Besinnliche Vorfreude
Die Götter sind besänftigt: Im Fasnachtshimmel rägnet’s Räppli

Der Fasnachtsgottesdienst in der Elisabethenkirche mischte buntes Treiben mit spirituellen Botschaften. Von Schnitzelbänggen, Reden, Gebeten, Fasnachtsmusik und einer speziellen Überraschung zum Schluss.

Tumasch Clalüna
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Gratwanderung zwischen Spass und Besinnlichkeit gemeistert: Fasnachtsgottesdienst in der Kirche Elisabethen.

Gratwanderung zwischen Spass und Besinnlichkeit gemeistert: Fasnachtsgottesdienst in der Kirche Elisabethen.

Kenneth Nars

«Willkomme im Fasnachtshimmel.» So beginnt am Sonntagmorgen eine der letzten Vorfasnachtsveranstaltungen: der Fasnachtsgottesdienst. Im Fasnachtshimmel sind alle gleich, es gibt nicht Tambouren, Pfyffer und Guggemusik, sondern nur Fasnächtler.

Auch herrscht das bedingungslose Grundeinkommen. Bezahlt wird in Räppli, 100 Räppli sind ein Fasnachtsbändeli; im Himmel liegt das Geld auf der Strasse. «Das tönt jo so, als ob im Fasnachtshimmel e neui Wältornig herrschti», heisst es zu Beginn des Rahmenstücks, und dass das der SVP wohl kaum gefallen dürfte.

Soweit der Rahmen des festlichen Aktes, der nur dadurch getrübt wurde, dass nicht wie üblich Jürg Jösslin das Rahmenstück an der Seite von Marinette Oeggerlin sprach, sondern Christoph Nidecker. Jösslin lag krank im Bett. Dann ging es aber gleich los mit der ersten Tranche Fasnachtsmusik. Vier Piccolos und zwei Trommeln genügten in dieser halligen Kirche. Mehr wäre den Ohren wohl zu viel gewesen.

Es folgte der erste von zwei Schnitzelbänggen. Die «Dootebainli» gehören fest zum Programm, allerdings vermochten sie das Publikum erst ab der Hälfte wirklich zu packen. Themen waren natürlich der Rücktritt von Carlo Conti, die NSA, der Gripenkauf, Masseneinwanderungsinitiative und die Quotenregelung.

Zwischentitel

Aber es ging ja nicht nur um Fasnacht, sondern auch um Glauben. Pfarrerin Monika Hungerbühler erzählte erst mal kurz die Baugeschichte der Kirche, die kurze Bauzeit von 7 Jahren und das soziale Engagement des Stifters Christoph Merian. In jedem von uns liege das Potenzial, dem anderen ein Stück Himmel aufzutun. Und auch unter den Religionen öffne sich der Himmel immer weiter. Schön und gegenwartsbezogen, doch nicht mit dem Biss ihres Vorgängers André Feuz, der sich dann am Ende noch per Videobotschaft aus Thailand meldete und zu Spenden für ein Schulprojekt aufrief.

Der zweite Bangg war «Schunggebegräbnis», und gewohnt treffsicher landeten die vier Schweinsköpfe eine Pointe nach der anderen. Seitenhiebe aufs Stadttheater, die fetten Basler Rekruten, Christoph Blocher und die BaZ; das Publikum antwortete mit tosendem Applaus. Wie in einer richtigen Liturgie wurde auch gemeinsam gesungen. Beispielsweise «Vergiss dyyni Sorge», das Jösslin auf die Melodie von «Down by the Riverside» geschrieben hat. Währenddessen wurde das Publikum von oben mit Räppli quasi gesegnet.

Auch eine Fürbitte fand ihren Platz. Für die Ukraine, für Syrien und alle Menschen, die alleine sind. In erster Linie aber für gutes Wetter während der Fasnacht. Selbst das «Vater Unser» durfte sich dem Geist der Fasnacht unterordnen und wurde zum «Vater, Mutter unser», getreu der neuen Quote. Und dann die grosse Überraschung: Durch den Mittelgang marschierten Mitglieder der Top Secret Drum School ein und zelebrierten eine ihrer legendären Shows. Die Leute tobten.

Humorvoll der Ausklang mit einer «Alperose»-Version, in der es nicht um Rosen, sondern um «Faschtewäie» ging, und der liturgische Auszug aller Beteiligten. Die Fasnacht kann kommen, die Götter sind besänftigt.

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