Baloise Session
Ein Feuerwerk der Emotionen: Unheilig an der Baloise Session

Elisa Schmidt und Unheilig hiess die Deutsche Paarung am gestrigen Konzert der Baloise Session. Während Schmidt mit Cabaret Noir Chic überzeugte, zündeten Unheilig ein Feuerwerk der Emotionen.

Tumasch Clalüna
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Der Graf, der Frontmann der Band Unheilig.

Der Graf, der Frontmann der Band Unheilig.

Keystone

Elisa Schmidt ist ein Phänomen. Seit sie kurz vor dem Abitur beschloss, die Schule zu schmeissen und Sängerin zu werden, geht ihre Karriere steil nach oben. Konzerte in renommierten Clubs, ein Titelsong für eine Tatort-Folge und zuletzt die Australien-Tour im Vorprogramm von Elton John.

Ihre Musik schwankt dabei zwischen den goldenen Zwanzigern, den groovigen Sechzigern und der poppigen Neuzeit, alles garniert mit einem Image der verruchten Cabaret Queen in schwarzem Kleidchen mit Spitzen. Das klingt über weite Strecken sehr überzeugend, obwohl einzelne Nummern ein Totalausfall sind, wie beispielsweise das unentschiedene «Black Roses».

Bei einem Cover von Macy Grey, «I try», zeigt sie deutlich, wo ihre Vorbilder zu Hause sind. Sie trifft den Tonfall fast perfekt, mitunter die überzeugendste Nummer des Abends. Der Rest der Songs ist sehr abwechslungsreich arrangiert, die Texte bedienen das Klischee der Black Romance und als Sängerin braucht sie sich nicht zu verstecken. Trotzdem reicht es fast nicht zu einer Zugabe, dafür war die Show doch zu verhalten.

Das pure Gegenteil mit den Aachenern Unheilig. Nach der Pause brennen Kerzen auf der Bühne, aus dem Off erklingt ein Countdown, mächtige Keyboard- und Gitarrenwände setzen ein, die Band kommt auf die Bühne und eine sonore Barritonstimme beginnt zu singen. Das ist der Graf, wie sich der Frontmann und Kopf der Band nennt.

Irgendwie erwartet man jetzt einen triumphalen Auftritt mit gemessenen Schritten, doch nichts da: Der Graf rennt erstmal quer über die Bühne, tanzt lustig hin und her. Das macht ihn sofort ungeheuer sympathisch, ein Gefühl, das den ganzen Abend lang nicht mehr verschwindet.

Die Musik ist dabei perfekt inszeniert, klingt satt und stellenweise sehr laut. Eine Mischung von sanftem Metal und düsterem Pop. Einmal erinnert es an Rammstein, einmal an die Toten Hosen der letzten Jahre, nur ohne Perversion und Revolution. Es sind die Texte. Da wimmelt es von Sternen, von Lichtern und Himmeln, dass einem das Schlagerherz aufgehen möchte. Einfache Sprachbilder zu Augenblicken, die grosse Emotionen wecken.

Das funktioniert: Auch die ältere Generation wippt freudig mit. Die jüngere steht längst in vorderster Reihe und jubelt dem Grafen frenetisch zu.

Solche Texte wirken nur dann nicht platt, wenn der Vortragende das, was er sagt, vollkommen ernst meint. Und das ist das Geheimnis. Man glaubt dem Grafen jedes einzelne Wort, auch seine Freude über den Applaus wirkt vollkommen echt.

Bei der Ankündigung hatte es geheissen, er freue sich darüber, dass seine Lieder sowohl an Geburtstagen, an Hochzeiten, aber auch an Beerdigungen gespielt werden. Das nimmt man ihm sofort ab. Diese Spannung von düsterer Musik, gefühlsschwangeren Texten und einem durch und durch sympathischen Frontmann bedeuten Erfolg.

Zwischendurch ein Ausflug in die Maschinenwelt mit «Eisenmann» und dann der beste Song des Abends, das Titelstück zur letzten CD «Lichter der Stadt», eine Hommage an die Freiheit und das Leisertreten.

Je länger das Konzert dauert, drängt sich die Frage auf, welche Gefühlsebene dieser konservative Pop Metal eigentlich berührt. Es sind Werte von Treue, Vertrauen, Liebe und Sehnsucht, die da vorgeführt werden und die Seele zum Schwingen bringen, zugleich erzeugt der Gesang in einem auch ein leichtes Gruseln.

Wie ein Prediger vor seiner Gemeinde. Damit sind wir wieder bei der schwarzen Romantik angelangt, die allerdings auf Deutsch irgendwie unheimlicher, unheiliger daherkommt, als auf englisch.

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