Rutschmadame

Drei Schmützli waren gestern

Symbolbild

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Geben Sie es zu! Sie hoffen auch, dass der Bundesrat die «Social Distancing»-Pflicht in der Verfassung verankert.

Oder sehnen Sie sich nach nassgeschwitzten Händen in ihrer eigenen, frisch gewaschenen Hand? Vermissen Sie die Brösmeli auf der Wange, nachdem Ihnen jemand drei Schmützli aufgedrückt hat? Fehlt es Ihnen, nach penetrantem After Shave zu stinken, weil Sie ein feiner Herr umarmt hat? Sie haben sich an ein «Hallo»-Winken in die kleine Runde gewöhnt, so, da bin ich, jetzt bringt mir was zu trinken. Früher mussten Sie eine Tournee um den Tisch machen, sich zu jedem Gast beugen, darauf achten, dass Ihre Handtasche den Tischnachbarn nicht erschlägt, und jeden einzelnen Menschen abknutschen. Erst dann kam das Bier. Und bei Meetings – eine Hand nach der anderen. Wer weiss, was die Hand kurz davor erlebt hat, es handelt sich immerhin um den am meisten exponierten Körperteil, eine Bauch-an-Bauch-Begrüssung wäre hygienischer, wenn auch nicht in jedem Fall ansehnlicher. Was tun? Zumal es ja hie und da auch Begegnungen gibt, die einen derart freuen, dass man das «Abstand halten» doch einfach am liebsten vergessen würde.

Das Drei-Schmützli-Ritual wünscht sich wahrscheinlich trotzdem niemand zurück – und doch werden wir, so bald wir wieder legal drauflos küssen dürfen, wohl alle brav die Wangen hinhalten. Und zwar einfach deshalb, weil wir keine Alternative haben. Oder etwa doch?

Die Alternative ist in Thailand zu finden. Dort begrüssen sich die Menschen, indem sie die Handflächen vor der Brust zusammenlegen. Der «Wai» dient nicht nur als Begrüssung, sondern zollt dem Gegenüber auch Respekt – was man von Brösmeli-Speichel nicht behaupten kann. Eignen wir uns also den Wai an. Alle, sofort. Die Geste ist virenresistent und elegant dazu. Sie wirkt höflicher als kumpelhafte Umarmungen und hat den Vorteil, dass sie auch im Sitzen, Gehen und beim Liegen ausgeführt werden kann. Was wollen wir mehr? Fangen wir jetzt gleich damit an, gewöhnen wir uns schnell an den neuen Gruss. Denn wer weiss, vielleicht verkündet Berset bald das Ende des «Social Distancing» – und erhöht damit die Gefahr, von billigem After Shave angesteckt zu werden. Und das will wirklich niemand. 

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