Medien

Eine mediale Bühne für den Nachwuchs

Julius Fintelmann_01

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Das neue Online-Magazin «Intrige» berichtet über die junge Theaterszene der Schweiz. Initiator ist der 17-jährige Julius Fintelmann.

Wenn sie denn lesen müssen, sollen sie Sybille Berg lesen. Auf keinen Fall aber «fünf Mal Schiller durchkauen». Ohnehin am besten sei es, wenn Schulklassen direkt – ohne Umweg über Bücher – Theater schauen gehen. Das sagt Julius Fintelmann, Redaktor und Initiator des Online-Magazins «Intrige».

Er selbst sei ohnehin theaterbegeistert. Seine Unterrichtskritik zielt auf andere: «Ich habe erlebt, wie Schillers ‹Räuber› manchen jede Freude am Theater nimmt.» Der 17-Jährige verwirft die Hände, richtet aber gleich wieder seinen langen roten Schal. Der Gymnasiast wirkt älter, als er ist. Er gibt zu, dass das «auch ein bisschen» beabsichtigt sei.

Nachwuchsjournalisten aus der ganzen Schweiz

Viele Junge wollen im Theater arbeiten; auch in den Journalismus wollen noch immer viele. Aber wer zum Theater will, der möchte normalerweise Regisseurin oder Schauspieler werden. Jungjournalisten träumen eher von gefährlichen Reportagen als von Theaterkritiken. Trotzdem erscheint «Intrige» nun schon seit bald einem halben Jahr. Acht Nachwuchsjournalistinnen und Nachwuchsjournalisten aus der ganzen Schweiz berichten, interviewen, analysieren. Im Schnitt erscheinen drei Artikel pro Woche.

Bei «Intrige» werden Nachwuchsschauspielerinnen ernstgenommen. Da wird aus der Aula des Gymnasium Leonhard ebenso selbstverständlich berichtet wie aus dem Konzert Theater Bern. Komplettiert werden die Kritiken und Porträts von der Kolumne der Regiestudentin Laura Tontsch: «Was man über Theateraufnahmeprüfungen wissen sollte», enthält wohl genau jene Insiderinfos, nach denen die Zielgruppe lechzt.

Etwa ein Jahr lag zwischen Fintelmanns Idee und der Lancierung von «Intrige» Mitte vergangenen September. Vorbereitungszeit, in der das Kernteam zusammengefunden habe. Manche in der achtköpfigen Redaktion studieren, einige sind bereits voll im Beruf. Auch im Journalismus: Deborah von Wartburg arbeitet als Kulturredaktorin beim «Zürcher Oberländer»; Sari Pamer ist freie Mitarbeiterin beim «Bund» in Bern. «Ich bin neben unserem Programmierer der einzige Schüler und der Jüngste», sagt der Gymnasiast verschmitzt. Die Älteste im Team sei 27, doch: «Alter ist doch bedeutungslos. Es sagt wenig über den Menschen aus.» Bisher arbeitet das Team komplett gratis, bewältigt ehrenamtlich eine Arbeitslast, die mehr als ein Vollzeitpensum füllen würde. Fintelmann sagt, eine «symbolische Vergütung» von 50 Franken pro Artikel sei geplant.Da stellt sich die Frage nach dem Antrieb hinter «Intrige»? «Junges Theater ist die Zukunft des Theaters», antwortet Fintelmann. Im Idealfall gelinge es diesem, Themen zu behandeln, die Jugendliche bewegen. Aber für die Macherinnen und Macher sei das meist ernüchternd: Dem Bühnennachwuchs fehlte eine öffentliche Bühne. Fintelmann, der selbst in Produktionen der Jungen Oper Basel spielt, kennt das Gefühl: «Niemand gibt dir Aufmerksamkeit.» Nach Monaten der Stückentwicklung und mehreren Wochen Intensivproben, erschienen weder Hinweise noch Kritiken. «In Zeitungen schreiben oft dieselben Menschen über dieselben Stücke und Menschen», kritisiert er. Hier will er mit «Intrige» Abhilfe schaffen.

Bislang keine negativen Rezensionen

Momentan hat das Online-Magazin 1500 bis 2500 Leser (Unique Visits) im Monat. Das mag vielleicht nach wenig klingen, aber ist beachtlich, bedenkt man das beschränkte Zielpublikum. Um Zahlenrekorde gehe es ohnehin nicht, so Julius Fintelmann: «Es ist unglaublich schön zu hören, welche Wertschätzung unsere Berichte auslösen», erzählt er. Diese Resonanz für ihre Bühnenprojekte bedeute den jungen Theaterschaffenden viel.

Die Jungjournalisten sind selbst Teil ihrer Community. Können sie wirklich kritisch und unabhängig über Junges Theater berichten? «Wir schreiben nicht, was die Theaterschaffenden hören wollen», stellt Fintelmann klar. Trotzdem hat auf «Intrige» bislang noch niemand ein Stück verrissen. «Egal, wie man das Gesehene wahrnimmt: Respekt vor dem Einsatz und Engagement hat man im Nachwuchsbereich ja immer.»

Ob Luzern oder Zürich, Bern oder Basel: Das «Intrige»-Magazin deckt die gesamte Deutschschweiz ab. Bereits sei in Berlin ein Ableger in Planung. Im Frühjahr soll «Intrige» auch in der deutschen Hauptstadt starten. «Das Vakuum für eine journalistische Plattform über Junges Theater umfasst den ganzen deutschen Raum», blickt Fintelmann auf die Lücke, die das Online-Magazin ambitioniert füllen will.


Intrige Magazin für Junges Theater. www.intrige.ch

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