Orchesterförderung

Die kleinen Basler Orchester fordern mehr Subventionen

Die knapp fünf Millionen Franken Subventionen müssen für das Kammerorchester und drei weitere Ensembles reichen. (Archivbild)

Die knapp fünf Millionen Franken Subventionen müssen für das Kammerorchester und drei weitere Ensembles reichen. (Archivbild)

Es reicht nicht mehr, Berufsmusiker im Orchester zu sein. Oft müssen die Musiker nebenbei Musikunterricht geben, um finanziell über die Runden zu kommen. Dies und weitere Gründe lassen das Niveau der kleinen Orchester sinken.

Die Ansprüche sind hoch. Das Basler Präsidialdepartement fordert in seinem Kulturleitbild, dass die Wahrnehmung der Musikstadt Basel international weiter erhöht wird. «Das ist ein Widerspruch», sagt Marcel Falk, Direktor des Kammerorchesters. Denn mit dem jüngsten Entscheid zur Orchesterförderung werde deutlich, dass gerade die kleineren Ensembles auch künftig eher ums finanzielle Überleben kämpfen müssten als ums internationale Renommee.

Der Ratschlag zur Orchesterförderung in den nächsten dreieinhalb Jahren sieht vor, dass künftig für die vier Ensembles Kammerorchester, Sinfonietta, La Cetra Barockorchester sowie das Ensemble Phoenix insgesamt knapp fünf Millionen Franken zur Verfügung steht. Damit gibts nur unwesentlich mehr Geld als bisher. Die Subventionen werden jährlich insgesamt um 167'000 Franken erhöht – Geld, das auf alle vier Orchester aufgeteilt werden muss. Somit wird die Zweiklassengesellschaft zementiert: Am Fördertopf des Staats hängt das Basler Sinfonieorchester mit jährlich 13 Millionen Franken. Das Nachsehen haben die kleineren Gruppen.

Geringer Lohn lässt Niveau sinken

Reich werden die meisten Berufsmusiker ohnehin nicht. Werden sie nach den Mindestlohnempfehlungen des Schweizerischen Musikerverbands (SMV) entlöhnt, kommen sie monatlich auf 3700 Franken – brutto. Noch weniger werden die meisten Musiker der kleineren Basler Ensembles verdienen. Falk spricht Klartext: «Mit diesen Subventionen können wir nur 80 bis 85 Prozent der Mindestlöhne bezahlen, die vom Schweizerischen Musikerverband empfohlen werden.» Unter dem Strich bleiben so rund 3000 Franken monatlich für die Berufsmusiker. Dies hat zur Folge, dass sie vermehrt anderen Engagements nachgehen und beispielsweise Musikunterricht geben müssen. Die Fluktuation steigt, das Niveau sinkt.

Ein Abbau des Angebots kommt aber für den Direktor des Kammerorchesters nicht infrage. «Wenn wir tatsächlich weiterhin wahrgenommen werden wollen als Institution, können wir nicht weniger als sechs Konzerte in Basel pro Jahr durchführen.» Gleiches fürchtet Felix Heri, Geschäftsführer der Sinfonietta. «Wenn wir lediglich vier Konzerte statt sechs durchführen können pro Jahr, dann leidet auch die Qualität». Er glaubt, dass eine stärkere Fluktuation der Musiker einsetzen würde. Die Löhne nicht zu erhöhen, hält er ebenfalls nicht für eine valable Alternative. «Wenn man die Musikstadt wie gefordert stärken will, dann muss man die Mindestlöhne zahlen können», sagt Heri.

600'000 Franken Subventionen fehlen

Die vier Orchester sind bei der parlamentarischen Bildungs- und Kulturkommission vorstellig geworden, welche demnächst den Ratschlag berät. In einem Mail heisst es unter anderem: «Wir sorgen uns um die Erhöhung der Musikerlöhne.» Die Erfolgschancen stehen nicht schlecht. Kommissionsmitglied Franziska Reinhard (SP) kann jedenfalls die Sorgen der Ensembles nachvollziehen. «Wenn die Subventionen jährlich um 167'000 Franken erhöht werden, dann fehlen immer noch 600'000 Franken.» Reinhard spricht auf die Berechnungen an, welche die Sinfonietta, das Ensemble Phoenix Basel, das Kammerorchester Basel und La Cetra Barockorchester im Frühling in einen Vorstoss verpackt hatten. Bei gleichbleibendem Angebot und einer Einhaltung der Mindestlöhne müsse mit diesem Mehrbetrag gerechnet werden. Reinhard jedenfalls wird versuchen, «eine Erhöhung der Programmförderung für die Orchester zu erreichen».

Ein Mitglied des Vereins Kammerorchester ist guter Hoffnung. Es gehe nicht nur um die Kulturförderung, sondern um ein soziales Anliegen. «Dass ausgerechnet die rot-grüne Regierung sich um Mindestlöhne schert, muss sie zuerst einmal erklären», sagt er.

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