Herzlichen Glückwunsch
«Dr Karli kennt jede» – Für die bz hat die FCB-Legende sein Fotoarchiv geöffnet

Viele seiner Fans waren noch nicht geboren, als er seine Karriere als Fussballer beim FCB beendete. Trotzdem ist Karl Odermatt heute noch ein Star. Dafür gibt es mehr als einen Grund.

Martina Rutschmann und Jakob Weber
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Karli Odermatt, der Gesellige. In der «Kunsthalle» ist er genauso anzutreffen wie in anderen Beizen. Odermatt kocht aber auch selber gut und gern – dann allerdings daheim auf dem Land.
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Karli Odermatt
Karli Odermatt, der Familienmensch. Das Bild machte der damalige FCB-Hoffotograf an der Taufe von Odermatts Tochter.
Karli Odermatt (rechts), der Fussballgott. Ende der Sechzigerjahre waren er und Fritz Künzli vom FC Zürich die Topspieler.

Karli Odermatt, der Gesellige. In der «Kunsthalle» ist er genauso anzutreffen wie in anderen Beizen. Odermatt kocht aber auch selber gut und gern – dann allerdings daheim auf dem Land.

Kenneth Nars

Ein Foto dürfen wir nicht publizieren. Es zeigt Karl «Karli» Odermatt in der Garderobe, wie Gott ihn schuf. Gott tat das vor genau 75 Jahren. Am Sonntag wird gefeiert. «Ich fühle mich nicht alt, ich fühle mich jung», sagt Odermatt. Seit er neue Kniegelenke habe, könnte er wieder «schutten». Es scheitere nur am Willen, er wolle nicht mehr.

Seit 15 Jahren stand Karli nicht mehr in Shorts auf dem Feld, seit 1975 spielt er nicht mehr beim FCB. Trotzdem ist er noch ein Superstar. Fremde sprechen ihn auf der Strasse an, «das isch jo dr Karli!», 13-jährige Schüler verlangen Autogramme – Jugendliche, die selbst dann noch nicht geboren waren, als Massimo Ceccaroni, die andere FCB-Ikone, seine Spielerkarriere beendete.

«Burgener ist allen einen Schritt voraus» «Bernhard Burgener und ich sind seit 30 Jahren Freunde. Ich kenne keinen genialeren Mann als ihn. Bernhard ist allen Leuten gedanklich immer einen Schritt voraus. Wenn er Zeit hat, koche ich für ihn. Dann reden wir natürlich immer über den FC Basel. Dass er mir vertraut und ich für den FCB arbeiten darf, ist grossartig.»
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«Nur die Lieder sind andere» «Der Balkon ist zwar nicht mehr am Marktplatz, sondern auf dem Barfi. Ansonsten hat sich kaum etwas verändert. Die Euphorie ist gleich und es sind ähnlich viele Leute da. Nur die Lieder haben sich geändert. Zu meiner Zeit wurde ‹Karli none Goal› oder ‹Odermättli, Odermättli, schiess es Göli unters Lättli› und so gesungen.»
Historisch: Karl Odermatt trifft in Wembley für die Schweiz gegen England «Schweiz England in Wembley: Das war natürlich ein irrsinniger Match. Die Engländer gingen 1:0 in Führung und noch nie hatte ein Schweizer in England ein Tor gemacht, geschweige denn einen Punkt geholt. Ich hatte das Glück, aus 30 Metern schiessen zu dürfen, und der Ball ist dann zum 1:1 unter die Latte. Ein Sauhammer.»
Karl Odermatt verkaufte seinen eigenen Schuh «Schon während meiner Karriere habe ich bei Zimba-Sport als Verkäufer gearbeitet. Viele Leute kamen nur wegen mir in den Laden. Es gab einen speziellen Schuh: Den Karli-Odermatt-Schuh. Den wollten alle haben. Das war ein richtiger Kickschuh mit Zapfen. Den könnte man sicher auch heute noch an den Mann bringen.»
Karl Odermatt und seine Rolle beim Sitzstreik im Cupfinal 1967 «Das Double 1967 war mein grösster Erfolg. Der Sitzstreik im Cupfinal war einzigartig. Die Lausanner sind einfach abgesessen. Ich bin dann zu ihnen und habe gesagt, der Penalty ist doch noch gar nicht drin. Dann haben sie uns schiessen lassen. Als er verwandelt war, haben sie weiter gestreikt und wir haben 3:0-Forfait gewonnen.»
Wie sich Karl Odermatt bei YB durchgesetzt hat. «Mit 32 Jahren kam ich zu YB, also mit einem gewissen Alter. Anfangs dachten sie nicht, dass ich das kann. Aber schon nach einem Jahr war ich Kapitän. Wie ich das gemacht habe? Ich war der Erste im Training und der Letzte, der gegangen ist. So habe ich mich durchgesetzt. Kapitän an einem fremden Ort zu sein, heisst ja etwas.»

«Burgener ist allen einen Schritt voraus» «Bernhard Burgener und ich sind seit 30 Jahren Freunde. Ich kenne keinen genialeren Mann als ihn. Bernhard ist allen Leuten gedanklich immer einen Schritt voraus. Wenn er Zeit hat, koche ich für ihn. Dann reden wir natürlich immer über den FC Basel. Dass er mir vertraut und ich für den FCB arbeiten darf, ist grossartig.»

Keystone

Auch 40-jährige Fans haben keinen einzigen Match mit Karli am Ball erlebt. Trotzdem lieben ihn alle – bis heute. Warum eigentlich? «Weil er authentisch ist.» Egal, an wen diese Frage geht – die Antwort ist immer dieselbe. «Er nimmt jeden Menschen gleich, egal, ob er Novartis-Manager ist oder ein Fan aus der Kurve», sagt der Historiker Benedikt Pfister (39). Der Beizer der Fussballkulturbar Didi Offensiv bietet Fussballspaziergänge an. Das Restaurant «Holzschopf» ist Pfister ein Halt wert, obwohl es nichts mit Fussball zu tun hat. Aber Odermatt war dort einmal Pächter.

Zwei Tore nach drei wilden Tagen

Egal, wie gut sie waren – Fussballer mussten nebenbei einem anderen Job nachgehen. Am Anfang erhielt Odermatt beim FCB 190 Franken monatlich. Für einen Sieg gab es weitere 130 Franken. Er hätte es sich nicht leisten können, seinen Beruf als Offsetdrucker an den Nagel zu hängen. Trotz Doppelbelastung wurde der Mannschaft viel abverlangt.

Als Trainer Helmut Benthaus seinen Spieler Karli nach einer Fasnachtsnacht einmal früh morgens in der Stadt traf, riet er ihm, am Wochenende nicht zu spielen. «Dann dürfen sechs weitere Spieler ebenfalls nicht spielen», sagte Odermatt, «sie waren mit mir zusammen.» Am Wochenende schoss Odermatt gegen Lugano zwei Tore.

Der Fasnacht blieb er immer treu. «Der Erfolg hat mich nicht verändert. Ich bin mich geblieben, ich bin der Karli», sagt er. Seine Beliebtheit hänge auch mit seiner Treue zum FC Basel zusammen, glaubt er. Nach einem Ausflug zu den Berner Young Boys kam er später als Marketing-Mitarbeiter zurück. Seit einigen Monaten ist er einer von drei Verwaltungsräten der FC Basel Holding. In dieser Funktion entscheidet er über exorbitante Geldbeträge mit. Auch privat ist Odermatt kein armer Mann. Trotzdem weiss er, was Armut bedeutet.

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Schwelgen Sie mit Karli Odermatt in Erinnerungen. Hier erzählt Ihnen die FCB-Legende weitere Anekdoten aus seinem Leben.

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Als Karli 13 Jahre alt war, verliess der Vater die Familie. Zurück blieben die Mutter, Karlis Schwester und er selber. Sie lebten in einer Wohnung beim Bahnhof. Im Hinterhof war eine Glacéfabrikation einquartiert. «Meine Schwester und ich schauten den Männern so lange bei der Arbeit über die Schulter, bis sie uns einen Becher mit Glacé schenkten», erinnert er sich. Fleisch gab es bei den Odermatts höchstens ein Mal im Monat und dann meistens Poulet. Fisch als Nahrungsmittel kannte der kleine Karli nur aus Erzählungen.

Wenn er von der Schule heimkam, war niemand da. «Meine Mutter arbeitete, um uns durchzubringen», sagt er, «deshalb trug ich stets den Hausschlüssel um den Hals.» Den Vater sah er nach dessen Abgang nie wieder.

Ein Kostverächter war Karli nie. Da gab es einige Frauen, die schwach wurden in seiner Nähe. Doch gerade weil er ohne Vater aufwuchs, nahm er sich vor, selber ein guter Vater zu werden. Der Promi-Fotograf Edgar «Egge» Gilgen hatte Karli als Fussballer und Familienmensch vor der Linse. «Er kocht sehr gut, meine damalige Frau und ich waren oft bei ihm eingeladen», sagt Gilgen. Er war es auch, der den Schnappschuss in der Garderobe machte. Ausserdem verdiente er sich mit Fotos von Karli einen Batzen dazu, indem er einen Stapel beim Vorverkauf hinterlegte und fünf Franken pro Stück verlangte. Die Bilder dienten den Fans als Autogrammkarte. Sie wussten: Die Chance, Odermatt in der Stadt oder im Dancing «Hazyland» zu begegnen, ist gross.

Auf Karli folgten neue Helden

Wenn heute ein FCBler die Muba besucht, weiss die ganze Stadt Bescheid. Früher gingen die Spieler unbehelligt an die Degustation und das meist in corpore. Dort tranken sie mit normalen Leuten. Die Spieler kamen allesamt aus Basel, waren verwurzelt hier, sprachen Baseldeutsch. Das ist sicher auch ein Grund, weshalb Karli heute noch eine Ikone ist. Dass er einer von hier ist, «einer von uns». Jeder weiss, wie er seine Sprüche nehmen muss. Man duzt ihn. Er ist «fassbar», wie es Benedikt Pfister formuliert.

Karli selber sagt von sich: «Ich bin der FC Basel.» Pfister ist eher kritisch gegenüber dieser Aussage. Bis zur Ära Christian Gross sei das sicher so gewesen, dann aber seien mit Ceccaroni, Ergic oder Streller «neue Helden geboren».

Jede Stadt, jedes Land hat seine Helden. Italien hat den Ex-Fussballer Luigi «Gigi» Riva. Auf einem übergrossen Foto in einer Beiz im Piemont ist Riva mit einem anderen Fussballer zu sehen. Odermatt war mal Gast in dieser Beiz. Er rief den Chef zu sich und zeigte auf das Foto: «Der andere bin ich», sagt er. Der Chef flippte fast aus vor Freude.

In Basel muss Karli niemandem sagen, wer er ist. Und solange die Tramchauffeure bimmeln, wenn Karli übers Gleis geht, wird das auch so bleiben.

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