Kunst
Die Fondation Beyeler setzt auf Blockbuster Paul Gauguin

Das Museum in Riehen zeigt ab Februar eine Ausstellung zu Paul Gauguin mit rund 50 Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen und rührt nun die Werbetrommel.

Simon Baur
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Eines der bedeutenden Spätwerke Paul Gauguins: Contes Barbares, 1902, Öl auf Leinwand, 131,5 x 90,5 cm. Das Gemälde ist im Besitz des Museums Folkwang in Essen.

Eines der bedeutenden Spätwerke Paul Gauguins: Contes Barbares, 1902, Öl auf Leinwand, 131,5 x 90,5 cm. Das Gemälde ist im Besitz des Museums Folkwang in Essen.

Paul Gauguin hat das Zeugs zum Starkünstler, wenn er das nicht längst schon ist. Und die Fondation Beyeler zeigt ab dem 8. Februar des kommenden Jahres die wohl wichtigste Ausstellung zu seinem Werk in den vergangenen fünfzig Jahren. Und die Fondation lässt sich dies einiges kosten, wie sie an der Pressekonferenz gestern bekannt gab.

Prägend für die Moderne

Neben Paul Cézanne, Claude Monet und Vincent van Gogh, ist Paul Gauguin der wichtigste Maler des späten 19. Jahrhunderts. Auf alle vier Künstler den Begriff Impressionismus anzuwenden, wäre irreführend, Paul Cézanne könnte man als Vorläufer des Kubismus und damit der Abstraktion, Vincent van Gogh und Paul Gauguin als Wegbereiter des Expressionismus und wiederum Gauguin allein als Symbolisten bezeichnen.

Paul Gauguin hat sich von den bürgerlichen Konventionen seiner Zeit abgewandt und ist auf seiner Suche nach der Ursprünglichkeit der menschlichen Seele einen radikalen Weg gegangen, der bis heute als vorbildlich gilt. Seine ersten Lebensjahre hat Paul Gauguin, der am 7. Juni 1848 in Paris geboren wurde, in Frankreich und Peru verbracht. Nach dem Besuch des Lyzeums heuert er als Schiffsjunge an und unternimmt 1866 eine einjährige Weltreise. Fünf Jahre später arbeitet er als Anlageberater in einem Pariser Bankhaus und spekuliert nebenbei erfolgreich an der Börse, was ihm einen luxuriösen Lebensstil ermöglicht. In seiner Freizeit beginnt er zu malen und zu zeichnen.

Gaugin heiratet die Dänin Mette-Sophie Gad, fünf Kinder gehen aus dieser Ehe hervor. Er wird zum Pariser Salon zugelassen, mietet ein eigenes Atelier am Montparnasse und schnitzt dort auch an ersten Skulpturen.

Ein anderer «Ursprung der Welt»

Auf seiner Suche nach Ursprünglichkeit zieht er verschiedene Male in die Bretagne, nach Pont-Aven, und beginnt 1886, in dem Jahr, in dem er auch Vincent van Gogh kennen lernt, an eine Reise in die Tropen zu denken. 1891 reist er ein erstes Mal nach Tahiti, das erhoffte Paradies findet er dort allerdings nicht. Zu stark waren auch dort die Einflüsse der bürgerlichen Gesellschaft spürbar.

Eine zweite Reise führt ihn 1895 erneut nach Tahiti, der Kontakt zu seiner Familie und seinen Künstlerfreunden bricht ab. Es gelingt Gaugin allerdings, fünf Jahre später mit dem Pariser Kunsthändler Ambroise Vollard einen Vertrag abzuschliessen, der es ihm ermöglicht, von seiner Kunst zu leben.

1901 übersiedelt Paul Gauguin – nach wie vor auf der Suche nach neuer Inspiration – auf die Marquesas-Insel «Hiva Oh», rund 1500 Kilometer östlich von Tahiti, wo seine letzten bedeutenden Werke entstehen. Dort stirbt er 1903, verarmt und krank, im Alter von 54 Jahren. Trotz aller Beschwerden hat Paul Gauguin Werke von betörender Anmut und tiefer Symbolik geschaffen, die seinen Ruf als wichtigsten Künstler des späten 19. Jahrhunderts und Vorläufer der Moderne bestätigen.

Zivilisierter Blockbuster

Gründe genug für die Fondation Beyeler, eine umfassende Ausstellung mit rund 50 Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen des französischen Künstlers zu organisieren. Die beiden Kuratoren Martin Schwander und Raphaël Bouvier sowie ein erweitertes Projekt-Team arbeiten seit vier Jahren an den Vorbereitungen dieser Ausstellung, die alles überbietet, was die Fondation Beyeler bisher gezeigt hat.

Die Versicherungssumme für alle Werke beläuft sich auf 2,5 Milliarden Schweizer Franken. Und um den Besucherstrom zu bewältigen, werden die Kassen, Garderoben, Toiletten und der Restaurationsbetrieb ausgebaut. Doch wie Sam Keller, Direktor der Fondation Beyeler, betont, soll eine zivilisierte Blockbuster-Ausstellung auf hohem Niveau entstehen; und auch die Fondation wird für diesen Zweck nicht auf den Kopf gestellt. Die Eintrittspreise entsprechen denjenigen der Van-Gogh-Ausstellung im Kunstmuseum im Jahr 2009. Tickets für 28 Franken können bereits ab heute auf der Website der Fondation reserviert werden.

Übrigens, die Fondation Beyeler selbst besitzt kein Bild von Gauguin, Ernst Beyeler besass zwar Bilder von ihm, erachtete diese jedoch nicht als substanziell genug, um sie seiner Fondation einzuverleiben. Freuen dürfte er sich über die Ausstellung trotzdem.

Paul Gauguin Fondation Beyeler Riehen, vom 8. Februar bis zum 28. Juni 2015.www.fondationbeyeler.ch

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