Bühnenbaukunst
Der Umbau des Theater Basel ist im Verzug, die neue Saison naht

Das Theater Basel ist auch ein Industriebau. Damit vorne die Illusion fürs Publikum stattfinden kann, müssen hinten 1001 technische Details stimmen. Nun sind bei der zeitlich äusserst knapp bemessenen technischen Sanierung Probleme aufgetreten.

Susanna Petrin
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Theater Basel Sanierung 2015
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Mit der Elektrofirma gab es zu anfangs Probleme.
Statt 30 Techniker standen nur 13 auf der Matte.
Im Zuschauerraum wird das Parkett abgeschliffen.
Bequemere Stühle werden am Dienstag geliefert.
Die Bauarbeiten in dem 13-stöckigen Gebäude gestalten sich sehr komplex.

Theater Basel Sanierung 2015

Nicole Nars-Zimmer

So hatte sich die neue Theaterdirektion ihre viel beschworene Basler Dramaturgie nicht vorgestellt. Vor kurzem ist sie darüber informiert worden, dass bei der laufenden Sanierung des Hauses massive Probleme aufgetreten sind. Die beauftragte Elektrofirma Consorzio Emte Elektronorm ist mit den Elektroinstallationen für die Licht- und Tonanlagen sowie die Netzwerke in Rückstand geraten. Teile der neuen technischen Einrichtungen können nicht mehr rechtzeitig zum Saisonstart fertig werden. Nun muss man auf die alten Anlagen und Provisorien zurückgreifen. Einfach ist das nicht. Die Zeit ist knapp.

Am 22. Oktober soll die Saison mit der wuchtigen Opernproduktion «Chowantschtschina» von Modest Mussorgski eröffnet werden. 100 Menschen werden auf der grossen Bühne singen, das Orchester in grosser Besetzung spielen. Nicht auszudenken, wenn dieser Auftakt verschoben werden müsste. Nicht auszudenken, wenn all die Künstler Ausfallgagen bekommen müssten, der dichtgetaktete Spielplan nach hinten verschoben werden müsste.

Noch fünf weitere Premieren sind allein für die ersten beiden Wochenenden der neuen Spielzeit geplant, darunter eine weitere auf der grossen Bühne. Damit das alles klappen kann, müssen die Beteiligten am 21. September im Grossen Haus mit den Proben beginnen können. «Es gibt keinen anderen Ort, an dem wir proben könnten», sagt Theater-Mediensprecherin Ingrid Trobitz. «Bei den einen oder anderen liegen die Nerven zwar blank, aber noch sind wir zuversichtlich. Es wird einfach klappen müssen.»

Wasser, Licht und Luft

Wenn man sich die Bauarbeiten in diesem labyrinthischen, 13-stöckigen Gebäude anschaut, wird auch der Laiin rasch klar, wie komplex die laufenden Arbeiten hier sind. So manche inzwischen meterhohen Lüftungsanlagen seien in lauter kleinen Einzelteilen angeliefert worden. «Nichts kam als Ganzes, vieles musste im luftleeren Raum zusammengesetzt werden – in Räumen, in denen bisher nichts war», erklärt Thomas Bertschmann, Abteilungsleiter der Generalplanung Gruner AG. Er muss die Übersicht bewahren über rund 20 Firmen, 200 Arbeiter, 30 Planer und alles, was sie gerade tun.

Es geht um Licht, Luft, Strom und Wasser. Um Bühnentechnik, Erdbeben- und Brandschutz. Um das Elementare. Gleichzeitig um das, was für die Besucherinnen und Besucher unsichtbar in Rohren, Leitungen und Kabeln auf vielen Wegen durch das ganze Gebäude fliesst. Nach 40 Jahren funktionierte vieles nicht mehr richtig. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei derart komplizierten Umbauarbeiten etwas schiefgeht, ist hoch. Wie viele Puffertage sind fürs Theater eingerechnet worden? «Nur sehr wenige», sagt Bertschmann. Dass es sehr eng werde, habe das Planungsteam gewusst, «mit dieser Haltung sind wir ins Rennen gestiegen».

Als die Probleme mit der Elektrofirma kamen, habe man Mängelrügen geschrieben. Das war im März. «Statt der vereinbarten 30 Techniker seien am Anfang nur 13 da gewesen. So ging es natürlich nicht im gewünschten Tempo voran. «Wir haben den Druck auf das Consorzio laufend erhöht», sagt Bertschmann. Inzwischen sei er zuversichtlich, dass die Proben rechtzeitig übernächsten Montag beginnen können. 37 Elektriker arbeiten darauf hin. «Die Zuschauer werden nichts merken, das ist das Wichtigste», betont er. Seit Monaten steht er unter Dauerdruck – trotzdem wirkt er ruhig, überlegt.

Bequemere Stühle

Bertschmann führt uns vom Dach bis in den Keller. Zuoberst ist die berühmte nur zwölf Zentimeter dünne Betondecke des Hauses. «Hier dürfen wir nichts aufhängen, nicht bohren.» Der Fundus, sonst vollgestopft mit Kostümen und Schuhen, ist leer. Alles musste geräumt werden. Leer wirkt auch der Zuschauerraum. Die neuen, wie es heisst bequemeren Stühle werden am Dienstag geliefert. Das Parkett wird abgeschliffen. Eine Staubschicht liegt auf allem. Die Arbeiter hören laute Musik aus dem Ghettoblaster. Das Foyer ist voller Gerüste, der Zugang zu den Toiletten gesperrt – die Damen sollen doppelt so viele bekommen.

Im Keller steht ein orangefarbener Elektroschaltschrank aus den 1970er Jahren: Hier drin seien wichtige Schalthebel versteckt, sagt Bertschmann. Ein Teil dieser alten Technik muss es nun eine weitere Saison tun, endgültig ersetzt wird sie erst in der nächsten Sommerpause.
Der neue Direktor Andreas Beck und Ingrid Trobitz teilen sich provisorisch eines der Gästezimmer als Büro. Statt eines Bettes steht hier nun ein Pult. Auch eine Badewanne hat es hier. Bricht ihnen angesichts der Zeitnot der Angstschweiss aus, können sie wenigstens eine Dusche nehmen.