Glaibasler Charivari
Diesjähriges Charivari ist gelungen - aber weniger Gelächter wie 2015

Am Samstag war die Premiere des Glaibasler Charivari. Sofort nach der Veranstaltung begannen die Diskussionen: Das heurige Glaibasler Charivari war eine gelungene Veranstaltung, doch im Vorjahr war die Pointendichte grösser, das Gelächter lauter.

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«Schränz-Gritte» mit ihrer druckvollen Performance.
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Bachelor
Die «VKB Drummelgrubbe» gibt eine gute Visitenkarte ab.
«Schäärede Pfyffergrubbe» gefällt mit ihrer dreistimmigen «Triccolo Sonate».
Szene mit dem "Guggetussi"

«Schränz-Gritte» mit ihrer druckvollen Performance.

bz

Die Laune bei den Leuten ist hervorragend, die Vorfreude auf die Premiere gross. Mehrere Minuten vor Beginn des Programms sind am Samstagabend alle Tische im Volkshaus besetzt.

Die Erwartungshaltung ist hoch, schliesslich haben fast alle der über 500 Besucherinnen und Besucher das Charivari 2015 noch in bester Erinnerung. Kein Wunder, gilt der letzte Jahrgang als einer der besten in der Geschichte der beliebten Kleinbasler Vorfasnachtsveranstaltung.

Über zweieinhalb Stunden später verabschiedet sich das Schauspiele-Ensemble um Regisseurin Colette Studer unter grossem und verdientem Applaus von der Bühne.

Umgehend gehen die Diskussionen an den Tischen los, der Grundtenor lautet: Das heurige Glaibasler Charivari war eine gelungene Veranstaltung, doch im Vorjahr war die Pointendichte grösser, das Gelächter lauter.

Vor allem zu Beginn braucht die Veranstaltung ein wenig, um in die Gänge zu kommen. Nach dem bekannten Charivari-Märschli ist es zunächst die Form und nicht der Inhalt, die beeindruckt.

Das Bühnenbild in Form eines riesigen Setzkastens ist hervorragend gestaltet. Die Schauspieler, die teilweise mit ihren eigenen «Gedanken» in Form von aus dem Off eingespielten Stimmen interagieren müssen, sind sofort auf der Höhe ihrer anspruchsvollen Aufgaben, welche die zahlreichen «Raamestiggli» an sie stellen.

Schnitzelbänggler überzeugten

Zu den Höhepunkten gehören wie zumeist am Charivari die Schnitzelbängg. «D Wanderratte» beweisen beispielsweise, dass sie nicht nur spitze Nasen, sondern auch spitze Zungen haben.

Ueli Maurer, Sepp Blatter und besonders Roger Köppel müssen einiges einstecken – sehr zur Freude des Publikums.

«D Gwäägi» sorgen ebenfalls für grosses Gelächter – vor allem ihre Sparvorschläge an SRF-Generaldirektor Roger de Weck sind echte Brüller: Das Lauberhorn-Rennen könne ja fortan auf dem Gempen stattfinden, der «Bachelor» seine Frau nächstes Mal im Klingeli suchen, und «Bauer sucht Frau» wäre genauso mit einem Schaf möglich.

Dass die letztgenannten Sendungen gar nicht zum SRF-Programm gehören, tut dem Ganzen selbstverständlich keinen Abbruch.

Ungewöhnliche Fasnachtssicht

Weitere Highlights sind «dr Helgebueb», der (s)eine ungewöhnliche Sicht der Fasnacht präsentiert, und die «Charivari-News», bei denen «Tele Charivari»-Nachrichtensprecherin Studer von einem Kollegen assistiert wird, der die Meldungen in Sprachen übersetzt, «die im Kleinbasel üblich sind».

Die von Ayhan Sahin gespielte Figur hat zwar einen Nachnamen, der ohne Vokale auszukommen scheint, ist aber dermassen «sprachgewandt», dass der Beifall nie lauter wird als nach diesem kurz vor der Pause aufgeführten Rahmenstück.

Die musikalischen Darbietungen sind ebenfalls durchgehend auf einem sehr hohen Niveau. Die «VKB Drummelgrubbe» mit ihren Märschen «Neyi Glaibasler» und «Liberty Bell» gefällt ebenso wie die «Schäärede Pfyffergrubbe» mit ihrer dreistimmigen «Triccolo Sonate».

Die druckvolle Performance der Männer-Gugge «Schränz-Gritte» bringt derweil wohl so manchen im Publikum dazu, im Geist den Countdown zu den «drey scheenschte Dääg» zu starten.

Der Abend endet auch mit einer stark musikalischen Note. Ein als alte Sennen verkleidetes Top-Secret-Quartett lässt Trommelkunst mit Slapstick verschmelzen, ehe sich das Schauspiel-Ensemble im Epilog «Charivari»-singend (zur Melodie von «Glory! Glory! Hallelujah!») verabschiedet. Der Ohrwurm verfolgt die Besucher noch eine ganze Weile.

Wie fest sich das diesjährige Glaibasler Charivari in den Köpfen der Leute verankert hat, wird die Zeit zeigen. Doch spätestens wenn Anfang 2017 die nächste Ausgabe auf dem Programm steht, dürfte es als (hohe) Messlatte dienen.

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