Türken-Streit
Die beiden alevitischen Vereine sind sich nicht einig

Der Basler Kulturverein der Aleviten und Bektaschi distanziert sich wegen umstrittener Veranstaltung von seinem Partnerverein.

Noemi Lea Landolt
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Schlussendlich wollen beide Vereine möglichst viele wahlberechtigte Türkischstämmige in ihrem Einzugsgebiet mobilisieren – uneinig sind sie sich über die Methode. (Symbolbild)

Schlussendlich wollen beide Vereine möglichst viele wahlberechtigte Türkischstämmige in ihrem Einzugsgebiet mobilisieren – uneinig sind sie sich über die Methode. (Symbolbild)

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Am 16. April stimmt die Türkei über ihre Verfassungsreform ab. Bisher war die türkische Gemeinde in der Region in zwei Lager gespalten. Wegen einer bevorstehenden Veranstaltung des alevitischen Kulturzentrums Basel kritisiert nun der zweite alevitische Verein in Basel den eigenen Partner.

An der umstrittenen Veranstaltung am 2. April in Allschwil wird die oppositionelle HDP-Politikerin Tugba Hezer auftreten. Gegen sie läuft in der Türkei schon länger ein Verfahren. Die HDP sei ein verlängerter Arm der Terrororganisation PKK, lauten die Vorwürfe des türkischen Staates.

Erdogan-Anhänger aus der Region kritisieren den geplanten Auftritt von Hezer denn auch scharf. Dies umso mehr nachdem die Baselbieter Polizei eine Veranstaltung der nationalistischen Grauen Wölfe in Reinach verboten hatte, weil die Antifa zur Gegendemo aufgerufen hatte.

Das alevitische Kulturzentrum Basel versteht den Auftritt von Hezer nicht als Provokation. Die HDP sei eine legale Partei, Hezer eine gewählte Politikerin. Solche Anfeindungen von Nationalisten würden sie aus der Türkei nur allzu gut kennen. «Das wollen und werden wir nicht akzeptieren», teilte der Verein am Mittwoch mit. Es sei «inakzeptabel», Kritiker des Referendums als Terroristen zu beschuldigen.

Mobilisieren statt provozieren

Das geht dem zweiten alevitischen Verein in Basel zu weit. Die Kulturvereinigung der Aleviten und Bektaschi distanziert sich in einer Mitteilung von den Aussagen der Verantwortlichen des alevitischen Kulturzentrums. Es sei «ausnahmslos wichtig, als Gemeinschaft Ruhe zu bewahren und von Aktivitäten, die provokativ empfunden werden können, fern zu bleiben». Die Vereinigung ist von ihrem Partnerverein «enttäuscht» und erwartet «eine moderatere Haltung».

Hasan Kanber sitzt im Vorstand der Kulturvereinigung der Aleviten und Bektaschi. Auf Anfrage konkretisiert er die Kritik am eigenen Partner: Solche Veranstaltungen seien nicht per se schlecht. «Aber für mich kommt es zu einer Zeit, in der man besser einige Cars gemietet hätte und mit den Leuten zum Abstimmen zum Konsulat nach Zürich gefahren wäre.» Ihm ist wichtig, dass nicht alle Aleviten mit der Veranstaltung in Verbindung gebracht werden. «Wir haben aus der Zeitung vom Anlass erfahren und hatten keinen Einfluss auf die Gäste.»

Nadir Bal vom alevitischen Kulturzentrum möchte das Thema am liebsten nicht mehr weiter ausbreiten. Er findet es schade, dass sich die Kulturvereinigung der Aleviten und Bektaschi sich nicht direkt an ihn gewandt hat, zumal die beiden Vereine in Basel die anerkannte alevitische Glaubensgemeinschaft bilden. «Es soll jetzt nicht noch das Contra-Erdogan-Lager gespalten werden.» Im Hinblick auf die Veranstaltung am 2. April habe der Verein den Kontakt zur Polizei gesucht. «Die öffentliche Sicherheit steht für uns an oberster Stelle.»

Letztlich hoffen beide Vereine auf ein Nein zur Verfassungsreform. Uneinig sind sie sich, mit welchen Methoden sie möglichst viele wahlberechtigte Türkischstämmige in ihrem Einzugsgebiet mobilisieren können.

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