Weihnachten
Ein Tännlein steht im Gundeli, blank und kahl

Niemand hat an die Veloparkplätze gedacht. Deshalb leuchtet der Baum auf dem Meret-Oppenheim-Platz noch nicht. Wir haben ermittelt, wer hinter dem ungeschmückten Christbaum steckt und was die Anwohner dagegen unternehmen wollen.

Noemi Lea Landolt
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Der «Armeleute-Baum» ist im Gundeli derzeit das Top-Thema.

Der «Armeleute-Baum» ist im Gundeli derzeit das Top-Thema.

Martin Töngi

Es ist ein tristes Bild, das sich Passanten derzeit auf dem Meret-Oppenheim-Platz nahe dem Bahnhof SBB bietet: Zwar steht dort eine meterhohe Tanne, die vorweihnachtliche Stimmung verbreiten sollte. Aber die Äste der Tanne sind kahl. Kein Glitzer, keine Kugeln, keine Beleuchtung. Sobald es dunkel wird, verschwindet der Weihnachtsbaum in der Nacht. «Dieser Armeleute-Baum ist in unserem Quartier das Tagesgespräch», schreibt die Gundeldinger Zeitung in ihrer aktuellen Ausgabe. Aber wie konnte das passieren? Wer ist Schuld? Fragen, die sich nicht so einfach beantworten lassen, weil sich in Basel nicht nur eine Behörde um die Weihnachtsbäume kümmert.

Kein Durchkommen für die IWB

Der Verein «Basler Weihnacht» finanziert die Tannenbäume, die überall in der Stadt stehen: «Wir sorgen dafür, dass die Tannen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind», sagt Vereinspräsident Gabriel Barell. Aber eine Tanne ohne Lichter ist kein Weihnachtsbaum.

Für die Lichterketten ist die Interessengemeinschaft Gundeldingen (IGG) zuständig. Um deren Montage wiederum kümmern sich fünf Mitarbeiter der Industriellen Werke Basel (IWB). Mit Spezialfahrzeugen hängen sie die Weihnachtsbeleuchtung an den richtigen Platz und schliessen sie ans Stromnetz an. «Insgesamt erbringen wir dabei Leistungen im Wert von über 70 000 Franken für die Basler Weihnacht», sagt IWB-Sprecher Erik Rummer. Auch bei der Tanne auf dem Meret-Oppenheim-Platz unterstützen die IWB die Quartierorganisationen seit Jahren. «Dieses Jahr war dies nicht möglich, weil der dafür notwendige Montageplatz wegen der neu platzierten Veloständer nicht vorhanden ist», sagt Rummer. Kein Durchkommen also für die IWB und eine kahle Tanne auf dem Meret-Oppenheim-Platz das Ergebnis.

SBB wussten von nichts

Damit die Monteure der IWB Zugang zur Tanne gehabt hätten, hätte man die Veloparkplätze auf dem Meret-Oppenheim-Platz verschieben müssen. Und darüber hätte jemand die SBB informieren müssen. «In den Vorjahren wurden die SBB jeweils von der IGG im Vorfeld informiert», schreibt Mediensprecherin Lea Meyer. Dieses Jahr haben die SBB erst davon erfahren, als die Tanne bereits auf dem Platz stand.

Um die Veloparkplätze zu verschieben, wäre jedoch eine Vorlaufzeit von mindestens acht Wochen nötig. Denn man hätte bei den angeketteten Fahrrädern die Schlösser aufbrechen müssen. Darüber müssen die SBB die Veloeigentümer mindestens 14 Tage im Voraus informieren, damit sie genug Zeit haben, ihre Fahrräder zu entfernen. Dafür war es dieses Jahr zu spät.

Der bz liegt ein Blatt mit den Zuständigkeiten im Zusammenhang mit der Weihnachtsbeleuchtung der Tanne beim Meret-Oppenheim-Platz vor. Dieses wurde ursprünglich von der IGG verschickt und zeigt: An die Veloständer hat irgendjemand, irgendwann einmal gedacht. Dort steht nämlich: «Demontage Veloständer (mindestens vier Wochen im Voraus)». Dieses Detail ist im Vorweihnachtstress wahrscheinlich unbeachtet geblieben. Von der IGG war gestern niemand erreichbar. Lea Meyer von den SBB schreibt: «Wir haben mit der IGG abgemacht, dass wir Anfang Oktober 2016 über ihre Pläne betreffend den Weihnachtsbaum fürs nächste Jahr informiert werden.»

Spontane Schmück-Aktion

Die Gundeldinger haben ihre Tanne aber noch nicht ganz aufgegeben: Die «Gundeldinger Zeitung» und die Quartierkoordination Gundeldingen wollen die Tanne am kommenden Samstag zusammen mit den Quartierbewohnern doch noch zum Leuchten bringen. «Wir haben einen kleineren Hebekran organisiert und die IGG bringt ihre Leuchtgirlanden», sagt Thomas Weber, Chefredaktor der «Gundeldinger Zeitung» und Ehrenmitglied der IGG. Er hofft auf viele Leute, die ab 16 Uhr Kugeln und Baumschmuck vorbeibringen. Auch Gabriele Frank, Geschäftsstellenleiterin der Quartierkoordination Gundeldingen ist zuversichtlich, dass es am Samstag klappt: «Ich möchte niemandem den Schwarzen Peter zuschieben, weil man es verpasst hat, die SBB rechtzeitig zu informieren und freue mich stattdessen, dass eine spontane Schmück-Aktion zustande kommt.»

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