Baseldeutsch Ja oder Nein?

Dialekt-Debatte: Dr Grooss Root het Lämpe, wie-n-är schwätze soll

Redet im Ratssaal gerne Baseldytsch: Alexander Gröflin von der SVP.

Redet im Ratssaal gerne Baseldytsch: Alexander Gröflin von der SVP.

Der Basler SVP-Grossrat Alexander Gröflin will Baseldytsch im Parlament stärker verankern. Ein Dialektpapst findet das «lätz».

Der Basler Parlamentsbetrieb ist ein sprachliches Durcheinander. Eine grosse Mehrheit spricht Hochdeutsch, gespickt mit zahlreichen Anglizismen und manchmal einigen lateinischen Sprüchen. Einige wenige Grossräte sprechen am Rednerpult, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist: Baseldeutsch. Einer von ihnen ist Alexander Gröflin, der sich in der Dialektik des Dialekts übt: Der SVP-Grossrat will erreichen, dass Baseldeutsch zur Norm wird.

Er hat gestern einen Anzug «betreffend mehr Baseldytsch im Grossen Rat» eingereicht. Darin fordert er, die Geschäftsordnung dahingehend anzupassen, «dass hauptsächlich Schweizerdeutsch» gesprochen werden soll. Vorzugsweise sei dies natürlich «Baseldytsch», denn Gröflin will mit seinem Vorstoss die «lokale Sprachidentität» fördern und bewahren. Regierungsrat Hans-Peter Wessels müsste aber weiterhin seine Ostschweizer Wurzeln nicht verheimlichen, auch «ein anderer Dialekt» würde toleriert.

Baseldeutsche Voten sind ein eher neues Phänomen. Möglich sind sie erst seit der Totalrevision der grossrätlichen Geschäftsordnung 2005. Damals gab es eine intensive Diskussion darüber, ob Hochdeutsch Amtssprache sein soll. Schliesslich einigten sich die Parlamentarier auf «Deutsch» – wozu auch lokale Varietäten gehören. In den vergangenen Jahren waren es stets ein bis zwei Handvoll Politiker, verteilt über alle Fraktionen, die auf Baseldeutsch debattierten: Felix Müry (LDP) zählt dazu, Roland Lindner (SVP), Sebastian Kölliker (SP) und René Häfliger, wie Müry von den Liberalen.

Grenzen des Baseldeutsch

Bei Häfliger kommt Gröflins Vorschlag gut an. «Ich werde diesen Vorstoss absolut unterstützen», sagt er, der seine Voten stets in Baseldeutsch hält. Viele Parlamentarier hätten heute den Mut nicht, in Mundart zu argumentieren. «Dabei diskutieren wir im Vorzimmer, auf der Strasse und in den Kommissionen doch auch immer auf Baseldeutsch.»

Kölliker ist der einzige Vertreter der SP-Fraktion, der nur Dialekt spricht. «Ich bin das aus dem Bürgergemeinderat gewohnt», sagt er. Dort ist die Varietät Standard, wie übrigens auch im Baselbieter Landrat und vielen anderen Kantonsparlamenten. «Für mich ist es natürlicher, auf die Weise meine Punkte darzulegen, wie ich es auch von Angesicht zu Angesicht täte», sagt Kölliker. Einen Zwang hält er indes für falsch. «Das ist übertrieben, es besteht keinerlei Bedarf dazu.»

Zuspruch erhält er ausgerechnet von einem bürgerlichen Baseldeutsch-Papst: Felix Rudolf von Rohr, ehemaliger Comité-Obmann und alt Grossratspräsident. «Dieser Vorschlag ist lätz», sagt er, «man kann sicher nicht vorschreiben, Dialekt zu sprechen.» Die Baseldeutsche Varietät stosse beim Legiferieren an Grenzen, ohne Präteritum oder Plusquamperfekt. Auch sei das direkte Übersetzen von Schriftsprache auf Baseldeutsch schwierig. «Die meisten können das nicht fliessend», die Gefahr von Stilblüten sei entsprechend hoch. Als Grossratspräsident habe er sich persönlich stets an die Schriftsprache gehalten, «in engagierten Debatten manchmal nicht», sagt von Rohr.

eat Flury vom Basler Parlamentsdienst will sich nicht dazu äussern, was eine Umstellung auf Dialekt für die Protokollanten bedeuten würde. «Sollte der Anzug überwiesen werden, müssten wir dies im Parlamentsdienst prüfen», sagt er.

Sein Vorgänger, Thomas Dähler, glaubt nicht an einen grossen Aufwand. «Oft ist es mühsamer, die Reden der Politiker in ein richtiges Deutsch zu setzen, als von Dialekt in Schriftsprache zu übersetzen», sagt er. Für die Zukunft macht er jedoch ein anderes Problemfeld aus: automatische Spracherkennung. «Andere Kantone arbeiten probeweise bereits mit einer Software, um die Ratsprotokolle zu erstellen», sagt Dähler. Sollte dieser Wunsch auch einmal in Basel-Stadt auftauchen, seien Dialekt-Voten nicht mehr möglich.

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