Basel hat Zürich in dieser Saison im vierten Anlauf ein erstes Mal besiegt. Das 4:2 in einer am Ende spektakulären Partie war ein Vorgeschmack auf den Cup-Final-Klassiker.

Der 5:0-Coup Thuns im Letzigrund gegen die ohne Vorankündigung lahmenden Hoppers löste beim FCB in den ersten Minuten einen überaus positiven Effekt aus. Noch ehe sich der FCZ richtig gruppiert hatte, führten der Favorit bereits: Sio lenkte eine Flanke Strellers ins leere Tor.

Der erste Vorteil war aus Sicht der Einheimischen aber zugleich auch ein Tiefpunkt - Captain Streller verletzte sich dabei und verliess den Rasen nach knapp neun Minuten mit erneuten Beschwerden im muskulären Bereich. Ob der Stürmer im Cup-Final zur Verfügung steht, ist vermutlich höchst fraglich.

Die späte Hektik

Als Zürich sich mit zwei Treffern von Pedro Henrique und Chikhaoui innert Kürze nochmals Zugang zu einer zuvor von Basel deutlich dominierten Partie verschaffte, kam im Vergleich der beiden Traditions-Vereine eine kaum mehr für möglich gehaltene Hektik auf - in der lange nicht sonderlich prickelnden Cup-Final-Generalprobe kam es beim Stand von 2:3 aus Zürcher Optik beidseits zu emotionalen Schüben.

Und mitten im verzweifelten Ansturm der Gäste setzte der in der Liga nun seit 25 Runden ungeschlagene Leader zum entscheidenden Konter an - Valentin Joker, der überragende Rückkehrer, der bereits das 2:0 (65.) markiert hatte, provozierte am Ende seines Sprints den entscheidenden Penalty und den Ausschluss von Loris Benito. Da Costa wehrte Freis Elmeter zwar ab, den Abpraller verwertete der FCB-Professional Elneny gleichwohl - das 4:2 löste einen gewaltigen Jubel aus. Derweil GC stürzte, kam der FCB nach einjähriger Leidenszeit zum ersten Sieg im Klassiker und erhöhte zugleich den Vorsprung gegenüber den Hoppers eine Runde vor dem Direkt-Duell mit GC auf vier Punkte.

Dem umstrittenen Szene folgten weitere Turbulenzen, Diskussionen und gleich mehrere "Rudel-Bildungen" - die finalen Scharmützel waren wohl nur ein Vorgeschmack auf das, was am Oster-Montag im nächsten Aufeinandertreffen der Beteiligten zu erwarten ist.

Meiers Taktik

Urs Meier hatte es bereits im Vorfeld des vierten Klassikers der Saison angedeutet: Priorität besitzt das Endspiel im Cup am nächsten Montag - notabene erneut gegen den Titelhalter. Entsprechend formierte der Coach sein Team. Gleich fünf Akteure jener (Start-)Auswahl, die gegen YB nach einer wochenlangen Torflaute immerhin ein 2:2 erreicht hatte, ersetzte Meier.

Ob er mit seiner offensichtlichen Dosierung der Kräfte richtig taktierte, wird sich im wichtigsten Duell des Jahres mit dem FCB an Ostern weisen. Zu lange tat er sich (und wohl auch GC) mit der passiven Haltung keinen Gefallen.

Zu spät aufgedreht

Der FCZ leistete den Bebbi im St.-Jakob-Park bis zum 0:3 nur mit halber Kraft Widerstand. Erst als die Gäste in der wilden Schlussphase rigoros von ihrer Strategie der Zurückhaltung abwichen, entwickelte sich unverhofft ein nahezu offener Schlagabtausch.

Basel, das den Gegner bis tief in die zweite Hälfte fast problemlos kontrolliert hatte, taumelte plötzlich. Pedro Henrique mit einem Traumschuss in die hohe Ecke und der spät eingetretene Regisseur Chikhaoui - er traf nach einem kecken Absatztrick Gavranovics - verschafften dem FCZ ein Comeback.

Die Doublette innerhalb von fünf Minuten hinterliess beim Leader vorübergehend Spuren. Die Dynamik verschwand, von der lange zur Schau getragenen Stilsicherheit war nichts mehr zu spüren. Als der Zürich das Tempo verschärfte, wankte der FCB mehrfach und offenbarte defensiv jene Angriffsfläche, die ihm zuletzt in Valencia (0:5) zum Verhängnis wurde.

Aber ausgerechnet in der besten Phase der Gäste enteilte Stocker ein zweites Mal - mit fatalen Folgen für Zürich. Benito touchierte den FCB-Mittelfeldspieler im Strafraum zwar nur leicht, aber entscheidend. Der Basler stürzte, Schiedsrichter Pache zückte Rot. Benito zahlt für die leichte Berührung einen hohen Preis - er verpasst den ersten Cup-Final Zürichs seit 2005. (sda)

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