Leitung
Erik Nielsen wird der neue Musikdirektor am Theater Basel

Das Theater Basel erhält wieder einen Musikdirektor. Der amerikanische Dirigent und Musiker Erik Nielsen übernimmt auf die Spielzeit 2016/2017 am grössten Dreispartenhaus der Schweiz diese seit 2006 nicht mehr besetzte Position.

Christian Fluri
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Erik Nielsen freut sich sehr auf seine Zeit als Musikdirektor am Theater Basel.

Erik Nielsen freut sich sehr auf seine Zeit als Musikdirektor am Theater Basel.

Roland Schmid

«Ich freue mich, dass wir dich verführen können, zu uns in die Schweiz zu kommen.» Mit diesen Worten begrüsst Andreas Beck, designierter Intendant des Theaters Basel, den Dirigenten Erik Nielsen. Beck, noch Leiter des Schauspielhauses Wien, denkt schon von Basel aus, wie er verschmitzt anfügt. Er und Laura Berman, Basels künftige Operndirektorin, haben den US-Amerikaner zum Musikdirektor des Theaters Basel gewählt. Sie haben sich damit für einen Künstler entschieden, der den Opernbetrieb in Frankfurt – einem der führenden deutschen Häuser – von Grund auf kennen gelernt hat.

Zur Person: Oboist, Harfenist, Dirigent

Erik Nielsen, geboren 1977 im US-Bundesstaat Iowa, wird ab der Spielzeit 2016/17 Musikdirektor des Theaters Basel. Von 2008 bis 2012 war er Kapellmeister an der Oper Frankfurt. Vor seinem Engagement in Frankfurt ab 2002 spielte er als Mitglied der Orchester-Akademie Harfe bei den Berliner Philharmonikern. Zuvor studierte er Dirigieren am Curtis Institute of Music sowie Harfe und Oboe an der New Yorker Juilliard School.

Erik Nielsen dirigierte zudem Konzerte der Radio-Sinfonieorchester Frankfurt und Stuttgart. Mit Mozarts «Zauberflöte» debütierte er 2009 an der English National Opera in London. Nielsen dirigiert in den USA und Europa an verschiedenen Häusern Opern von Mozart bis zur Gegenwart und gibt ebenso Konzerte. (flu)

Nielsen ist für die Betreuung der Sängerinnen und Sänger, des Chors wie des Orchesters im Theater verantwortlich. «Uns ist die musikalische Interpretation in der Oper ebenso wichtig wie die szenische künstlerische Umsetzung», erklären Beck und Berman.

«Investition in die Zukunft»

In diesem Sinne ist für Beck das Engagement eines Musikdirektors, der für die musikalische Qualität der Opernproduktionen verantwortlich ist – gerade in finanziell engen Zeiten (siehe Seite 23) – eine «Investition in die Zukunft». Konstanz und stete Steigerung der Qualität sind für die künstlerische Bedeutung des wichtigen Dreispartenhauses essenziell. Und Nielsen ist nicht allein für Beck und Berman, sondern auch für das Orchester Garant dafür. Das Sinfonieorchester Basel (SOB) hat im Januar in Tschaikowskys Oper «Eugen Onegin» erstmals mit Nielsen zusammengearbeitet. Er musste damals kurzfristig einspringen und begeisterte das Orchester.

Nielsen ist nicht nur als ausgewiesener Opernfachmann mit breitem Repertoire von Barock bis zur Gegenwart, als virtuoser Musiker und guter Orchesterarbeiter nach Basel geholt worden, sondern auch als «Teamplayer». «Oper ist immer Teamarbeit», merkt Berman an. Es sei äusserst anspruchsvoll, alle Aspekte von Bühne, Regie und Musik zu einem künstlerischen Ganzen zusammenzubringen. Darauf aber komme es an. Laura Berman spricht vom «gemeinsamen Träumen von Oper».

Nielsen ist ein Dirigent, der an einem produktiven Zusammenspiel von Regie und Musik interessiert ist. Von der Regie erwartet er sehr wohl künstlerisch eigenständige Lesarten.

Andrea Marcon, Chefdirigent von «La Cetra Barockorchester Basel», der Star der Alten Musik, der am Theater viele Barockopern einstudiert, ist begeistert von der Wahl. «Erik Nielsen ist ein wahrer Gentleman», sagt er. Marcon kennt Nielsen gut: Nielsen assistierte ihm in Frankfurt bei Georg Friedrich Händels «Ariodante» und anderen Barock-Produktionen. Der Amerikaner bringe eine grosse Theatererfahrung mit. Marcon lobt sein Interesse an der Barockmusik und seine Sensibilität dafür, ebenso seine grossen Kenntnisse in der Neuen Musik. «Das sind die Säulen von Basels Musikleben», hebt Marcon hervor.

Erik Nielsen selbst erklärt, wie wichtig ihm ein breites Repertoire sei. Er bewegt sich in den unterschiedlichsten Stilbereichen. Als Solo-Oboist lernte er in den USA das gesamte Konzertrepertoire kennen. Um seine Leidenschaft für die Oper zu leben, erklärte Nielsen, der an New Yorker Juilliard School studierte und schon als kleiner Knabe Dirigent werden wollte, musste er nach Europa, nach Deutschland. «Nur dort lernt man das Metier richtig kennen.» 2002 zog er nach Frankfurt, von 2008 bis 2012 war er dort erster Kapellmeister. In Frankfurt hat er «über 80 Opern gelernt», wie er lächelnd formuliert.

Enge Beziehung zum Orchester

Nielsen ist im Büro des Sinfonieorchesters Basel den Medien vorgestellt worden. Auch dies hat symbolischen Charakter, wie Beck unterstreicht. «Wir wollten die Beziehung zum Sinfonieorchester Basel verdichten.» Das Orchester ist in die Wahl des Musikdirektors miteinbezogen worden. Und Franziskus Theurillat, Geschäftsleiter des SOB, freut sich sichtlich über die Wahl. Nielsen werde die Entwicklung des Orchesters, das rund 45 Prozent seiner Arbeitszeit im Theater verbringt, stark mitprägen. Erik Nielsen wird pro Saison mindestens 30 Vorstellungen leiten, also zwei bis drei Opernproduktionen einstudieren. Und er wird auch Konzerte mit dem SOB geben. Eine enge Zusammenarbeit mit dem SOB ist geplant. Wie diese aussehen wird, das wird die Zukunft entscheiden. Zumindest steht Nielsen nicht auf der Kandidatenliste für die Nachfolge von Chefdirigent Dennis Russell Davies, sagt Theurillat gegenüber der bz. Ein Modell mit einem Chefdirigenten fürs Konzert und einem Musikdirektor im Theater, die sich bestens verstehen und ergänzen, auch dafür spricht viel.