Wahlen Basel-Stadt
Eric Weber wurde abgewählt: Der Grosse Rat verliert seinen berühmtesten Hintern

Eric Weber verlässt den Basler Grossen Rat nach vier Jahren. Hier ein Rückblick auf die denkwürdigsten Momente und die absurdesten Vorstösse des fleissigsten Grossrats.

Stephanie Brückner
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Eric Weber, abgewählter Grossrat.
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Wegen Vorfällen aus dem Jahr 2012 musste Eric Weber vor Gericht.
Eric Weber
Eric Weber im Gespräch mit Markus Lehmann
Eric Weber im abgesperrten Rathaus
Eric Weber, Grossrat auf Abwegen.
Eric Weber geniesst die Aufmerksamkeit.
Grossrat Eric Weber (links) mit dem rechtsextremen Münchner Stadtrat Karl Richter (Mitte) und der früheren NPD-Funktionärin Sigrid Schüssler (rechts).
Einer tanzte immer gern aus der Reihe. Bei einer Sport-Übung im Grossen Rat tanzt Eric Weber die Vortänzerin an.
Eric Weber verliert während eines Interviews mit der Basler Zeitung die Nerven und wettert gegen die Staatsanwaltschaft, die Schweiz, Basel und Ausländer.   

Eric Weber, abgewählter Grossrat.

Martin Töngi

Beinahe 400 000 Klicks verzeichnet das berüchtigte Youtube-Video des abgewählten Grossrats Eric Weber (VA). Der Inhalt: viel Geschrei, ein nackter Hintern und der Ausruf «Staatsanwaltschaft, leck mich am Arsch!». Der Ausraster von Weber im «BaZ»-Interview vom Juni 2013 führte zum wohl bekanntesten Eklat — jedoch blieb es bei Weitem nicht der einzige.

Bereits am Wahltag im Oktober 2012 tickte Weber aus. Als die Wahlergebnisse verkündet wurden, stürmte er das Wahlpodium. Dabei beklagte er sich über die Zustände, die er im Basler Gefängnis erleben musste: «Ich konnte mich eine Woche lang nicht rasieren.» Weber sass eine Woche lang in Untersuchungshaft. Es wurde wegen Wahlbetrug gegen ihn ermittelt.

Trotz Verurteilung im Jahr 2014 behielt er seinen Sitz im Grossen Rat. Wohl kaum zur Freude von Regierungspräsident Guy Morin. Denn Weber versprach bereits bei Amtsantritt: «Ich werde das Parlament lahmlegen.» Tatsächlich reichte der Politiker eine Flut von Vorstössen, Motionen und schriftlichen Anfragen ein, die die Regierung teils brillant parierte. Hier der Countdown zu den Highlights:

8. «Stimmt es, dass es bei der Kantonalbank keine Sparschweine mehr gibt, da türkische Grossräte eine Protest-Note eingaben?»

Webers Sorge nach den Sparschweinen erwies sich als unbegründet, wie das Büro des Grossen Rates mitteilen konnte: «Es gibt keine türkischen Grossratsmitglieder, da der Souverän das Ausländerstimmrecht abgelehnt hat.» Die Sparschweine sind somit ausser Gefahr.

7. «Basel mutiert zur Hauptstadt in Sachen vegan. Wie ist die Einstellung unserer geschätzten Regierung zur Sache vegan?»

So viele Fans der Veganismus in Basel auch haben mag, die Antwort der Regierung blieb simpel. Denn der Regierungsrat «äussert sich nicht zu spezifischen Ernährungsweisen» — sehr zum Leid von Eric Weber.

6. «Kann der Kanton Basel ab sofort einführen, an allen Schulen, dass zu Beginn des neuen Schuljahres immer die Basler Nationalhymne ‹Basel an meinem Rhein - Ja da möchte ich sein› gesungen wird?

So schön die Übersetzung ins Schriftdeutsche auch klingt — die Auswahl der gesungenen Lieder liegt in der Kompetenz der Schulen, wie der Regierungsrat mitteilt. Zudem weist er Herrn Weber zurecht: «Einen Kanton Basel gibt es derzeit nicht.»

5. «Sind die Asylanten an der Taubenplage schuldig? Aus welchem Land stammen die Tauben? Seit wann leben die Tiere in Basel? Ist es das Jahr 1231 oder 1351?»

Es ist eine der neuesten Anfragen von Weber. Sie befindet sich zur Zeit noch in Bearbeitung. Denn die Chroniken sollen ja sorgfältig geprüft werden, um das Einzugsjahr der Taube zu bestimmen.

4. «Sind wir hier in England oder Basel?»

Diese Frage stellt sich Weber, nachdem das Naturhistorische Museum in einer Stellenanzeige englische IT-Begriffe verwendet hat. Noch mehr zu stören schien ihn aber der Umstand, dass Weber die Stelle trotz Bewerbung nicht bekam. Er machte deutlich, dass er sich selbst für den geeignetsten Kandidaten hielt.

3. «Ist Baden in Basler Brunnen überhaupt erlaubt?»

«Ja.» Denn oft liegt ja gerade in der Kürze die bekannte Würze.

2. «Viele meiner schriftlichen Anfragen werden vom Parlament nicht angenommen. Wer ist für diesen Fall zuständig?»

So unverständlich es auch scheint, bei solch grossartigen Ideen: Webers Vorstösse wurden teilweise vom Parlament nicht angenommen. Daher die Anfrage. Sie befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Vielleicht kann sie ja auch noch zurückgeschickt werden.

1. «Wäre es möglich, dass das Volk eine Abstimmung über einen Namenswechsel von Basel auf Eric-Weber-Stadt durchführt?»

Bei solch gut begründeten Anfragen blieb dem Regierungsrat nichts anderes übrig, als Weber freundlich auszurichten: «Wir raten davon ab.»

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