Die Basler Fast-Fasnacht
«Es kunnt widr» – vor den Laternen-Monolithen auf dem Münsterplatz schmerzt das Fasnachtsherz

Als erste Station des am Mittwoch eröffneten Fasnachtsspaziergangs beschwören die «Ladäärne-Monolithen» den Fasnachtsgeist. Darunter ist auch ein aktuelles Sujet.

Tanja Opiasa-Bangerter
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Laternenausstellung auf dem Münsterplatz Basel.

Laternenausstellung auf dem Münsterplatz Basel.

Juri Junkov / bz Zeitung für die Region

Die meterhohen Gebilde ragen in den blauen Himmel. «Kopf hoch» steht auf einer Leihgabe der Spale-Clique – datiert von der Fasnacht 2017. Neben Mickey Mouse und unweit von Harry Potters Hogwarts der Sans-Gene Strizzi legt eine schillernde «alti Dante» ihren Arm um eine Trauergestalt. Es ist Frau Fasnacht 2021 in schwarzem Nonnengewand. Mit hängenden Schultern hält sie ein verdorrtes Mimösli in den Händen. «Das schmerzt», sagt ein Passant und hält einen Moment versunken inne.

Die Kreation des Basler Laternenkünstlers Daniel Burri ist eines der einzigen Sujets der ausgefallenen Fasnacht 2021. Wir besuchen den Kopf hinter dem Kunstwerk in seinem Atelier auf dem Wolf. «Adie Fasnacht», prangt in schwarzen Buchstaben von einem Leuchtbild. «Das war der Frust vom letzten März», sagt der 57-Jährige und zeigt uns das Laternengestell der Alten Glaibasler, seiner Stammclique, das auf bessere Zeiten warte. Er selbst sei dank diverser privater Aufträge ausgelastet, sagt Burri, der sich seit 2005 der Laternenkunst widmet.

Laternenkünstler Daniel Burri sorgt dafür, dass in Basel zumindest ein bisschen Fasnachsstimmung aufkommt.

Laternenkünstler Daniel Burri sorgt dafür, dass in Basel zumindest ein bisschen Fasnachsstimmung aufkommt.

Juri Junkov / bz Zeitung für die Region

Wöchentlich treffen Bestellungen diverser Kopflaternen und Leuchtbilder von wehmütigen Fasnächtlern ein. Das Fasnachtsfieber fehle dennoch. «Hier wimmelt es normalerweise von Fasnachtskollegen, die sich bei einem Bier über die giftgrüne Nase ihres Waggis amüsieren», sagt er. Normal sei in diesem Jahr nichts, aber Aufgeben sei auch keine Option. Statt zu resignieren, habe er seinem Frust auf der Leinwand Raum gegeben und für den Monolithen ein neues Sujet kreiert. «Es kunnt widr», steht in Grossbuchstaben rechts in seinem Bild. «2022 machen wir wieder Fasnacht», sagt Burri.

Fasnachtsvibes und «E weeneli Fasnacht»

«In den Ladäärne-Monolithen lebt der Fasnachtsgeist auf», meint Pia Inderbitzin, die Obfrau des Basler Fasnachtscomités. Die beleuchteten Monolithen seien mit ihrer zentralen Lage ein idealer Ausgangspunkt für den Fasnachtsspaziergang, betont sie und erinnert sich an die Geburtsstunde des Projektes. Als im vergangenen Oktober die Pläne für die diesjährige Fasnacht pandemiebedingt versenkt wurden, hätten die Monolithen zu den ersten Ideen für eine Alternative zur traditionellen Laternenausstellung auf dem Münsterplatz gehört, sagt Inderbitzin.

Der Aufruf an die Aktiven, sich am Monolithen mit Laternenseiten zu beteiligen, sei bei den Cliquen gut angekommen. Sie betont: Die Laternenseiten stammen sowohl von Jungen Garden als auch von diversen Stammvereinen und anderen Cliquen. Bei der Gestaltung des Fasnachtsspaziergangs seien fast alle Jungen Garden beteiligt. «Wir wollten wenigstens dem Nachwuchs etwas Vorfasnachtsstimmung gönnen», sagt sie. Diesen müsse man nach der zweiten Absage am Ball halten, betont auch eine ehemalige Aktive, die sich mit ihrer Begleitung soeben über das Trump-Sujet auf einer Laterne unterhält.

Wie vor den ägyptischen Pyramiden fühlt sich ein Sans-Gênler. «Als ob hier dokumentiert werde, wie die Basler einst Fasnacht machten», sagt er und seufzt.

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