So lang wie die Schlangen vor den Zollämtern 2015 waren, sind sie schon lange nicht mehr. Die Zollbeamten stempelten die grünen Zettel im Akkord ab, weil die zahlreichen Einkaufstouristen, ihre Ausfuhrbescheinigungen abstempeln liessen, um später die Mehrwertsteuer zurückzuverlangen.

Letztes Jahr stellte das Hauptzollamt Lörrach 5,6 Millionen Bescheinigungen aus, im Vorjahr waren es noch 6,3 Milllionen. Das seien auf den einzelnen Tag herunter gebrochen um die 2000 Bescheinigungen weniger als noch im Vorjahr, wie das «Regionaljournal» bereits berichtete. Dieser Rückgang habe vorerst keine Auswirkungen auf das Personal, wie Antje Bendel vom Hauptzollamt Lörrach auf Anfrage der bz sagte.

Baustellen, Onlinehandel und Schweizer Preise

Nicht nur an der kürzeren Schlange vor den Zollämtern ist der Rückgang des Einkaufstourismus zu spüren auch in den Einkaufszentren entlang der Grenze.  Günther Merz, Centermanager vom Rhein Center spricht von diversen Gründen für den Rückgang des Einkaufstourismus: «Einerseits hat der Schweizer Handel in die Preise investiert, sprich das Preisniveau ist in der Schweiz gesunken. Auf der anderen Seite sind die Preise in Deutschland leicht gestiegen.» Zudem sei der Benzinpreis relativ hoch, weshalb es sich der Schweizer zweimal überlegt den Weg auf sich zu nehmen. Doch Merz ergänzt die Liste um eine weitere Zeiterscheinung: «Das Online-Shopping hat nach wie vor Auswirkungen.» 

Dieter Hieber, Geschäftsführer der Einkaufskette Hieber, ist noch ein weiterer Grund aufgefallen: «Die zahlreichen Baustellen entlang der Grenze schränken den Einkaufstourismus ein.» Zurzeit sind die Grenzübergänge Grenzach-Wyhlen, Riehen und Weil am Rhein davon betroffen.

Seit dem Frankenschock 2015 hat sich der Einkaufstourismus als wie mehr normalisiert. Dies spürte auch Wolfgang Diez, Oberbürgermeister von Weil am Rhein: «Man spürt einen deutlichen Unterschied im Vergleich zu Zeiten als der Euro noch eins zu eins zum Franken war. Diese Situation hat sich normalisiert und der Alltag hat sich im Städtchen eingependelt.»