Profi-Eishockey

Eiszeit dauert für den EHC Basel noch fünf bis zehn Jahre

Rony Spreyermann vom EHC Basel (rechts) im Zweikampf mit Adelbodens Lukas Baumann in einem Meisterschaftsspiel vom 26. September.

Rony Spreyermann vom EHC Basel (rechts) im Zweikampf mit Adelbodens Lukas Baumann in einem Meisterschaftsspiel vom 26. September.

Die Rückkehr ins Profi-Eishockey ist für die Basler möglich, aber noch weit entfernt. Bis der EHC Basel ein guter Nati-B-, allenfalls sogar wieder ein Nati-A-Verein wird, braucht es laut EHC-Experte Martin Merk noch fünf bis zehn Jahre.

Der 23. Juni 2014 war ein schwarzer Tag für das Basler Eishockey. Die EHC Basel AG gab vor versammelter Presse bekannt, dass man die Bilanz deponieren und den NLB-Spielbetrieb und damit das Profi-Eishockey per sofort einstellen müsse. Der Schock war gross, die Reaktionen heftig.

Eineinhalb Jahre später hat sich die Aufregung rund um den EHC gelegt. Mittlerweile bestreiten die Basler ihre zweite Saison in der 1. Liga und fristen ein Dasein als Amateurverein. Nach 17 gespielten Partien in dieser Saison rangiert der EHC auf Platz sechs und damit einen Rang zu tief, um an den Playoffs teilnehmen zu können. Noch drei Spiele hat der EHC Zeit, um sich für die Masterround I und damit die Playoffs zu qualifizieren.

«Die Fans haben sich mehr erhofft und zurecht gedacht, dass mehr möglich ist», sagt denn auch Martin Merk. Der Aescher verfolgt den EHC seit vielen Jahren, schrieb für diverse Printmedien als EHC-Experte und arbeitet beim Internationalen Eishockeyverband IIHF.

Schritt für Schritt zurück

Während der EHC für diese Saison das Ziel ausgegeben hat, einen guten Platz in den Playoffs zu erreichen, formuliert Merk zukunftsgerichtetere Ziele: «Mittelfristig muss es das Ziel sein, ein Spitzenklub in der 1. Liga zu werden und den Weg zurück ins Profigeschäft Schritt für Schritt anzugehen.»

Doch diese Schritte sind momentan eher klein und langsam. Merk sieht das Problem nicht nur darin, dass das Geld noch immer knapp ist. «Es wurden viele Fehler gemacht – auf und neben dem Eis.» Der Logowechsel weg vom Baslerstab hin zu den Sharks 2009 war nur einer davon. Mittlerweile ist der Hai zwar wieder dem Baslerstab gewichen – doch Merk vermisst noch immer Fingerspitzengefühl und Flair von Seiten der Klubverantwortlichen. Ein altbekanntes Problem. «In den Nati-A- und Nati-B-Zeiten hat man das Geld gehabt, aber die Nähe zu den Leuten hat gefehlt.» Dieses Problem könnte alleine durch die Tatsache, dass die Spieler mittlerweile lokal verwurzelt sind, gebessert haben.

So sagt Merk auch, dass er langfristig Potenzial sehe beim EHC. «Man hat ja durchaus schon Anläufe im Profi-Eishockey gehabt, die Chancen dort aber verpasst. Das letzte Mal ist man beispielsweise dank Einkäufen aufgestiegen. Und kaum war das Geld weg, waren auch die Spieler weg.» Das müsse man dieses Mal anders regeln. Es sei sicher nicht schlecht, wenn man organisch wachse, die eigenen Spieler fördere und mehr Wert auf Nachwuchsspieler lege. Sind diese Faktoren gegeben, sieht Merk durchaus Chancen für den EHC. Man habe zwar die Etablierung verpasst, aber Platz für Spitzeneishockey habe es in Basel durchaus, auch wenn dies oft verneint werde. «Es wird aber nicht sofort klappen, man muss sich auch damit Zeit lassen.»

Vergangenheit gibt Hoffnung

Wenn Merk davon spricht, dass die Basler Eishockeyaner Zeit brauchen, dann spricht Merk von einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren. «So lange braucht es, bis der EHC ein guter Nati-B-, allenfalls sogar wieder ein Nati-A-Verein wird.»

Dass der EHC den Weg von der 1. Liga in die Nati A kennt, hat er bereits einmal bewiesen. Ende der 1980er-Jahre fiel er bis in die 2. Liga und schaffte es 2003 wieder zurück in die oberste Spielklasse. Merk warnt zwar, dass die momentane Situation nicht mit der damaligen zu vergleichen sei, weil der Anhang damals viel grösser war. Aber er ist sich dennoch sicher: «Der EHC Basel schafft es zurück in das Profi-Eishockey.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1