Finance Mission Heroes
Ein Game, das vor Schulden schützen soll

Zukünftig wird in den Schulen das Videospiel «Finance Mission Heroes» eingesetzt. Dessen Ziel: die jugendlichen Gamer vor Verschuldung schützen.

Dominique Waldmann
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Jede 3. Person, die sich im Alter von 18 bis 25 Jahren erstmals verschuldet, hat auch 5 Jahre später noch Schulden. Das Game «Finance Mission Heroes» soll dem entgegenwirken. (Symbolbild).

Jede 3. Person, die sich im Alter von 18 bis 25 Jahren erstmals verschuldet, hat auch 5 Jahre später noch Schulden. Das Game «Finance Mission Heroes» soll dem entgegenwirken. (Symbolbild).

Peter Siegrist

Die bz hat sich eine Stunde Zeit genommen und gespielt. Das Szenario: Gefährliche Roboter stehlen Münzen! Im Zentrum steht der Kampf gegen die Roboter. Dafür braucht der Held eine Waffe, die er sich verdienen muss, in diesem Fall ein Verkehrsschild. Eine Art Rüstung, Capes und viele andere Gegenstände für den Kampf können erworben werden. Wie kommt aber der Held an Geld? Durch Zeiteinteilung. Der Gamende muss Zeit zum Lernen, für den Nebenjob und schliesslich fürs Kämpfen einteilen. Bessere Noten führen zu einem besseren Nebenjob, also zu einem höheren Lohn. Durch die Kämpfe verdient der Held aber wesentlich mehr. Zu Schluss wird der Tag mit einem Kontoauszug bilanziert. Ganz witzig. Leider gibt es keine Möglichkeit, sich neben Schule, Nebenjob und Kampf für Freunde oder Hobbies Zeit zu nehmen. Ein hartes Leben.

Das Game heisst «Finance Mission Heroes» und soll den Jugendlichen den Umgang mit Geld spielerisch beibringen. Als App kann es heruntergeladen oder online gespielt werden. Der Verein FinanceMission hat das Projekt ins Leben gerufen. Aus potenziellen Schuldnern würden vernünftige Kreditnehmer, sagt Beat Zemp, Präsident des Vereins. Die Zielgruppe ist die Sekundarstufe 1. Es handelt sich um ein nationales Projekt: Im Lehrplan 21, im «Plan d’études romand» und auch im «Piano die studio» ist das Spiel fest verankert.

Gestern wurde das Game zum Download freigegeben. «Natürlich ist das Spiel gratis, auch haben wir es werbefrei gestaltet. Es geht nicht um Kundenakkreditierung oder Werbeaktionen», versichert Zemp. Der Verband Schweizerischer Kantonalbanken unterstützt den Verein mit einem mittleren einstelligen Millionenbetrag.

Eine verschuldete Schweiz

Gemäss dem Bundesamt für Statistik leben 27 Prozent der 18- bis 24-Jährigen in einem Haushalt mit Zahlungsrückständen. Jede 3. Person, die sich im Alter von 18 bis 25 Jahren erstmals verschuldet, hat auch 5 Jahre später noch Schulden. Dazu meint Semp: «Fehlendes Finanzwissen erhöht die Verschuldungsgefahr!» Professor Martin Brown, Vorstandsmitglied Finance Mission, bestätigt dies. «Die grössten Wissenslücken haben Frauen, schlecht Ausgebildete, Wenigverdiener und Ausländer», zitiert er eine Studie seiner Universität St. Gallen.

Christoph Eymann, Vorsteher des Basler Erziehungsdepartements, nennt weitere Gründe für die Verschuldung: «Die intensive Werbung, Leasingmöglichkeiten, Kreditkarten und das Statussymbol unter jungen Erwachsenen stellen eine immense Verlockung dar.» Guy Lachappelle, CEO der Basler Kantonalbank, bringt es auf den Punkt: «Schulden sind keine Hasen. Sie sind eher wie Schnecken, die kleben bleiben und nur langsam fortkriechen.»

Bei der gestrigen Pressekonferenz ging aber eine Frage unter: Weshalb ist es den jungen Erwachsenen so leicht möglich, sich durch Kredite zu verschulden?

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