Basel im Gespräch
Die Runde war sich einig: «Wehret den Anfängen!»

Die dritte Talk-Runde in der Offenen Kirche Elisabethen drehte sich um den Therwiler Handschlag und die Grundsatzfrage: Welche Werte hat unsere Gesellschaft eigentlich?

Andreas Fahrländer
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«Basel im Gespräch» fand am Mittwoch zum dritten Mal in der Elisabethen-Kirche statt. (Archiv)

«Basel im Gespräch» fand am Mittwoch zum dritten Mal in der Elisabethen-Kirche statt. (Archiv)

Kenneth Nars

Wegen des ersten heissen Sommertags und des Fussballspiels Island-Österreich fanden am Mittwoch nur ein paar Dutzend Zuhörer den Weg in die Elisabethenkirche. Dabei ging es in der dritten Runde der Reihe «Basel im Gespräch» um ein Thema, dass zuvor so kontrovers wie kaum eines in diesem Jahr diskutiert wurde: «Handschlag. Und jetzt?»

Immerhin war es in der Elisabethenkirche angenehm kühl und die Glasfenster im Chor leuchteten in den schönsten Farben. Moderator Frank Lorenz, Pfarrer an der Offenen Kirche, fragte zum Auftakt, ob es bei dieser Geschichte «nur um zwei Saugoofen» ginge, die rebellieren wollten, oder wofür die Debatte um den verweigerten Handschlag in Therwil eigentlich stehe?

Von den Medien aufgebauscht?

Mit ihm diskutierten Jean-Michel Héritier, der seit 26 Jahren als Lehrer im Kleinbasel arbeitet und dort Kinder aus zahlreichen Nationen erzieht; Daniel Ordas, Basler Jurist mit spanischen Wurzeln; der pensionierte Kriminalkommissär Markus Melzl sowie Georg Pfleiderer, Professor für Systematische Theologie und Ethik an der Uni Basel.

In der innersten Runde stand zudem wie immer ein freier Stuhl für gesprächsfreudige Gäste zur Verfügung. Héritier war der Meinung, dass der Fall von den Medien hochgeschaukelt und aufgebauscht worden sei. Diese Ansicht unterstützten viele Stimmen aus dem Publikum. Melzl erzählte von Erlebnissen aus seiner langjährigen Polizeikarriere. Mangelnder Respekt sei auch im Polizeialltag durchaus normal geworden. Er bemerkte ausserdem, dass man unterscheiden müsse zwischen respektlosen Debatten in den sozialen Medien und Diskussionen, die geführt werden müssten wegen echter Ängste in der Bevölkerung.

Importierte Ängste

Ordas fügte an, dass wir viele Ängste «aus London, Paris oder Brüssel importieren» würden und dass man diese nicht in den hiesigen Medien aufblasen solle. Die Kritik an den Medien war gross – dennoch bewegt das Thema offensichtlich immer noch stark. Im innersten Kreis diskutierten fünf Männer, die eingeladenen Frauen hatten alle abgesagt. Umso mehr weibliche Wortmeldungen kamen aus dem Publikum. Die angeregte Diskussion zeigte, dass die Frage nach «unseren» kulturellen Werten zwischen Christentum, Islam und Säkularisierung nur sehr schwierig zu beantworten ist. Eine Frau warnte davor, dass man plötzlich dastehe und sich frage: «Oh Gott, was sind eigentlich unsere Werte?

Melzl fügte an, dass gerade Jugendliche oft zwischen zwei Welten hin- und hergerissen seien. Am Ende war man sich einig, dass eine möglichst gute Integration, Aufklärung und Bildung allen Beteiligten dienen würden. Ein «Wehret den Anfängen!» – im positiven Sinne – wurde gefordert. Mit einem Blick in die Zukunft wünschte sich Georg Pfleiderer mehr gegenseitiges Verständnis und Toleranz: «Wir sollten möglichst pragmatisch und möglichst wenig hysterisch weitermachen. Wir sollten öfter nach guten Beispielen suchen, statt nach schlechten.»

«Basel im Gespräch» wird präsentiert von der bz. Der nächste Talk findet am 3. September zum Thema «Verantwortung, Zivil, Dienst» in der Offenen Kirche Elisabethen statt.

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