Coronavirus

Diese plötzliche Stille am Himmel! Ein Leben ohne Fluglärm in Basel

Der Flughafen steht still. Wegen der Coronakrise hat um den Euro-Airport der Fluglärm stark abgenommen. Doch viele Cargo-Flüge verkehren immer noch nachts.

Wo sich sonst Dutzende Flüge aneinanderreihen, sind zurzeit fast nur rot leuchtende «Annulliert»-Meldungen zu sehen: Der Abflugplan am Euro-Airport hat sich in den vergangenen Tagen dramatisch verändert. Die wenigen grünen Punkte, die gestartete Flüge symbolisieren, gehören zu FedEx-, DHL- oder anderen Cargoflügen. Der Euro-Airport steht weitgehend still. Ist Stille auch das, was die Fluglärm-Gegner in Allschwil und Binningen nun endlich geniessen können?

Noch nie eine solche Stille erlebt

«Die Ruhe ist ein Segen», sagt SP-Landrat Andreas Bammatter. Er wohnt seit seiner Kindheit in Allschwil, eine Situation wie die aktuelle habe er jedoch noch nie erlebt. «Als ich jung war, waren es weniger Flugzeuge, dafür waren sie lauter», sagt er. «Später kam dann der permanente Lärmteppich.» Dieser sei nun plötzlich verschwunden. Aus der Nachbarschaft habe er von vielen Leuten gehört, dass sie deshalb besser schlafen – auch er selber habe einen ruhigeren Schlaf. «Und guter Schlaf ist ein Geschenk», fügt Bammatter an.

Auch die Frachtflüge würden ihn nun weniger stören: Da sie wegen der fehlenden Passagierflugzeuge nicht auf einen Landeplatz warten müssen, kreisen sie nicht mehr über dem Flughafen.

Nun erhofft sich der Allschwiler, dass die Krise nachhaltige Auswirkungen auf die Fluglärm-Diskussion haben wird. «Beim Flughafen wird kein Umdenken stattfinden – die wollen natürlich das Geld wieder reinholen, das jetzt verloren gegangen ist», sagt er. Aber die Bevölkerung werde sich damit mehr auseinandersetzen, ist er sich sicher. «Das wird sicher noch zu politischen Diskussionen über Ruhe- und Arbeitsperioden führen», prognostiziert Bammatter.

Es ist ruhig – doch nicht alle freuen sich darüber

Die Stille ist auch Rahel Bänziger, Grünen-Landrätin und Präsidentin des Schutzverbands der Bevölkerung um den Flughafen, aufgefallen. «Es ist momentan sehr ruhig», sagt sie. «Es fliegt nur ab und zu ein Frachtflugzeug vorbei, wegen der Bise landen diese häufig von Süden.»

Geniessen kann die Binningerin die aktuelle Stille trotzdem nicht: «Ich könnte mich über die Ruhe freuen, wäre der Grund dafür ein anderer», sagt sie. Doch der Hintergrund, weshalb es plötzlich so leise geworden ist, sei ein trauriger. «Die Situation ist sehr herausfordernd, man ist immer angespannt», sagt Bänziger. Das allgemeine Wohlbefinden habe sich deshalb auch durch den schwächeren Fluglärm in Binningen nicht verändert.

Bänziger erhofft sich trotzdem, dass man auch im Umgang mit Fluglärm etwas aus der Krise lernen könne. «Wenn der Flughafen dann wieder hochgefahren wird, müsste man sich fragen, was tatsächlich nötig ist und was man aus Rücksicht auf die Bevölkerung ändern könnte», sagt Bänziger. Sie denkt dabei beispielsweise an die Verlängerung des Nachtflugverbots von 23 bis 6 Uhr: «Es wurde immer gesagt, das ginge auf keinen Fall. Aber vielleicht sehen wir nach dieser Krise, dass es doch möglich ist.»

Cargo-Flüge trotzdem nach 23 Uhr

Dass es rund um den Flughafen viel leiser geworden ist, bestätigt auch Felix Keller, CVP-Landrat aus Allschwil. Vergangene Woche habe man bereits eine Abnahme des Fluglärms bemerkt. «Aber diese Woche waren es nochmals markant weniger Flugzeuge», erzählt er. Doch auch für ihn ist die Situation nicht nur positiv: «Gestern Abend zwischen 23 und 24 Uhr sind drei Frachtflugzeuge nacheinander gestartet», erzählt er. «Ausgerechnet dann, wenn man versucht einzuschlafen.»

Bammatter ist der Meinung, Frachtflugzeuge könnten momentan auch früher starten, weil der Passagierverkehr so stark abgenommen hat. Ein Blick in den Flugplan des EuroAirports zeigt jedoch, dass das – jedenfalls in den kommenden Tagen – nicht der Fall sein wird. Heute Abend beispielsweise dürften Allschwiler beim Einschlafen wieder von diversen Cargoflügen gestört werden: Ab 23 Uhr sind drei Starts geplant.

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