Basler Wahlen
Die bz meint: Baschi Dürr würde der Basler Regierung guttun

Als Nachfolger von Hanspeter Gass dürfte ein Parteikollege aus der FDP in den Regierungsrat gewählt werden. Die bz führt drei Gründe an, wieso Baschi Dürr seinem Mitbewerber Christophe Haller vorzuziehen sei.

Hans-Martin Jermann
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Der zahme Auftritt gestern vor den Medien lässt nur einen Schluss zu: Die vier Regierungskandidaten von FDP, LDP und CVP glauben selber nicht so richtig daran, dass sie am 28. Oktober die rot-grüne Mehrheit in der siebenköpfigen Exekutive knacken. Da auch die Wahlchancen des Grünliberalen Emmanuel Ullmann und der SVPler Lorenz Nägelin und Patrick Hafner als gering einzuschätzen sind, steht bei den Regierungswahlen folgende Frage im Vordergrund: Wer wird anstelle des abtretenden Hanspeter Gass neuer Basler Sicherheitsdirektor? Der freisinnige Baschi Dürr oder der freisinnige Christophe Haller?

Die Stadtredaktion der bz empfiehlt in diesem parteiinternen Zweikampf den 35-jährigen Grossrat und FDP-Vizepräsidenten Baschi Dürr zur Wahl in die Regierung und begründet dies mit drei Argumenten:

1. Dürrs Grundhaltung: Baschi Dürr ist ein moderner Freisinniger, der aus tiefen Überzeugungen politisiert: Sein Wahlslogan «Mut zur Freiheit» beschränkt sich nicht auf das Steckenpferd der FDP, die Wirtschafts- und Finanzpolitik. Dürrs liberale Grundhaltung tritt auch in gesellschaftlichen Fragen zutage: So hat er sich 2010 als einer von wenigen Bürgerlichen für das Ausländerstimmrecht ausgesprochen. Auch in der Drogenpolitik vertritt er progressive Positionen. Staatlicher Bevormundung und Restriktionen steht er skeptisch gegenüber. Ausgestattet mit diesem weltoffenen Geist wäre Dürr ein guter Repräsentant Basels.

2. Dürrs Unabhängigkeit: Baschi Dürr ist das Gegenteil eines Lobbyisten, der politisiert, um die eigene Klientel zu bedienen. Mit unkonventionellen Ideen weicht er auch einmal von der Parteidoktrin oder vom Meinungs-Mainstream ab. Dürr würde frischen Wind in die Regierung bringen. Ein Beispiel sind seine Ideen in der Kulturpolitik. Dürr postuliert, dass der Staat in der Finanzierung neue Wege beschreitet und, anstatt Institutionen zu alimentieren, Funktionen ausschreibt, die er gerne verwirklicht sähe. Ob damit das Ei des Kolumbus gefunden ist, bleibe dahingestellt. Tatsache ist: Dürrs originelle Inputs haben der Kulturdebatte Schwung verliehen. Solche Impulse könnten auch in der Tätigkeit der Regierung hilfreich sein.

Wohltuend nüchtern ist Dürrs Position in der Sicherheitsdebatte: «Doppelt so viele Polizisten bringen keine Halbierung der Kriminalität», sagte Dürr jüngst im Gespräch mit der bz – und klang wie ein Staatsmann: Im Marktgeschrei der politischen Auseinandersetzung kann es mitunter Aufgabe eines Regierungsmitglieds sein, mit womöglich unbequemen Wahrheiten zur Versachlichung beizutragen. Dürr würde davor sicher nicht zurückschrecken. Auch deshalb ist er eine ideale Besetzung für ein Exekutivgremium.

3. Dürrs Führungsqualitäten: Weder hat Baschi Dürr, der einst im Militär das Weitermachen verweigerte, Truppen in den Krieg geführt. Noch hatte der Ökonom, der die Basler Zweigstelle der PR-Agentur Farner aufgebaut hat, je Hunderte Mitarbeitende unter sich. Gleichwohl geniesst Dürr als Präsident der grossrätlichen Finanzkommission weitherum Respekt: Selbst politische Gegner loben seine Sitzungsführung und Dossierfestigkeit. Wenn der eloquente Glatzkopf im Grossratssaal zum Mikrofon schreitet, so ist ihm die Aufmerksamkeit sicher. Dürr verfügt über moderne Führungseigenschaften; Eigenschaften, die weniger auf Hierarchie als auf die Macht des Wortes bauen. Dürr brächte einen neuen, zeitgemässen Stil in die Regierung, der womöglich auch im Justiz- und Sicherheitsdepartement ankommen würde.

Noch etwas zur viel diskutierten Führungserfahrung: Finanzdirektorin Eva Herzog hatte hiervon bei ihrer Wahl 2004 nicht mehr als nun Dürr. Heute zweifelt kaum jemand daran, dass sie ihren Laden im Griff hat.

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