaffende eine Ausfallentschädigung beim Kanton beantragen.
So sollen 80 Prozent des Schadens abgedeckt werden, der durch behördlich verhängte Veranstaltungsverbote oder Betriebsschliessungen entstanden sind – sofern dieser nicht bereits über die Erwerbsausfallentschädigung gedeckt wird. Insgesamt stehen dafür 20 Millionen zur Verfügung. 10 Millionen werden dem kantonalen Fonds zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit entnommen, die anderen 10 Millionen stellt der Bund. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, über den Verein Suisseculture Sociale eine Nothilfe zu beantragen. «Die Kulturbranche hat die Krise mit als Erstes getroffen», sagt die Co-Leiterin der Abteilung Kultur Basel-Stadt, Sonja Kuhn. «Diese Massnahmen sind wichtig, damit die kulturelle Vielfalt in der Stadt erhalten bleibt.»

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