Film

Der Weltstar in der Stadt von Welt: Anatole Taubman spielt in Basler Flume-Film

Der Bond-Bösewicht Anatole Taubman spielt im Basler Film «Puppets» von Michael Flumes mit. Die bz hat ihm einen Besuch am Set abgestattet.

Nur langsam gewöhnen sich die Augen ans spärliche Licht, in einer Ecke brennt eine Kerze, es herrscht fast andächtige Stille im Keller des Basler Marionettentheaters. Im künstlich erzeugten Nebel bilden zwei Marionetten ein denkwürdiges Bild. Das Kamerateam tritt zur Pause ab, die geladene Presse wird nach vorne gebeten. «Ich will diese Stadt in die Welt heraustragen, so sehr liebe ich Basel», schwärmt Michael Flume, der früher zwei Jahrzehnte in der US-Metropole New York lebte.

Mit seinem zweiten Film Noir, der sich am expressionistischen Grusel-Kino der 1920er und 30er anlehne, wolle der Basler Regisseur die Magie der Stadt einfangen, betont er gegenüber der bz. Das Portrait einer dramatischen Dreiecksbeziehung um Monsieur Baptiste, seiner Köchin Nelly und ihrem Geliebten, dem Sohn von Puppenmacher Poppel, sei von einer wahren Geschichte inspiriert. Die Rache einer der Marionetten, die dem enttäuschten Baptiste zum Opfer fällt, und schliesslich zum Leben erweckt wird, sei ein Fantasieelement, das mit der Leblosigkeit der Marionetten spiele, betont Flume. «Das Marionetten Theater hat uns stets unterstützt», betont Flume, bevor ein Raunen durch die Anwesenden geht.

Unter dem weisslichen Gesichts-Make-Up, der üppigen Perücke und dem samtenen Mantel lässt sich die Identität des Eintretenden zunächst nur erahnen. Die Präsenz, mit der Anatole Taubman den sinisteren Baptiste mimt, ist im Raum schier greifbar: «Dank seiner schauspielerischen Leistung ist meine Vision zum Leben erweckt worden», sagt Flume dankbar.

Kostümfilm mit Basler Kulisse

«Ich bewohne die Figuren, die ich verkörpere», betont der erfolgreiche Schweizer Schauspieler, der sich mit seiner Rolle als Bond-Bösewicht in Marc Fosters «Quantum of Solace» ins Gedächtnis eines Weltpublikums spielte. Er sei erst eins mit seinem Charakter, wenn er keine Fragen mehr an ihn habe, sagt er und blickt auf seine, für die Rolle, verlängerten Nägel. Der Kostümfilm von Flume lebe von der wunderbaren Ausstattung der Basler Drehorte – gedreht wird unter anderem im Kirschgarten, der allgemeinen Lesegemeinschaft oder im Pharmaziemuseum – sagt Taubman, der über die Authentizität Basels sinniert. «Die ganze Stadt scheint mit Herzblut am Projekt mitzuwirken», sagt Taubman, der mit «Puppets» neues Terrain betritt. Die Stille am Set stehe der tiefen Emotionalität nicht im Wege; im Gegenteil, betont er. Das Drehbuch habe ihn von der ersten Seite an gefesselt, erinnert er sich.

Villa wird während Nachtschicht umgebaut

Die Dramatik der Gefühlswelten, die das stumme Mimen noch verstärke, lässt auch Giulia Paganini nicht los. «Die Körperspannung, die der Stummfilm von uns verlangt, erinnert mich an die Arbeit auf der Theaterbühne», sagt die in Rom ausgebildete Paganini, die in «Puppets» Köchin Nelly mimt. Ihr sei beim Dreh einer aufwühlenden Szene am Mittwoch im Kreuzgang des Basler Münsters gar ein Schrei entwichen.

«Nelly kann sich nur schwer von Baptiste lösen», sagt Paganini und blickt zu Taubman. Neben ihrem Idol vor der Kamera zu stehen, sei eindrücklich, betont sie. «Der Zugang über das Körperliche fällt mir leicht», betont auch Paganinis Schauspielkollege Saladil Dellers, der mit seinem Filmdebüt «Silberwald» 2012 den Schweizer Filmpreis erhielt. Wir werden gebeten, zu gehen, die nächste Szene steht an. Später wird noch eine Basler Villa zum Drehort umgebaut. Die fast 70-köpfige Crew legt dafür eine Nachtschicht ein.

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