Sesselrücken
Die Region Basel verliert einen gewichtigen Fürsprecher

Der bürgerliche elsässische Politiker Philippe Richert tritt von seinem Amt als Präsident der Grossregion Grand Est zurück. Er hat sich stark im Steuerstreit um den Euro-Airport und auch für den Bahnanschluss des Flughafens engagiert.

Peter Schenk
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Philippe Richert.

Philippe Richert.

zvg

Ob es um den Steuerstreit in Bezug auf den Euro-Airport (EAP), den Bahnanschluss des Flughafens oder die Zweisprachigkeit ging, der elsässische bürgerliche Politiker Philippe Richert (64) engagierte sich mit Nachdruck für die grenzübergreifende Kooperation. Die Region Basel hatte in ihm, auch und gerade nach der Fusion des Elsass mit Lothringen und der Champagne-Ardenne zur Grossregion Grand Est, einen gewichtigen Fürsprecher.

Vor wenigen Tagen ist der elsässische Vollblutpolitiker von sämtlichen politischen Mandaten zurückgetreten. Richert hatte erheblichen Anteil daran, dass es dem rechtspopulistischen Front National Ende 2015 nicht gelungen war, die Regionalwahlen zu gewinnen. Mit 104 von 169 Mandaten errangen die Bürgerlichen im Parlament eine klare Mehrheit und wählten Richert zum Präsidenten der neuen Grossregion.

Anfangs gegen die Fusion

Ab 2012 war Richert bereits Präsident der Region Elsass gewesen. Insgesamt war er 32 Jahre politisch aktiv. Richert hatte sich bis zum Schluss gegen die Gebietsreform gewehrt und verwies in seiner Abschiedsrede darauf, dass er in Strassburg eine Demonstration gegen die Abschaffung der Region Elsass mit organisiert hat. Er zeigte sich im Nachhinein enttäuscht, dass damals nur 10 000 Elsässer daran teilnahmen.

Viele elsässische Politiker nahmen es Richert übel, dass er eine zentrale politische Funktion in der neuen Grossregion übernahm. Bei einer Umfrage des regionalen Radiosenders «France Bleu Alsace» sprachen sich 84 Prozent der Befragten dafür aus, dass das Elsass den Grand Est wieder verlässt.

Das Mandat als Präsident wäre normalerweise bis 2021 gelaufen. Richerts vorzeitiger Rücktritt dürfte auch auf die permanente Kritik an ihm zurückzuführen sein. Als möglicher Nachfolger hat sich schon seit längerem Jean Rottner ins Spiel gebracht. Der bürgerliche Politiker ist Maire von Mulhouse und wurde von der Mehrheitsfraktion des Parlaments einstimmig als Nachfolger nominiert. Die Wahl soll am 20. Oktober stattfinden. Sie gilt als sicher. Als Präsident der Region müsste Rottner sein Amt als Maire niederlegen.