Gesellschaft

«Eine Guggenmusik mit Negerköpfen»: Satirisches Vorurteil-Theater in Basel wegen Protesten abgesagt

Das Stück wollte über Satire wachrütteln, wurde aber wegen einer Protestwelle wieder abgesagt.

Das Stück wollte über Satire wachrütteln, wurde aber wegen einer Protestwelle wieder abgesagt.

Ein Theaterstück in Basel musste abgesagt werden – zu viele politische Befindlichkeiten stiessen sich an Inhalt und Flyer. Dieser griff den satirischen Ton aus dem Stück auf und nahm auch Bezug auf die Diskussion rund um die Guggenmusik Negro-Rhygass.

Nach einer Protestwelle hat der Theaterworkshop Klara die für heute geplante Premiere des Theaterstücks «Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner» abgesagt. Das satirische Stück, das seit über zehn Jahren im deutschen Sprachraum aufgeführt wird, handelt von einer Gruppe Schauspieler, die eine Wohltätigkeitsveranstaltung für eine afrikanische Schule organisieren wollen.

Dabei verheddern sie sich immer mehr in ihrer eigenen politischen Korrektheit, in Pauschalisierungen und Vorurteilen. «Es geht um eine Auseinandersetzung mit bewussten und unbewussten Vorurteilen. Im Zentrum steht die Entlarvung von Klischees über den Kontinent Afrika und der Selbstbezogenheit, die mit sogenannter Wohltätigkeit verbunden ist», schreibt Regisseur Dirk Schulz dazu.

Realität und Satire in neuem Konflikt

Der Kniff beim Stück ist das Vermischen von Realität und Satire. So war im Rahmen der Aufführung tatsächlich auch eine reale Spendensammlung für die tatsächlich existierende Schule aus dem Stück vorgesehen. Bei diesem doppelten Spiel haben die Theatermacher aber offenbar viele Befindlichkeiten falsch eingeschätzt. Denn bereits vor der Theaterpremiere sorgte der Flyer für Aufsehen. Dieser griff den satirischen Ton aus dem Stück auf und nahm unter anderem auch Bezug auf die Diskussion rund um die Guggenmusik Negro-Rhygass (O-Ton: «eine Guggenmusik mit Negerköpfen»).

Auf der Facebook-Seite der Food- und Kulturhalle Klara entwickelte sich in der Folge eine emotionale Diskussion in der Kommentarspalte. Die Theatermacher entschuldigten sich für den Flyer. Auch ein persönlicher Austausch brachte keine Entspannung. Nun wurde die Aufführung gecancelt: «Die Absage soll ein Zeichen der Aussöhnung sein, um dem notwendigen Diskurs den Raum und die Luft zu geben, die er braucht», schreibt Schulz.

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