Ozeanium
Der Zolli baut ein Bildungszentrum unter dem Wasserspiegel

Für das Grossprojekt des Basler Zoos, dem Ozeanium auf der Heuwaage, ist bereits die Hälfte der Baukosten durch Spenden abgedeckt. Die Verantwortlichen planen die Eröffnung im Jahr 2023. Dieser Tage erfahren die Abonnenten aus erster Hand, wie es um das Riesenaquarium steht.

Barbara Saladin
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Ozeanium in Basel: In 30 Stationen soll der Besucher eine Art Weltreise machen.

Ozeanium in Basel: In 30 Stationen soll der Besucher eine Art Weltreise machen.

Zoo Basel

Der Münsterhügel geht direkt in den offenen Ozean über, das Kleinbasel ist verschwunden. «Basel liegt am Meer» ist dieses Bild betitelt. Solch grosse Veränderungen in der Stadt planen die Verantwortlichen des Zoo Basel dann doch nicht: Bloss auf der Heuwaage wollen sie ein Ozeanium – das Erste seiner Art im zentralen Mitteleuropa – erstellen. Dieser Tage informiert der Zolli seine Abonnentinnen und Abonnenten über den neusten Stand des geplanten Grossaquariums. Insgesamt 1650 Menschen werden es bis Anfang Februar sein, die an einer der fünf Informationsveranstaltungen im neuen Restaurant des Zolli teilgenommen haben werden.

Das Ozeanium soll zum «Bildungszentrum für nachhaltigen Lebensstil» werden, wie Kurator Thomas Jermann an der ersten der fünf Informationsveranstaltungen sagte: «Wir wollen nicht den Mahnfinger erheben, sondern die Leute zum Staunen bringen.» Und sie zu einer Art Weltreise einladen, an der an 30 Stationen zu verschiedenen Themen beobachtet und gelernt werden kann: begonnen in Basel mit dem Lachs als Meerestier, weiter mit Plankton, Plastikmüll, Korallenriff und der Bedrohung der Haie bis zum Südpolarmeer. Die Eselspinguine, die heute im Zolli-Vivarium leben, sollen ebenfalls eine Anlage unter dem Dach erhalten, die doppelt so viel Wasser umfasst wie das Rialto. Für das zukünftige Ozeanium-Korallenriff werden bereits heute im Vivarium Korallen gezüchtet.

Der Eintritt soll tief sein

«Das Meer geht uns alle an», appellierte Kurator Jermann an die Anwesenden. Aus dem Meer ziehe die Menschheit Essen und Energie, das Meer diene als Transportweg und als Wetterküche der Erde: «Eigentlich sind wir alles Meerestiere.» Ein Eintritt ins Ozeanium solle nicht mehr kosten als ein Kinobillett, so Jermann. Damit liegt es im europäischen Vergleich sehr tief. Der Zoo rechnet mit einer Besuchermenge von rund einer halben Million jährlich. 50 neue Vollzeitstellen sollen geschaffen werden.

Nach den benötigten 100 Millionen Franken für den Bau sucht der Zoo gemäss Zoodirektor Olivier Pagan auch international, da es sich um ein Projekt mit internationaler Ausstrahlung handelt. Das Geld soll unter anderem durch Spenden, Stiftungen, Eigenmittel und Lotteriefondsgelder zusammenkommen. Nachdem der Zolli im vergangenen April von anonymer Seite eine erste Leadspende von 30 Millionen Franken erhalten hat, stehen nun rund 42 Millionen bereit. Bald die Hälfte also. Pagan betonte, dass weder Bau noch Betrieb des Ozeaniums mit Steuergeldern der Kantone finanziert würden. Mit dem Bau rechnet der Basler Zoo – politisches grünes Licht vorbehalten – in den Jahren 2019 bis 2022, die Eröffnung wird im Jahr 2023 vonstattengehen.

Nur Echtes geht unter die Haut

Ein grosses Thema für die Zoo-Abonnenten am Informationsabend war die Nachhaltigkeit. Auf eine Frage aus dem Publikum, wieso sich der Zoo nicht gemäss heutigen technischen Möglichkeiten auf das Zeigen von interaktiven, digitalen Tieren verlege, was deutlich ökologischer sei, meinte Jermann: «Unsere Stärke sind lebende Tiere. Nur was echt ist, geht unter die Haut.»

Die Verbindung zwischen Zoo und Ozeanium soll durchs Nachtigallenwäldli und über den heutigen Zolli-Parkplatz erfolgen. Auch dort sind Neuerungen geplant: Die Parkplätze sollen dereinst unter die Erde des Erdbeerhügels verlegt werden. Derzeit läuft eine entsprechende Investorenausschreibung.