achletten
Ein Buch über das junge Traditionsquartier Bachletten

Zwischen Schützenmatte und Zolli erstreckt sich ein Wohnviertel voller Überraschungen: das Bachlettenquartier. In einem Buch haben die Bewohner ihre Klagen und Wünsche, Freude und Lieblingsorte und ihre Erfahrungen zusammengetragen.

Nicolas Drechsler
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Die Pauluskirche von der Markthalle her gesehen (ca. 1930–39).

Die Pauluskirche von der Markthalle her gesehen (ca. 1930–39).

Zur Verfügung gestellt

Es ist schon fast eine Liebeserklärung an das Bachletten-Quartier: das neu erschienene Buch, das unter dem trockenen Titel «Das Bachletten-Holbeinquartier in Basel» daherkommt. Doch es zeichnet ein buntes Bild der kurzen, nur 150-jährigen Geschichte des Lebens zwischen der Schützenmatte und dem Zolli, dem Steinenring und der Elsässerbahn.

Dabei profitiert es nicht nur von der guten Redaktion durch die Journalistin Suzanne Schwarzer, sondern auch von den Menschen des Quartiers. Denn unter ihnen sind viele, die es verstehen, gekonnt in die Tasten zu greifen: Historiker und Autor Georg Kreis lebt hier, genau so wie Autor -minu. Die Journalistin Michèle Binswanger lebt im Quartier und Zoodirektor Olivier Pagan leistet auch seinen Beitrag zum Buch, um nur ein paar wenige zu nennen. Die Geschichte, die sie erzählen, ist die eines – in historischen Zügen gesehen – jungen Quartiers.

Kurze, aber spannende Geschichte

Bis in die 1870er-Jahre war vom Bachlettenquartier nichts zu sehen. Ausserhalb des Mauerrings der Basler Wehranlagen erstreckten sich Wiesen und Felder. Im Schützenhaus übten die städtischen Mannen sich in der Waffenkunst, daneben wurden im Teuchelweiher Fische gezüchtet. Und durch die Auenwälder flossen der Birsig und der Dorenbach.

Doch innert der nächsten vierzig Jahre schoss hier ein Quartier aus dem Boden, an dessen Strassennamen noch immer abzulesen ist, auf welch idyllischem Grund es gebaut wurde: Die Austrasse erinnert an die Auen des Birsig, der Byfangweg an eingezäunte Weiden. Und der Name des Quartiers, «Bachletten» weist auf den lehmigen Untergrund der Bachbette hin.

Zentrales Gebäude des Quartiers ist die Pauluskirche, die 1898 von den Gebrüdern Stamm nach Plänen des Architekten Carl Moser errichtet wurde (Bilder links). Doch das Bachlettenbuch ist weit mehr als ein historischer Beschrieb der Entstehungsgeschichte eines neuen Quartiers. Es ist eine eigentliche Ode seiner Bewohner an ihre Heimat.

Jeder aus seiner Sicht

Maria d’Aujourd’hui, die ehemalige Präsidentin des Buchherausgebers, des Neutralen Quartiervereins Bachletten-Holbein, schildert die Entstehung des Quartiertreffpunkts QuBa: Wie die Bewohner des Quartiers einen Förderverein gründeten, rastlos Geld sammelten und schliesslich eine Liegenschaft kauften. In dieser sind heute unzählige Angebote und Veranstaltungen beheimatet.

-minu schreibt über seine Erinnerungen an den Hasenbrunnen und die Leckereien beim Quartierbeck «Bumann». Verleger und «Buch Basel»-Erfinder Matthyas Jenny sinniert über das tierische Innenleben seiner Buchhandlung.

Und sein Kulturpreisträger-Kollege, der Schlagzeuger Fritz Hauser, mag das Quartier, weil sich hier niemand über seinen lauten Beruf beklagt. Michèle Binswanger schätzt dagegen offenbar die Ruhe, sie fühlt sich im Bachlettenquartier ans ländliche Minnesota der 1880er-Jahre erinnert.

Die Geschichten seiner Bewohner zeichnen ein spannendes Bild des Quartiers, dessen Aussenwahrnehmung vor allem durch die vielen Jugendstilvillen geprägt wird, von denen heute viele Büros statt Wohnungen beherbergen.

Auf Quartiersafari

Mit fünf Rundgängen wollen die Autoren ihre Leser animieren, hinter die schmucken Fassaden zu blicken: Einkaufstipps und Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Cafés, Institutionen und Parks liegen entlang der vorgeschlagenen Routen. Und ein Blick durch eines der kunstvoll geschmiedeten Eisengatter, die die Strassen säumen, sei an dieser Stelle auch noch empfohlen. Denn hinter ihnen versteckt sich so mancher lauschige Innenhof.

«Das Bachletten-Holbein-Quartier in Basel». Herausgegeben vom NQVBH Aha-Fliegeverlag Basel 2013.