Für einmal sind sich die wartenden Journalisten einig: Die sofortige Entlassung von Trainer Heiko Vogel ist eine Überraschung. Ein Paukenschlag. Und die FCB-Verantwortlichen lassen den Journalisten heute Nachmittag einige Zeit, Spekulationen über die Gründe der Entlassung des 36-jährigen Pfälzers auszutauschen. Mit 14-minütiger Verspätung treten Präsident Bernhard Heusler, Verwaltungsratsmitglied Georg Heitz, Pressechef Josef Zindel und der neue Trainer, Murat Yakin, dann auf das Podium im Mediencenter des St.Jakob-Parks. Heusler beendet sogleich zumindest einen Teil der Spekulationen: «Die Entscheidung ist weder persönlich gegen Heiko Vogel, noch wegen eines konkreten Verhaltens von Heiko Vogel gefallen.»

Mit sportlicher Entwicklung unzufrieden

Vielmehr sei es eine «zwei- bis dreiwöchige Analyse mit etlichen Gesprächen auch mit Heiko Vogel» gewesen, die zur Entscheidung geführt habe, sagt Heusler. Die Klubführung sieht die Mannschaft momentan neben der Spur und die Saisonziele gefährdet. Platz 4 entspricht nicht den Erwartungen. Trotzdem behauptet Heusler «ist die Entscheidung nicht punkte- oder rangabhängig.» Die sportliche Entwicklung der Mannschaft ist es, die den FCB-Vorstand zur Entscheidung getrieben hat, die «sehr schwer ist, weil wir Heiko Vogel unendlich dankbar sind», wie Heusler sagt. Aber: «Die positive Tendenz fehlte. Wir waren unterschiedlicher Auffassung, wie die Mannschaft wieder in die Spur zurückkommt.»

Gekriselt haben dürfte es dabei schon seit längerer Zeit. «Es ist keine Panikreaktion, das hat sich nicht über Nacht entwickelt», sagt Heitz. Die Differenzen seien «elementar» gewesen. «Im Erfolg schaut man vielleicht über einige Differenzen hinweg. Aber nur weil man gemeinsam auf dem Casino-Balkon am Barfi steht, heisst das nicht, dass man sich überall einig ist», so Heitz. Wo genau die Differenzen lagen, wollten weder Heusler noch Heitz konkret beantworten.

Zu wenig auf Junioren gesetzt?

Möglich ist, dass man nicht zufrieden war, wie Vogel die jungen Spieler in die Mannschaft integrierte. Keiner der Junioren aus dem FCB-Nachwuchs, die unter Vogel in die erste Mannschaft hochgenommen worden waren, hat auch nur annähernd den Durchbruch geschafft. Viele spielen in der U21 (Grether, Ajeti, Jevtic) oder werden nur sporadisch – beispielsweise im Cup (Vuleta, Seferagic) – eingesetzt. Das widerspricht der Klubphilosophie, dass von den 24 Kaderspielern der ersten Mannschaft acht aus der eigenen Akademie stammen sollen.

Dem neuen Trainer will der Vorstand diesbezüglich keine Vorgaben machen. Nur eine Forderung liessen Heusler und Heitz heraushören: Neuen «Zündstoff» soll Yakin bringen. «Er kann Leidenschaft entfachen. Das ist unsere primäre Hoffnung. Das haben wir in den letzten Spielen vermisst», so Heitz. Vom Vogel-Nachfolger sei der FCB überzeugt, wie vor genau einem Jahr, als Vogel als Interims-Trainer vorgestellt wurde, ergänzte Heusler.

Yakin selber äusserte sich erst vage zur neuen Situation, zu wenig Zeit hatte er für eine konkrete Auseinandersetzung mit der Mannschaft. Mitte der vergangenen Woche hatte der FCB sein Interesse angemeldet. Übers Wochenende folgte dann die Einigung. Heute morgen eröffnete der FCB-Vorstand Heiko Vogel, dass er entlassen sei. Wenige Stunden später und nur einige Minuten vor der Pressekonferenz unterzeichnete Yakin den bis 2014 gültigen Vertrag. Grosse Freude verspüre er, sagte Yakin. Der Job beim FCB sei eine Herausforderung. Er habe grossen Respekt.

«Ich will das Punktemaximum»

Für genauere Aussagen zum Sportlichen müsse er zunächst die Situation der Mannschaft analysieren. «Ich habe den FCB immer genau verfolgt. Aber von Aussen kann man viele Beobachtungen machen, das Innenleben der Mannschaft kenne ich nicht.» Trotzdem betonte Yakin, dass er ein Erfolgsmensch sei. Am Wochenende – ausgerechnet bei seinem Ex-Klub Luzern – sollen die ersten drei Punkte her: «Ich will das Punktemaximum.»

Yakin bekommt in Basel keine ruhige Startphase. Schon kommende Woche reist der FCB nach Ungarn für das wegweisende Spiel in der Europa League gegen den FC Videoton. Yakin muss in Basel nicht nur eine Mannschaft aus der Krise führen, und das möglichst schnell. Er tritt auch in grosse Fussstapfen. Cupsieg, Meistertitel, die Siege gegen Manchester United und Bayern München in der Champions League. «Die sportlichen Erfolge von Heiko Vogel muss ich hier nicht erwähnen», sagt Heusler. Aber nicht nur das: Mit seiner bodenständigen und humorvollen Art war Heiko Vogel immer der Liebling der Fans. Unvergessen, wie die mitgereisten Anhänger Vogel nach seinem ersten Einsatz als Interims-Trainer im Cup in Schötz minutenlang feierten. Genau ein Jahr ist es her.