Wirtschaft

«Diese Krise wirkt sich bis 2022 aus»: Basler Tourismus-Direktor Daniel Egloff über Corona und Kündigungen

Der Basler Tourismusdirektor Daniel Egloff geht davon aus, dass nach der Coronakrise der Geschäftstourismus bald wieder anziehen wird.

Der Basler Tourismusdirektor Daniel Egloff geht davon aus, dass nach der Coronakrise der Geschäftstourismus bald wieder anziehen wird.

Ausgestanden ist noch gar nichts. Der Tourismus wird von der Coronakrise durchgeschüttelt, der Basler Tourismus-Direktor Daniel Egloff geht davon aus, dass die Auswirkung noch ganze zwei Jahre zu spüren sein werden. Basel will danach vor allem wieder von Kongressen profitieren.

Herr Egloff, die Coronakrise trifft die Tourismusbranche mit voller Wucht. Wie sieht die Lage bei Basel Tourismus aus?

Daniel Egloff: Die Umsatzeinbrüche sind für uns als privater Verein tatsächlich gross, vor allem bei den Übernachtungstaxen. Ebenso stark betroffen sind aber auch Bereiche, in denen wir selbst tätig sind, also Stadtführungen, Souvenirverkauf, Hotelkommissionsgeschäfte und Kongressdienstleistungen – das findet zurzeit kaum bis gar nicht statt. Unsere Neubudgetierung fürs 2020 geht noch von einem Ertrag von 9 statt 12 Millionen Franken aus.

Ein Viertel weniger also. Sie haben auf Kurzarbeit umgestellt, es kam auch zu einer Kündigung.

Ja, wir mussten im Bereich Marketing eine Kündigung vornehmen. Das fiel uns schwer. Wir haben einige gute Jahre hinter uns, konnten Reserven und Rückstellungen aufbauen. Aber in den Bereichen Marketing und bei den Personalkosten waren Anpassungen unumgänglich. Sämtliche Mitarbeiter von Basel Tourismus befinden sich bis auf Weiteres auf Kurzarbeit, zu unterschiedlichen Prozentzahlen.

Gab es keinen anderen Weg?

Die Coronakrise wird uns nachhaltig treffen. Sie ist nicht nach drei Monaten vorbei, die Auswirkungen werden bis 2021 stark spürbar sein und bis ins 2022 anhalten. Wir müssen uns also auch strukturell Gedanken machen. Wir können nicht mit deutlich weniger Marketingbudget und gleichbleibendem Personalbestand weitermachen. Das macht betriebswirtschaftlich keinen Sinn. Das verbleibende Marketing-Team ist nun direkt dem Bereichsleiter unterstellt.

Behalten Sie sich vor, weitere personelle Massnahmen zu treffen?

Stand heute glauben wir, dass wir so über die Runden kommen. Dazu kommt ein Einstellungsstopp wir haben drei Vakanzen nicht mehr besetzt. Es ist aber auch so, dass wir in dieser ausserordentlichen Lage nicht voraussagen können, was passieren wird. Wie reagieren ausländische Märkte, wer beginnt wann zu reisen, wann sind Kongresse und Events wieder möglich? Das sind alles offene Fragen.

Dennoch: Sie müssen ja verschiedene Szenarien durchrechnen. Mit welchem Ausblick rechnen Sie noch fürs 2020?

Wir gehen schon 2020 mit einem Einbruch von rund 50 Prozent bei den Übernachtungszahlen aus – sofern sich die Lage im zweiten Halbjahr stabilisiert. Ansonsten wird der Einbruch deutlich grösser.

Und für die Jahre danach?

Wir gehen davon aus, dass sich der Geschäftstourismus in den kommenden zwei Jahren stabil entwickeln wird, natürlich unter Voraussetzung der Sicherheitsmassnahmen. Im Bereich Kongresse hängt die Lage stark davon ab, ab wann Anlässe wieder stattfinden. Zurzeit beobachten wir dass viele Geschäfte ins 2021 verschoben werden, wie etwa das Eidgenössische Jodlerfest oder diverse grosse Kongresse.

Wenig erfreulich ist auch der Niedergang der Baselworld. Hat das einst wertvolle Messegeschäft in Basel noch eine Zukunft?

Ja. In Sachen Baselworld hoffen wir nun auf eine gute Lösung seitens MCH Group und darauf, dass die bewährten anderen Messegefässe weiterhin gut laufen werden. Generell erwarten wir aber eher, dass mittel- bis langfristig gerade im Bereich Convention und Kongresse das Potenzial weiter wächst.

Inwiefern?

Die MCH Group wird der Kongress-Tätigkeit sicher stärkere Beachtung schenken. Wir verfügen ja über eine gute Infrastruktur unter anderem mit der Eventhalle, wo die Baloise Session stattfindet. Wichtig für Basel sind internationale, mehrtägige Anlässe. Wir erwägen daher auch, eigene Kongresse ins Leben zu rufen, zum Beispiel im Bereich Architektur. Hier hat Basel sehr viele Standortvorteile zu bieten. Ebenso wichtig ist natürlich der Bereich Pharma und Life Sciences.

Bleibt noch der angeschlagene Freizeittourismus…

Eine Prognose für 2021 zu stellen ist schwierig, es ist aber mit einem Minus 10 bis 20 Prozent im Vergleich zum Spitzenjahr 2019 zu rechnen. Für 2022 hoffen wir auf langsame Stabilisierung der Lage. Der Freizeittourismus wird für Basel auch in Zukunft immer wichtiger. Wann genau, hängt aber von der Verunsicherung der Reisenden ab. Die Schlüsselfrage hierfür bleibt: Wann wird ein Impfstoff bereit sein?

Angesichts des Inland-Tourismus-Jahres 2020: Wie stark ist die Konkurrenz unter den Tourismusregionen in der Schweiz?

Die Schweiz ist tatsächlich von überschaubarer Grösse. Wir stehen zurzeit mit der Vereinigung der Regionaldirektoren in engem Austausch mit Schweiz Tourismus. Es macht keinen Sinn, wenn jede Tourismusregion auf eigene Faust um Reisenden wirbt, insbesondere angesichts der stark reduzierten Marketingbudgets. Entsprechend laufen Bestrebungen auf Bundesebene, dass die Regionen basierend auf den Zahlen von 2019 mit Budgets alimentiert werden. Das würde der Koordination enorm helfen.

Droht Basel angesichts der Inlandkonkurrenz mit den See- und Bergregionen nicht abgehängt zu werden?

Nein, wir haben sogar sehr gute Karten. Das wird auch nach der Corona-Zeit so bleiben. Basel bietet mit seinen Museen, seinem kulturellen Angebot und Charme enorm viel Inspiration – das wird ein grosses Bedürfnis sein, wenn Corona vorüber ist. Dann stellt sich für viele durchaus die Frage: Wollen wir wirklich Weltmetropolen mit Millionen von Menschen besuchen oder nicht lieber Städte wie Basel, die viel weniger dicht bevölkert sind und nun erst recht zur Geltung kommen?

Welche Zielgruppe soll diese Frage mit Ja beantworten?

Wir sind seit anderthalb Jahren daran, das Erscheinungsbild und die Zielgruppenstrategie von Basel Tourismus zu überarbeiten. Der Trend geht in Richtung einer jüngeren Zielgruppe, so genannte Millenials ab 35 Jahren. Diese Stossrichtung passt für uns mehr denn je. Die bisherigen Analysen ausgehend von der aktuellen Krisenzeit zeigen, dass wir damit auf dem richtigen Weg sind.

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