Glücksspiel

Die Furcht vor der Spielhölle an jeder Ecke: Spielautomaten kommen in Basler Beizen

Bei Spielautomaten sind Spass und Ernst nahe beieinander.

Bei Spielautomaten sind Spass und Ernst nahe beieinander.

Ein neues Gesetz erlaubt Geschicklichkeitsspiele in Basler Beizen – die Suchthilfe warnt potenziell spielsüchtige Menschen.

Das neue Glücksspielgesetz sieht vor, dass das Geldspiel schweizweit einheitlich geregelt wird. Damit kommt es zu einer Wiederauferstehung, die von Suchtexperten skeptisch beurteilt wird: Die Geschicklichkeits-Geldspielautomaten sind seit 1978 im Kanton Basel-Stadt verboten. Das eidgenössische Geldspielgesetz regelt die Geschicklichkeitsspiele nun einheitlich. Würde Basel-Stadt am Verbot festhalten, müsste beispielsweise auch der Online-Jass von Swisslos untersagt werden. Das sei «weder zielführend noch durchsetzbar», heisst es in einem Bericht der grossrätlichen Finanzkommission, der am Freitag publiziert wurde.

Trotzdem bestehe gegenüber der «Wiederzulassung von Geschicklichkeitsspielen eine gewisse Skepsis», heisst es im Bericht weiter. Es ist zweifellos die umstrittenste Änderung im neuen Gesetz. Dass nun jede Beiz Geldspiele anbieten kann, beunruhigt denn auch die Basler Suchthilfe. Die Geschäftsführerin Barbara Held sagt, dass Basel wahrscheinlich ein interessanter Markt für die Glücksspielanbieter werde. «Er ist dicht bevölkert und urban, das spricht schon dafür, dass sich die Automaten hier stark ausbreiten werden», sagt sie. Die Finanzkommission geht davon aus, dass das Geschäft mit solchen Glücksspielautomaten schweizweit interessanter wird, weil die Geräte gleichzeitig im ganzen Land legal werden. Und: Während für die Casinos strenge Auflagen in Bezug auf die Spielsüchtigen gelten, gibt es kaum Kontrollmechanismen für die Geldspiele in den Restaurants und Bars. Die Suchthilfe fürchtet deswegen, dass «potenziell spielsüchtige Menschen, die sich mit einer Casino-Sperre haben belegen lassen und sich in einer Behandlung befinden, in Restaurants wieder in Berührung mit solchen Automaten kommen.»

Kanton muss nach drei Jahren Bilanz ziehen

Immerhin: Die Legalisierung von Geschicklichkeits-Glücksspielen geht nicht ohne Vorgaben an die Betreiber einher. So müssen diese etwa Suchtkonzepte vorlegen, gut sichtbar einen Mindestalter-Hinweis am Automaten anbringen und das Gerät im Sichtfeld des Beizenbetreibers anbringen. Ob die soziale Kontrolle hingegen tatsächlich wirksam ist, bezweifelt Held. «Angenommen, es handelt sich beim Spielsüchtigen um einen guten Kunden, wird vielleicht der eine oder andere Beizer darüber hinwegsehen, dass er ein Suchtproblem hat», sagt die Geschäftsführerin der Basler Suchthilfe.

Ähnliche Bedenken hat Renanto Poespodihardjo von der Abteilung Verhaltenssüchte an den UPK Basel. Er sagt: «Die klinische Erfahrung zeigt: Wenn die Geldspielsüchtigen überall gesperrt sind, etwa im Casino oder im Internet, dann finden sie sich andere Wege, um an die Glücksspiele ranzukommen.»
Rund 40 Prozent der Klienten, die wegen Verhaltenssüchten zur Suchtberatung gehen, sind geldspielsüchtig. Die Zahl ist über die vergangenen Jahre konstant geblieben, sagt Held. Insgesamt nähmen aber nur 10 bis 15 Prozent Hilfe in Anspruch, sagt Poespodihardjo. Beide nehmen den Kanton nun in die Pflicht, genauer hinzuschauen. Nach drei oder vier Jahren müssse eine Zwischenbilanz gezogen und gehandelt werden.

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