Halle-Express
Ein Mess-Bähnli, das auf halber Strecke stehen bleibt

An der diesjährigen Messe fährt Ueli Niederhauser die Messebesucher vom Messeplatz in Richtung «Super 80s»-Halle. Doch viele Besucher sind überrascht, wenn das Bähnli auf halber Strecke stehen bleibt. Ab dort muss man zu Fuss weiter.

Jasmin Schraner
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Uelis Festbahn soll die Messebesucher zur Halle 3 fahren – unterwegs werden die Fahrgäste vom plötzlichen Stopp überrascht.

Uelis Festbahn soll die Messebesucher zur Halle 3 fahren – unterwegs werden die Fahrgäste vom plötzlichen Stopp überrascht.

Nicole Nars-Zimmer

«Bitte einsteigen, es ist gratis. Nachher müsst ihr aber noch ein bisschen laufen», ruft Ueli Niederhauser den Messebesuchern zu, die Richtung Halle 3 marschieren. Ihm gehört die Festbahn, die seit bald zwei Wochen vom Messeplatz Richtung «Super 80s»-Halle fährt. Das Bähnli sei gut besucht und werde geschätzt bei Jung und Alt; das sehe er auch am Trinkgeld. Nur eines versteht niemand so ganz: «weshalb man nachher noch laufen muss. Irgendwie ist es nicht logisch.»

Vor der Abfahrt lädt Niederhauser Kinderwagen auf. Dann tuckert er los. Eine gefühlte Minute später hält die Bahn wieder an. In der Hälfte des Weges Richtung Halle endet das Messegelände. Niederhauser erklärt den Fahrgästen, dass sie die letzten Meter durch die Isteinerstrasse laufen müssen. Diese verlassen überrascht die Bänke. Die Kinderwagen werden wieder abgeladen. Eigentlich darf Niederhauser mit seiner Festbahn auf öffentlichen Strassen fahren. Doch die Isteinerstrasse bleibt ihm verwehrt. «Ich habe noch nie so etwas erlebt und ich fahre auf vielen Strassen in der ganzen Schweiz.»

Zu langsam, zu breit

Daniel Arni, Leiter Fachstelle Messen und Märkte, sagt dazu: «Die Bewilligung für das Bähnli haben wir nur auf dem Messegelände. Für uns ist es einfach wichtig, dass es die Leute Richtung Halle mitnimmt.» Auf das Zügli wolle man nicht verzichten. Eine Nachfrage beim Justiz- und Sicherheitsdepartement ergab, dass «primär aus Gründen der Verkehrssicherheit von der Kantonspolizei keine Zustimmung für einen solchen Betrieb erteilt» würde. Einerseits müsste sich die Bahn die Isteinerstrasse in besagtem Abschnitt mit dem Individualverkehr teilen, was aufgrund der tiefen Geschwindigkeit zu gefährlichen Situationen führen könnte. Andererseits nehme die Bahn mit ihrer Breite von knapp zwei Metern zu viel Platz ein. «Unter diesen Voraussetzungen entschieden sich die Veranstalter, die Bahn lediglich auf jenem Teilstück der Isteinerstrasse verkehren zu lassen, die nicht als Allmend gilt und somit für den Betrieb der Bahn keine Bewilligung nötig ist», erklärt Andreas Knuchel, Mediensprecher Justiz- und Sicherheitsdepartement.

Die Bahn und der Mäss-Bus wurden in diesem Jahr eingesetzt, um die Halle 3 besser an die anderen Standorte anzubinden. Im vergangenen Jahr fand dort erstmals wieder eine Hallenmesse unter dem Motto «Super 80s» statt. Die Besucherzahlen waren nicht zufriedenstellend. Neue Messestandorte brauchen immer ihre Zeit, bis sie in den Köpfen verankert sind, sagen sich die Standbetreiber in der Halle – und das sagt auch Arni.

Gemischte Gefühle in der Halle

Noch ist es verfrüht, ein abschliessendes Fazit zu ziehen, ob sich die Situation in der Halle verbessert hat. Ein letztes Wochenende steht noch vor der Tür. Wochenenden laufen meistens sichtlich besser als die Wochentage.

Bei den Standbetreibern ist die Stimmung kurz vor Ende der Herbstmesse sehr gemischt – nicht alle sehen eine Verbesserung der Situation. Anna Bauer, Betreiberin des «Glücksbasars», ist aber zuversichtlich: «Die Halle wird sich in zwei Jahren schon bewähren.» Es seien vor allem die gemütlichen Besucher, die in die Halle kommen: viele Familien, ältere Leute und manchmal ganze Kindergärten. Beatrice Muri, Betreiberin der «Playball»-Bude, wurde angenehm überrascht: «Eigentlich habe ich mich auf weniger Besucher eingestellt.» Glück habe sie auch, dass ihr die Stammkunden von der Rosenthalanlage in die Halle gefolgt seien.

Hermann Häseli betreibt die Bahn «Telecombat», ein Geschäft aus den 60er-Jahren. «Die Fahrgeschäfte passen nicht zum Motto 80er-Jahre», sagt Häseli. «Es bräuchte Bahnen, die bei der Jugend etwas mehr ziehen.» Ginge es nach ihm, würde im nächsten Jahr wieder eine normale Hallenmesse ohne «irreführendes» Motto stattfinden. Man spüre aber durchaus Verbesserungen durch den Mäss-Bus und die Bahn bei der Anzahl der Besucher. «Wenn eine grosse Gruppe in die Halle kommt, merkt man, dass wieder ein Bus angekommen ist.»

Derzeit ist der «Hully Gully Surfdancer» kaputt. Die leblose Bahn am Eingang betrübt die Stimmung in der Halle zusätzlich.

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