Basler Museen
Eine Zangengeburt – so sieht die Museumsstrategie der Basler Regierung aus

Seit Jahren wartet man in Basel auf die Museumsstrategie. Nun liegt das Papier vor. Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann stellte es am Mittwoch vor.

Marc Krebs und Jonas Hoskyn
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Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (r.) und die Leiterin Abteilung Kultur, Sonja Kuhn (l.), präsentieren das neue Museumsleitbild.
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Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann gab ein klares Bekenntnis zu den fünf staatlichen Museen ab.
Sonja Kuhn, Leiterin Abteilung Kultur
Kopie von 3. Version von Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann und die Leiterin Abteilung Kultur, Sonja Kuhn, präsentieren das neue Museumsleitbild

Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (r.) und die Leiterin Abteilung Kultur, Sonja Kuhn (l.), präsentieren das neue Museumsleitbild.

Roland Schmid

Sieben Jahre lang musste man warten, am Mittwoch wurde sie auf 27 Seiten präsentiert: Die Museumsstrategie des Kantons Basel-Stadt. Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann und Sonja Kuhn, Interimsleiterin der Abteilung Kultur, haben das Versäumnis ihrer Vorgänger, Guy Morin und Philippe Bischof, nachgeholt. Deren Entwurf war im vergangenen Jahr vom Regierungsrat abgelehnt worden. Es sah unter anderem eine Superdirektion vor, die über den fünf kantonalen Museen gestanden wäre.

Dazu kommt es nicht, wie die Strategie zeigt, die der Regierungsrat am Dienstag durchgewunken hat. Die fünf staatlichen Häuser – Kunstmuseum, Antikenmuseum, Historisches Museum, Naturhistorisches Museum und Museum der Kulturen – sollen selbstständig agieren können. Aber sie bleiben weiterhin Staatsbetriebe. «Weil sie eng mit der Identität der Stadt verwoben sind», wie Elisabeth Ackermann sagt, «und weil ihre Sammlungen enorme Werte beherbergen und ein Vermögen des Gemeinwesens darstellen.»

Ausgeschlossen

Sportmuseum steht vor dem Aus

Grosser Verlierer der gestern präsentierten Museumsstrategie ist das Sportmuseum Schweiz. Im Gegensatz zum Schweizerischen Architekturmuseum (S AM) und dem Haus der Elektronischen Künste (HeK) kann das Sportmuseum nicht mit finanzieller Unterstützung durch den Kanton rechnen, nachdem der Bund seine Subventionen gestrichen hat. Das Sportmuseum, das im Baselbieter Teil des Dreispitzareals beheimatet ist, ist für die Regierung ausserhalb der von ihr definierten Schwerpunkte Bildende Kunst, Medienkunst, Architektur und historisch wichtige Themenfelder.
Der Entscheid kommt nicht überraschend. In den letzten Jahren hat die Basler Regierung immer wieder klar gemacht, dass das Sportmuseum in ihren Augen keinen Anspruch auf Kantonsgelder hat. Allerdings hat das Sportmuseum im Basler Parlament eine starke Lobby. So hat der Grosse Rat Anfang 2017 dem Sportmuseum nochmals eine Galgenfrist verschafft und eine zeitlich beschränkte Subvention von 150 000 Franken pro Jahr bewilligt. Diese verlängert die Regierung 2018 noch ein letztes Mal im Sinne eines Überbrückungskredits.
«Wir sind enttäuscht, hatten aber auch nichts anderes erwartet», sagt der interimistische Museumsleiter Hans-Dieter Gerber. Er will nun eine Strategie und einen Aktionsplan erarbeiten, bevor er wieder Gelder beantragt. «Wir müssen einen Weg finden, sichtbarer zu werden.» HYS

Um künftig einen Schuldenberg, wie ihn die Direktorin des Historischen Museums Marie-Paule Jungblut anhäufte, zu verhindern, sollen die Museen dreimal jährlich an die Abteilung Kultur berichten, Hochrechnungen präsentieren aber auch Personalfragen diskutieren. Man erhofft sich so ein Frühwarnsystem, wenn ein Museum sein Budget nicht einhalten, seinen Auftrag nicht erfüllen kann. Auch sollen Aufgaben und Kompetenzen klarer aufgeteilt werden, als dies bisher der Fall war. Das betrifft die Kommissionen des Grossen Rats aber auch jene der Museen, deren Zuständigkeiten bislang nicht immer formal festgelegt waren.

Mehr Flexibilität für Museen

Durch das Controlling werden die Museen zwar enger mit der Abteilung Kultur zusammenarbeiten. Was die inhaltlichen Schwerpunkte angeht, so möchte man ihnen jedoch mehr Freiheiten lassen. Bisher mussten die Museen mit Jahresbudgets arbeiten, eingesparte Beträge konnten sie nur zweckgebunden einsetzen. Neu sollen sie über einen Zeitraum von vier Jahren Planungssicherheit erhalten: Die fünf Museen erhalten ein Globalbudget, mit dem sie ihre Schwerpunkte setzen und die Mittel dort einsetzen können, wo sie es für nötig halten.

In einem Jahr für eine ganz besondere Ausstellung mehr, in einem anderen weniger. Damit erhalten die Museen mehr Flexibilität aber auch Eigenverantwortung: Bei einem Defizit haben sie die Konsequenzen klar selber zu tragen. Die Einführung des Globalbudgets verlangt eine Anpassung des Museumsgesetzes, muss also noch vom Parlament verabschiedet werden.

Mit diesen Massnahmen sind aber die strukturellen Defizite nicht überwunden, mit denen das Kunstmuseum und das Historische Museum zu kämpfen haben, wie in den vergangenen Monaten bekannt wurde. In beiden Häusern sollen Betriebsanalysen in den nächsten Monaten zeigen, warum die Leistungsaufträge mit den vorhandenen Mitteln nicht erfüllt werden können respektive welche Möglichkeiten für eine Erhöhung der Eigenfinanzierung vorhanden sind. Dafür werden Raummieten, Technik-, Personal- und Sicherheitskosten durchleuchtet. Auch die anderen drei Museen werden bis 2020 analysiert. Warum dauert das so lange? Weil Mittel und Personal fehlen, sagt Ackermann.

Neubau im St. Johann geplant

Die Strategie hält auch an der Absicht fest, das Naturhistorische Museum aus dem sanierungsbedürftigen Berri-Bau in einen Neubau beim Bahnhof St. Johann zu verlagern, zusammen mit dem Staatsarchiv. Das Bauprojekt soll dem Grossen Rat im Sommer 2018 vorgelegt werden. Der Berri-Bau soll nach seiner Sanierung weiterhin als Museum genutzt werden, ob für das Antikenmuseum oder das Historische Museum, ist allerdings noch völlig offen, da eine entsprechende Nachnutzungsstudie aussteht.

Was die privaten Museen angeht, so konzentriert sich die Regierung auf alle bisherigen unterstützten Museen, inklusive Augusta Raurica im Kanton Baselland, mit einer Ausnahme: Das Sportmuseum (siehe Kasten) passt nicht mehr ins Konzept. Dieses fokussiert sich auf Kunst-, Architektur- und historisch gewachsene Museen. Visionen oder übergeordnete Kooperationsmöglichkeiten mit privaten Museen werden in der Strategie nicht thematisiert, auch sind einige wie das Museum Tinguely gar nicht erst erwähnt.

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Die Pressekonferenz zum Nachlesen: