Messe
Die «Grande Dame» aller Messen – ein letztes Mal Muba

Bei der Muba-Dernière steht die Freude des Stammpublikums im Vordergrund. Die 103. und damit letzte Muba hat am Freitag in Basel eröffnet.

Chloé Oberholzer
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Dernière Muba
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Der Eröffnungstag sei der Anfang vom Ende, sagte Ulrich Vischer, Verwaltungsratspräsident der MCH Group, vor den geladenen Gästen.
Die Schweizer Mustermesse im Frühjahr 1917 als nationale Leistungsschau zu starten, habe Mut gebraucht.
Die oft auch als «Mutter aller Messen» bezeichnete Muba habe ihre Schuldigkeit jedoch getan, sagte Vischer weiter.
Bis zum 17. Februar soll der «Geist der Muba» jedoch nochmals aufleben.
Die Dernière zu organisieren war gemäss Nussbauer für das Team etwas Spezielles.
Es habe ein starkes Engagement gebraucht, damit die Muba überhaupt nochmals stattfinden könne.
Unklar sei etwa gewesen, ob die Aussteller mitmachen.
605 Aussteller – 16 weniger als 2018 – sind es geworden, die an der letzten Muba ihre Produkte und Dienstleistungen feilbieten.
Ein Anliegen sei es den Organisatoren zudem gewesen, dem Publikum das zu bieten, was es von einer Muba seit vielen Jahren erwarte.
Wie in historischen Zeiten, als die Messe gemäss eigenen Angaben über eine Million Besucherinnen und Besucher angelockt hatte, soll bei der letzten Ausgabe die ganze Familie an die Messe kommen können und dabei Spass haben.
Ein offizieller Muba-Schlussakt ist für den 17. Februar um 16.30 Uhr vorgesehen.

Dernière Muba

Keystone-SDA/Michael Wieland

Zum letzten Mal wurde es gestern durchtrennt, das weisse Eröffnungsband der Muba. Umrahmt von Damen in traditioneller Appenzeller Tracht kappten unter anderen die Basler Regierungsrats-Vizepräsidentin Eva Herzog, MCH-Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer und der Vorsteher des Bau- und Umweltdepartements Appenzell Innerrhoden Ruedi Ulmann den Lebensfaden der Basler Mustermesse.

Traditionell sind aber nicht nur die Appenzeller Trachten, sondern auch die Messe selbst – zumindest für die Besucher. An die Muba gehe man jedes Jahr, das sei einfach so, sagt die Mehrheit der befragten Messegänger. Dass die Mustermesse nun zum letzten Mal stattfindet, bedauern sie zwar, aber es sei ja auch nicht mehr wie früher.

Die Messe ist zum erlebnisreichen Ausflugsziel geworden. Ihren eigentlichen Verkaufszweck erfüllt sie schon lange nicht mehr. «Wenn der Kühlschrank kaputtgeht, wartet Familie Schweizer nicht mehr bis zur Muba, sondern beschafft sich direkt einen Neuen», sagte Vischer in seiner Eröffnungsrede. Mit einer Spur Nostalgie will das Muba-Team der Grande Dame der Schweizer Messen einen würdigen Abschied bereiten. Von Totengräberstimmung wollen die Veranstalter jedoch nichts wissen.

Aussteller machen wenig Umsatz

Für viele Aussteller lohnt sich die Präsenz an der Messe nicht mehr. Dies bestätigt auch Feldschlösschen-Sponsoring-Manager Claude Blatter. «Feldschlösschen ist seit Anbeginn der Mustermesse als Aussteller dabei. Dass diese Zeit nun ein Ende nimmt, ist sehr schade.» Zuletzt sei die Präsenz jedoch mehr zur Pflicht geworden, denn die Muba ist für den Bierhersteller mit nur 20 Kilometern Entfernung quasi ein Heimspiel. «Wir mussten uns stark dafür einsetzen, dass die Muba noch einmal stattfindet», sagt Messechef Daniel Nussbaumer. Die diesjährige Durchführung sei auf dem Spiel gestanden.

Die 103. Mustermesse steht ganz im Zeichen des Genusses, Nussbaumer hofft auf «viele tolle Begegnungen». So sind in diesem Jahr das Appenzell als Gastregion und Japan als Gastland dabei. Ein authentisches Erlebnis für die Besucher steht laut Nussbaumer beim breiten Kultur- und Gastronomieangebot im Vordergrund: von der üppigen Appenzeller Käsetheke bis hin zur japanischen Kalligrafistin.

Auch für musikalische Untermalung ist gesorgt. Jodelgesang macht Lust auf das Eidgenössische Jodlerfest, das 2020 in Basel stattfindet. Die Handelskammer bringt im Rahmen der Veranstaltung «Tun Basel» junge Leute mit diversen Berufen im Bereich der Wissenschaft in Kontakt. Beim «Hallegässle» verabschiedet sich am 16. Februar auch die Fasnacht von der Muba, wenn über 600 Fasnächtler durch die Halle ziehen. Anschliessend versprechen die Veranstalter eine rauschende Abschiedsparty am Feldschlösschenstand.

Eine Prognose zur diesjährigen Besucherzahl macht Daniel Nussbaumer keine. «Für uns steht die Freude unseres Stammpublikums im Vordergrund. Wir wollen den Besuchern etwas zurückgeben. Deshalb ist der Eintritt auch gratis», sagt der Muba-Chef. An Besuchern hat es der Messe jedoch nie gemangelt. Rund 124 000 Menschen wandelten 2018 durch die Hallen.

Dass die Basler Mustermesse 2019 zum letzten Mal stattfindet, hat andere Gründe. «Die Muba ist eine Influencerin, die aus der Zeit gefallen ist», sagte Ulrich Vischer. Sie habe ihre Schuldigkeit getan und nachhaltig gewirkt – auch über ihr Ende hinaus. Eine Mutter vieler Kinder, die teilweise erfolgreicher wurden, als sie selbst.

Ungewisse Zukunft

Nun gelte es, der Realität ins Auge zu sehen und einen Schlussstrich zu ziehen. Zumindest beim Projekt Muba. «Ich glaube nicht, dass sich die Leute irgendwann nicht mehr treffen wollen», meinte Eva Herzog.

Es müsse in Zukunft definitiv neue Angebote geben. Wie geht es also mit der Basler Messesituation weiter? In jüngster Vergangenheit sei innerhalb der MCH-Gruppe einiges passiert, sagt Daniel Nussbaumer. Ein neuer CEO und mehrere Initiativen aus dem fachspezifischen Bereich. Konkrete Aussagen könne man dazu noch keine machen. Eines stehe jedoch fest: «Eine neue Muba wird es nicht geben.»

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