Coronavirus
Der Weihnachtsmarkt findet statt während andere Grossanlässe abgesagt werden: Was soll das bedeuten?

Im November gibt es in Basel einen Weihnachtsmarkt. Wie das funktionieren soll.

Jonas Hoskyn
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Dieses Jahr soll es in Basel einen Weihnachtsmarkt geben - trotz Corona.

Dieses Jahr soll es in Basel einen Weihnachtsmarkt geben - trotz Corona.

Basel Tourismus

«Ich weiss, Bern blutet das Herz, aber wir sehen leider keine andere Möglichkeit als die Absage», sagte der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause gestern zur Absage des diesjährigen Zibelemärit. Vor dem Hintergrund der immensen Besucherzahlen sei die Einhaltung von Schutzmassnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus nicht ausreichend möglich.

Auch Nauses Parteikollege, der Basler CVP-Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger musste schon bei diversen Grossanlässen sein Veto einlegen – die prominentesten Beispiele: die Fasnacht, der SlowUp, die Bundesfeier und die Herbstmesse. Entsprechend quer in der Landschaft stehen deshalb die Pläne des Kantons, ab dem 26. November den Weihnachtsmarkt durchzuführen.

Maximal 430 Personen auf Münsterplatz und Barfi

Der Kanton Basel-Stadt hat vergleichsweise restriktive Schutzmassnahmen für Veranstaltungen erlassen. Während der Bund die Obergrenze in einem ersten Schritt von 300 Personen auf 1000 erhöht hat und auch diese voraussichtlich ab Oktober aufheben wird, hat Basel-Stadt zeitgleich eine Beschränkung auf 100 Besucherinnen und Besucher bis Ende Jahr beschlossen.

Allerdings: Der Weihnachtsmarkt gilt juristisch nicht als «öffentliche Veranstaltung». Märkte dagegen werden wie Einkaufszentren beurteilt. Entsprechend wird berechnet, wie viele Personen gemäss den geltenden Abstandsregeln maximal gleichzeitig anwesend sein dürfen. Beim Weihnachtsmarkt bedeutet dies folgende Regelung: Pro Besucher wird mit einer Fläche von 4 Quadratmetern gerechnet. Also dürfen sich auf den Münsterplatz (800 Quadratmeter) maximal 200 und auf dem Barfüsserplatz maximal 230 Personen gleichzeitig auf dem Areal des Weihnachtsmarktes aufhalten – ein Bruchteil der Besucherinnen und Besucher, welche normalerweise zum Christbaumschmuck kaufen, Raclette verköstigen und Glühwein schlürfen an den Weihnachtsmarkt pilgern.

Keine Maskenpflicht oder Contact Tracing

Um die Obergrenze kontrollieren zu können, werden die beiden Märkte eingezäunt und Zugangskontrollen durchgeführt. Das Schutzkonzept des Präsidialdepartements sieht weiter vor, dass die Durchgänge zwischen den Standreihen verbreitert werden, was unter dem Strich zu rund einem Drittel weniger Marktstände führt. Die Restaurationsbetriebe müssen sich zusätzlich an die Auflagen für das Gastgewerbe halten: Entsprechend wird es auch im Fondue­stübli weniger Tische geben.

Weitergehende Schutzmassnahmen wie eine Maskenpflicht oder Fiebermessen wie dies vereinzelt in Geschäften gemacht wird, sind nicht vorgesehen. «Eine Empfehlung zum freiwilligen Tragen einer Schutzmaske wird abgegeben, wie dies auch bei anderen Gelegenheiten gemacht wird», sagt Stephan Gassmann vom Gesundheitsdepartement. Auch Contact Tracing ist – wie bei Warenhäusern – kein Thema.

«Wir haben faktisch ein Berufsverbot»

«Es ist ein schönes Zeichen, dass der Kanton bereit ist, den Weihnachtsmarkt unter den entsprechenden Bedingungen durchzuführen», sagt Oskar Herzig, der die Marktfahrer und Schausteller bei den Verhandlungen mit dem Kanton vertrat. «Wir können als Gesellschaft nicht einfach alle Traditionen auf unbestimmte Zeit streichen.» Für die Branche sei die Situation dramatisch. «Wir haben faktisch ein Berufsverbot.»

Der frühere SVP-Grossrat, der nach eigenen Angaben zur Hochrisikogruppe zählt, will am Weihnachtsmarkt selber am Stand arbeiten. «Es liegt an mir, mich entsprechend zu verhalten.» Allerdings: Ob der Weihnachtsmarkt durchgeführt werden kann, wird auch stark davon abhängen, wie sich die Zahlen in den kommenden Monaten entwickeln werden. «Wir können nur hoffen», sagt Herzig. «Eine Alternative gibt es nicht.»

LPD macht sich für Fasnacht 2021 stark

Die Basler Regierung soll nichts unterlassen, um eine bestmögliche Fasnacht und Vorfasnacht zu ermöglichen. Diese Forderung stellt LDP-Grossrat René Häfliger in seiner neusten Interpellation. Er fürchtet, dass die Fasnacht nächstes Jahr erneut wegen der Coronapandemie ausfallen muss und kritisiert etwa den Entscheid, die Herbstmesse abzusagen, als «die einfachst mögliche Lösung, obwohl es bei der Grösse unserer Stadt auch andere Möglichkeiten gegeben hätte».
Häfliger verweist auf die vom Bundesrat beschlossenen Lockerungen. Von der Regierung will der Fasnächtler unter anderem wissen, welche Konzepte für die Fasnacht 2021 erarbeitet werden und ob die Regierung verbindliche Zusagen abgeben kann, falls sich die Lage bis zum kommenden Frühjahr nur unwesentlich verändere. (hys)

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