Fernsehen
Ein Besuch im rosa Wunderland des Mike Shiva

Mike Shiva macht seine neuen Produktionsräume in Basel der Öffentlichkeit zugänglich. Die Blicke ins Studio des zu 95 Prozent weiblichen Publikums, das sich im Alter stark ähnelt, wirken ergriffen.

Lucas Huber
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Mike Shiva begrüsst seine Fans

Mike Shiva begrüsst seine Fans

Juri Junkov

«Ist er das?» Die ältere Dame zeigt auf einen Mann mit Kopftuch, paillettenbestickter Jacke, Schuhe mit Klettverschluss und rosaroter Hose. «Ja», flüstert ihr die Freundin zu. Dann geht alles schnell. Hin zum Angeschwärmten, der es tatsächlich ist. Mike Shiva versteckt sich hinter einer Sonnenbrille. Die Damen schütteln seine Hand, verteilen unverhoffte Küsschen auf die geschminkten Wangen des Lächelnden. «Schön», sagt Shiva, «schön, seid ihr hier – und viel Spass.» Dann wird er schon von den nächsten Besuchern bestürmt, Handykameras werden in Position gebracht, Erinnerungsfotos geschossen, derweil sich die beiden Damen verlegen zuzwinkern und erleichtert seufzen.

Gestern Sonntag, kurz vor Mittag. Gerade haben die neuen Produktionsräume von Shiva TV an der Münchensteinerstrasse in Basel ihre Pforten geöffnet. Von hier aus wird die Beratung Trost- und Hoffnungsloser in den gesamten deutschsprachigen Raum übertragen. Eigentlich wurden die Räumlichkeiten schon im März bezogen, doch für die Öffentlichkeit ist das rosa Hellseher-Hauptquartier zum ersten Mal begehbar. Dementsprechend gross ist der Andrang – schon bald wird der Platz knapp.

95 Prozent weibliches Publikum

Begrüssung per Handschlag am Eingang von Shivas Helfern und Helfershelfern. Man sagt sich Du. Schön sei es, dass man da sei - «und geniess den Tag.» Fühlt man sich hier unter all den Lächelnden nicht willkommen, fühlt man sich nirgends willkommen.

Die Blicke ins Studio des zu 95 Prozent weiblichen Publikums, das sich im Alter stark ähnelt, wirken ergriffen. Die Berührung mit den Buddhafiguren, die auf strahlend rosafarbenen Beistelltischchen stehen, sind andächtig. Shiva schüttelt weiter Hände im Schatten eines überdimensionalen Plakats, auf dem sein Logo, ein angeknabbertes Herz, einen nicht vergessen lässt, wo man sich befindet: im Herzen einer fast religiösen Feierlichkeit.

Jeder streichelt jedem über die Schulter, während in der Ecke eine goldene Katze von Stapeln von rosa CDs, rosa DVDs und rosa Kartensets winkt. Es ist Merchandising-Material des bekanntesten Wahrsagers der Schweiz. Sein Unternehmergeist wird als vortrefflich beschrieben – gleichzeitig wirft man ihm aber Abzockerei von verzweifelten Menschen vor.

4.50 Franken pro Minute

Mike Shiva hetzt vorbei: «Viel Spass», ruft er noch. Dann verschwindet er hinter die Glastür ins Studio 1. Er nimmt einen Schluck aus der Tasse und richtet noch schnell das Weihnachtsbäumchen auf der Theke.

Die Besucher kleben an der Scheibe. Shiva pudert sich noch einmal ab, zieht die Kontur seiner Lippen passend zur Hose rosa nach, kämmt sich die Strähnen – und legt die Sonnenbrille weg. Dann lächelt Mike Shiva in die Stuben der Schweiz. Die erste Anruferin ist denn auch gleich in der Leitung. Shiva berät– und der Rubel rollt: 4.50 Franken pro Minute.

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