CSI Basel
Er hilft lahmen Pferden auf die Sprünge

Der Baselbieter Bänz Ledermann ist seit Anbeginn des Basler Reitturniers der hauseigene Hufschmied.

Andreas Hirsbrunner
Merken
Drucken
Teilen
Turnierschmied Bänz Ledermann: Auf die Präzision und Schnelligkeit kommt es beim Beschlagen an.

Turnierschmied Bänz Ledermann: Auf die Präzision und Schnelligkeit kommt es beim Beschlagen an.

Kenneth Nars

Zum achten Mal findet in diesen Tagen das Springreitturnier CSI Basel statt, zum achten Mal heisst der Turnier-Hufschmied Bänz Ledermann aus Zunzgen. Wieso das so ist, erläutert OK-Präsident Willy Bürgin: «Er ist ein sehr guter Hufschmied und sehr flexibel. Er ist immer da, immer bereit für einen Einsatz.» Konkret heisst das für Ledermann, dass für ihn ein CSI-Tag morgens um 6 Uhr beginnt und um 22.30 Uhr endet. Diese 16,5 Stunden sind aber längst nicht mit Arbeit ausgefüllt, sondern bestehen vor allem aus Warten. Warten auf einen möglichen Einsatz, wenn zum Beispiel ein Pferd ein Eisen verliert oder plötzlich nicht mehr rund läuft.

Letzteres kann immer wieder geschehen, obwohl alle Tiere vor dem Turnierstart einem Gremium aus einer Handvoll Tierärzten und Ledermann anlässlich der sogenannten Veterinärkontrolle vorgeführt werden müssen. Zu seinem Part bei dieser Eingangskontrolle sagt Ledermann: «Nach der langen Anreise im Transportanhänger oder im Flugzeug kommt es ab und zu vor, dass ein Tier lahmt. Manchmal hilft es, wenn ich das Pferd neu beschlage. Oder es braucht eine Sohle mit Kitt oder ein Alueisen oder etwas anderes aus einer Palette von zwei Dutzend Möglichkeiten.» Können weder Ledermann noch der Turnier-Tierarzt dem betroffenen Tier zu einem runden Gang verhelfen, wird es vom Turnier ausgeschlossen.

Weites Arbeitsgebiet

Und das lange Warten auf einen möglichen Einsatz während des viertägigen CSI, bereitet ihm das keine Mühe? «Nein», sagt Ledermann, «ich bin selber Hobby-Springreiter und gewinne immer wieder neue Erkenntnisse, wenn ich Pferden und Reitern am Turnier zuschaue. Dazu kommt, dass ich fast alle Leute hier kenne.»

Dass der gesellige Ledermann dabei aufblüht, kann man sich leicht vorstellen. Denn im Alltag des 53-Jährigen ist weit weniger gesellschaftliches Highlife angesagt: Seit 30 Jahren zieht Ledermann als selbstständiger Hufschmied durch die Lande, davon die letzten 23 Jahre zusammen mit Eugen Balmer. Ledermann: «Wir kutschieren miteinander wie ein altes Ehepaar.» Balmer, ein gelernter Bereiter, hebt ihm jeweils die Füsse der Pferde auf, sodass Ledermann diese neu beschlagen kann. Das heisst in den meisten Fällen: Er entfernt das alte Eisen, schneidet das Horn am Huf nach, bringt das neue Eisen über dem Gasbrenner zum Glühen, legt es so gekonnt und kurz auf den Huf des Pferdes, dass dieses nichts spürt, nimmt Augenmass, hämmert das Eisen über dem Amboss zurecht und nagelt es auf den Huf, sodass es wieder acht bis zehn Wochen hält. In diesem Turnus besuchen Ledermann und Balmer die 600 Pferde zwischen Schwarzwald und Murtensee, die sie betreuen.

Wobei sich seit dem Zeitpunkt, als der Berner Bauernsohn Ledermann seinen Traumberuf Hufschmied erlernte, vieles verändert hat. Vor allem bei den Pferden. Dazu Ledermann: «Früher waren die meisten stämmige Freiberger, oft noch Arbeitstiere von Bauern. Heute sind 95 Prozent feingliedrige Freizeit- und Sportpferde. Dadurch sind auch die Hufeisen und Nägel feiner und leichter geworden.» Das wiederum beeinflusste das Arbeitsumfeld von Ledermann stark. Führte er früher auch noch Schlosser- und Sanitärarbeiten auf den besuchten Höfen aus und reparierte Landwirtschaftsmaschinen, konzentriert er sich mittlerweile ganz auf seinen Kernbereich als Hufschmied: «Mein Anspruch ist, bei jedem Pferd bestmögliche Arbeit zu machen.»

25 Berufskollegen in der Region

Dass ihm das gelingt, davon zeugt die Konstanz bei seinen Auftraggebern. Denn heute wäre es für sie, im Gegensatz zu früher, als das Beschlagen der Pferde ein aussterbendes Gewerbe war, ein Leichtes, den Hufschmied zu wechseln. Laut Ledermann gibt es alleine im Baselbiet und im Fricktal 26 Vertreter dieser Berufsgattung. Das wiederum ist ein Abbild des Pferdebooms in den letzten zwei Jahrzehnten. «Wir haben gegenwärtig mehr Pferde als im Ersten Weltkrieg», sagt Ledermann.

Zurück zum CSI Basel, wo sich noch bis morgen Sonntag die besten Springreiter der Welt messen. Ist die Zusammenarbeit mit ihnen für Ledermann eine besondere Herausforderung? Er verneint: «Die Profis sind oft einfacher im Umgang, weil sie mehr Wissen mitbringen und den Fachleuten vertrauen.» Einmal habe es allerdings eine heikle Situation ergeben, erzählt Ledermann. Ein absoluter Spitzenreiter habe seinen eigenen Tierarzt ans CSI mitgebracht, was sehr unüblich sei; nur bei Olympiaden, Welt- und Europameisterschaften würden die Springteams ihre eigenen Fachleute mitbringen. Dieser Tierarzt und er seien sich uneinig gewesen, wie das Pferd beschlagen werden sollte, und er habe es dann einfach nach seinem Wissen gemacht. Ledermann: «Ich hatte Glück damit und es kam gut.»