Bird's Eye

Die Grossstadt als Paradies – und mittendrin «mar-eye-kuh vee-ning» (lokal als Mareike Wiening bekannt)

Mareike Wiening steht im Zentrum ihrer Band.

Mareike Wiening steht im Zentrum ihrer Band.

Mareike Wiening stellt mit ihrem New York Quintet das Album «Metropolis Paradise» im Bird’s Eye vor.

Wenn eine deutsche Musikerin bei einem amerikanischen Label unter Vertrag genommen wird, dann kann es vorkommen, dass ihr Name im Pressetext für Verwirrung sorgt. So ergeht es aktuell Mareike Wiening, die mit ihrem zweiten Longplayer bei Greenleaf Records untergekommen ist: Zur Sicherheit wird ihr Name für die englischsprachigen Radio-DJs, Veranstalter und Jazz-Fans in halb-phonetischer Schreibweise als «mar-eye-kuh vee-ning» umschrieben.

Zum Glück hat Wiening zumindest bei ihrer Musik keine Sprachbarrieren zu überwinden: Sechs Jahre lang hat die heute 32-Jährige in New York gelebt. 2012 kam sie für ihr Masterstudium nach Manhattan, erst im vergangenen Jahr hat sie sich wieder fürs Pendeln zwischen New York und Köln entschieden. Entsprechend wortlos versteht sie sich längst mit ihren vier amerikanischen Bandmitgliedern.

Kompositionen mit viel Platz fürs Zusammenspiel

Nachzuhören ist das auf «Metropolis Paradise», das Wiening mit ihren Begleitern im renommierten Systems Two Studio in Brooklyn eingespielt hat. Acht Kompositionen aus der Feder der Drummerin bieten viel Platz für musikalisches Zusammenspiel. Mit «Free Time» erschafft das Quintett eine einlullende Stimmung, in «2in1» treten die Solisten abwechselnd in den Scheinwerferkegel, und «For A Good Day» tänzelt als melodiöser Walzer daher. Erst bei «Misconception» hört man der Komposition an, dass sie auf einer rhythmischen Idee basiert: Wiening hatte das Stück als polyrhythmische Übung aus überlagerten Vierer- und Fünfergruppen begonnen und zum Lied weiterentwickelt.

Dass Wiening sich als Schlagzeugerin nicht in den Vordergrund drängt, muss man ihr hoch anrechnen. Selbst wenn die Erlangerin mit halb offenem Hi-Hat oder gecrashtem Becken die Grenze von Jazz- und Rockdrumming abschreitet, agiert sie stets songdienlich. Oft greift sie zu den Brushes, wie im vielleicht eine Spur zu flüchtigen «Viewpoints» oder in der zweiten Hälfte des gelungenen Titelstücks. «Relations» ist eines der schnelleren Swing-Stücke auf dem insgesamt ruhigen Album, bei dem insbesondere Gitarrist Alex Goodman brilliert.

Um ein Haar wären die Aufnahmen ins Wasser gefallen, weil sich der Pianist Glenn Zaleski eine Woche vor den Sessions den Ellbogen brach. Eine Verschiebung des Termins war nicht möglich, zumal Wiening die letzte Kundin des Studios war, ehe dieses seine Pforten für immer schloss. Also kam mit Dan Tepfer ein kurzfristiger Ersatz zum Einsatz, dem man seine kurze Vorbereitungszeit jedoch nicht anhört.
In Basel ist das Quintett aber wieder in der originalen Besetzung zu hören. Die zwei Konzerte im Bird’s Eye sind für Mareike Wiening und ihr New York Quintet der Auftakt zu einer Europa-Tournee mit rund 20 Konzerten – und hoffentlich möglichst leicht zu überwindenden Sprachbarrieren.

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